Allianzen gegen den Hass

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Von Doron Rabinovici

Die Österreichische Hochschülerschaft hat sich klar gegen BDS ausgesprochen – und beweist damit, dass Bündnispartner nicht in allen Punkten übereinstimmen müssen.

Die Österreichische Hochschülerschaft der Wiener Universität sprach sich gegen jeden Antisemitismus aus und zwar „ganz gleich, ob er im Mantel legitimer Menschenrechtsarbeit daher kommt oder durch deutschnationale Burschenschaften propagiert wird“. Im Parlament der Studentenvertretung wurde ein Antrag gegen jene Boykottbewegung angenommen, die gegen ganz Israel mobil macht und auch jeden Dialog mit israelischen Universitäten und Wissenschaftlern ablehnt. Mandatare aus allen Fraktionen stimmten für diese Erklärung und beschlossen gemeinsam, BDS möge kein Raum auf der Wiener Uni geboten werden. Diese Entscheidung ist umso wichtiger, als die ÖH Wien von linken Gruppierungen dominiert wird.

Die Abstimmung der Wiener ÖH beweist, wie falsch es wäre, aufgrund der Erfahrungen in einfache Klischees zu verfallen.

Wer sich noch erinnert, wie leidenschaftlich gerade jene Fraktionen einst – etwa in den Siebzigern und Achtzigern – gegen Israel hetzten, kann es kaum glauben. Zu jener Zeit beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Resolution 3379, in der erklärt worden war, „Zionismus ist Rassismus“, und es gehörte zum Konsens marxistisch leninistischer Kaderparteien, den Judenstaat in seiner Gesamtheit zu verteufeln, als handle es sich dabei nicht um eine vielfältige Nation, sondern um einen Stützpunkt des Bösen schlechthin.

BDS differenziert nicht zwischen besetzten Gebieten und Israel. Ja, diese Bewegung will nicht unterscheiden, ob es um Hebron oder Tel Aviv geht – und in diesem einen Punkt ist sie übrigens das genaue Gegenstück mancher Siedler. Der Aufruf, den israelischen Staat und alle seine Bürger zu ächten, muss an sich noch nicht antisemitisch sein, doch zweifellos klingt so eine Forderung nach der alten Agitation, die immer auch verkündete: „Kauft nicht bei Juden!“ Wer auf der Wiener Universität just die Wissenschaft Israels ausgrenzen möchte, erinnert unweigerlich daran, wie vor nicht allzu langer Zeit hier gegen alles Jüdische, gegen jüdischen Professoren, gegen jüdische Studenten und Studentinnen zu Felde gezogen wurde. Seit 1875 wurde in Vorlesungen immer wieder die Parole „Juden hinaus“ gerufen.

Aber die Abstimmung der Wiener ÖH beweist, wie falsch es wäre, aufgrund dieser Erfahrungen in einfache Klischees zu verfallen. Die Wiener Universität ist nicht mehr eine Hochburg des Antisemitismus. Die Linke kann, wie an diesem Beispiel erkannt werden muss, auch durchaus eine ausgewogene Position gegenüber dem Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern einnehmen.

Es gilt, im Kampf gegen Antisemitismus nicht kleinlaut aufzutreten, sondern auf den Unterschied zwischen politischer Kritik an der israelischen Regierung und dem schieren Ressentiment zu bestehen. Das bedeutet auch, nicht jeden Einwand als Verrat zu verurteilen, sondern in der Debatte verschiedene Standpunkte auszuhalten. Am Wichtigsten jedoch ist, für Bündnispartner offen zu bleiben. Sie müssen mit uns nicht in allen Punkten übereinstimmen. Zumal wir doch selbst gerne darauf hinweisen, die unterschiedlichsten Standpunkte in unseren Reihen zu beherbergen. Es geht nur darum, dass sie Antisemitismus und Rassismus in allen Formen entgegenzutreten wissen.

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