Am höchsten Punkt Israels

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Im Norden des Landes, im Dreiländereck Syrien-Libanon-Israel, erstreckt sich das Skigebiet um den Hermon. Ein kleiner Trost, wenn man die österreichischen Alpen vermisst.

Von Iris Lanchiano

Israel ist für viele Sachen bekannt. Unter anderem für seine Sandstrände, seine Jaffa-Orangen, sein Kulturerbe und den Nahostkonflikt. Die Liste ist lange. Doch Wintersport steht ganz sicher nicht auf dieser Liste. Die Begeisterung für das Skifahren, die man in Österreich mit der Muttermilch bekommt, ist im Nahen Osten doch noch etwas exotisch. Von Herman Maier haben hier die wenigsten gehört, und im Notfall macht auch die Jeans eine gute Skihose.

„Du kommst aus Österreich. Ihr habt
einen hohen Standard, was skifahren
betrifft. Du wirst enttäuscht sein.“

Die Golanhöhen sind Heimat des höchsten Punkts Israels, dem Hermon, und des Skigebiets um ihn herum. Ein kleines Skigebiet, welches auch im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel zum Wandern ist.

Man warnte mich davor hinzufahren, mit der Begründung: „Du kommst aus Österreich. Ihr habt einen hohen Standard, was skifahren betrifft. Du wirst enttäuscht sein. Außerdem ist es teuer, und Israelis können nicht skifahren. Da musst du aufpassen, dass dich niemand umfährt!“ Aber wenn der Berg ruft, dann schrecken einen auch diese Tatsachen nicht ab.

Bis zum Sechstagekrieg 1967 gehörten die südwestlichen Hänge des Hermons zu Syrien. Das Gebiet liegt im Grenzbereich zwischen dem Libanon, Israel und Syrien. Heute befindet sich unterhalb des Hermons der weltweit höchstgelegene UN-Stützpunkt, besetzt von UNO-Soldaten, die den Waffenstillstand überwachen. Auf dem Weg zum Hermon fährt man durch die drusischen Dörfer Ein Qiniyye, Buq’ata, Mas’ade und Maj­dal Shams. Die Mehrheit der Bevölkerung in den drusischen Dörfern der Golanhöhen sind syrische Drusen, die seit dem Sechstagekrieg unter israelischer Verwaltung leben. Im Gegensatz zu den anderen Drusen um Galiläa, die als Zionisten gelten und auch im israelischen Militär dienen, sind die syrischen Drusen loyal zu ihrer Heimat. Aber durch den Krieg in Syrien und die Verbreitung des Terrors durch die IS gab es 2015 einen Anstieg an drusischen Jugendlichen, die um die israelische Staatsbürgerschaft angesucht haben.

Wir halten in Mas’ade an, um den Markt zu besuchen und uns mit einer drusischen Pita und Knafeh zu stärken. Die drusische Pita wird wie ein Wrap mit Labane-Frischkäse und der Zatar-Gewürzmischung gegessen. Knafeh ist eine besonders beliebte warme Süßspeise im Nahen Osten, gefüllt mit Käse und nudelartigen Fäden wird sie vor dem Verzehr noch mit einem warmen Zuckersirup übergossen. Abgesehen davon sind die Drusen in den Golanhöhen bekannt für ihren Apfel- und Kirschanbau.

Angekommen am Hermon werden umgerechnet zehn Euro verlangt, damit man mit dem Auto zum Skigebiet fahren kann. Ein Tagesskipass kostet dann noch über 60 Euro und das Ausborgen einer Skiausrüstung inklusive Skianzug weitere 65 Euro. Ein teures Vergnügen, was auch mit ein Grund dafür ist, dass viele Familien nicht zum Skifahren kommen, sondern mit der Rodel den Hang hinabfahren. Ihnen geht es hauptsächlich darum, Schnee zu sehen, ihn anzugreifen, einen Schneemann zu bauen – und für die Kinder natürlich die Schneeballschlacht. Das Verlangen nach dem Schnee ist so groß, dass man auch ohne eine Pistenabfahrt eine Autofahrt von drei Stunden auf sich nimmt. Das ist ein Vorteil für all jene, die es mit dem Skifahren ernst meinen. Denn obwohl das Skiresort bei guter Wetterlage überfüllt ist, befinden sich die meisten nicht mit den Ski auf der Piste.

Im Restaurant Apres Ski in Majdal Shams könnte man sich noch etwas aus den Alpen abschauen. Denn wenn man sich nach dem Skivergnügen mit einem Teller Hummus statt mit einem Germknödel oder Käsespätzle zufrieden geben muss, ist das nur der halbe Spaß.

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