Editorial

„Kein Herz hat jemals gelitten, wenn es auf der Suche nach seinem Traum war.“ Paolo Coelho

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Träume ... können auch Berge versetzen. © 123rf

„With nothing on my tongue but Hallelujah“, sang Hagit Yaso. Sie sang Leonard Cohens Hallelujah im Wiener Rathaus und gleich danach bei der Eröffnung der amerikanischen Botschaft in Jerusalem. Mit diesem märchenhaften Auftritt wurden Träume wahr, politische und persönliche. Denn Hagit Yasos Geschichte ist eine vom Träumen und von dessen Wahrwerden, die US-Botschafter David Friedmann bei der Zeremonie so zusammengefasst hat: „Im Jahr 1980 heiratete in Äthiopien ein jüdischer Mann von 18 Jahren eine jüdische Frau von 17 Jahren. Noch in derselben Nacht verließen sie das Land und begaben sich auf eine lange Wanderung durch die Wüste, bis sie den Sudan erreichten. Dort wurden die beiden auf ein Flugfeld geführt und mit einem Militärflugzeug nach Israel geflogen. Nach ihrer Rettung ließen sie sich in der Stadt Sderot nieder, an der Peripherie von Gaza.“ Bald schon donnerten dort die Raketen über die Köpfe der Familie Yaso hinweg. Israels Rezept dagegen war die „Ei­ser­ne Kup­pel“. Das von Hagits Vater: religiöse Gesänge. Schon in ihrer Kindheit singen sie gemeinsam. Danach beginnt sie früh, auch im Chor zu singen, und sie singt alleine. 2011 nimmt sie dann bei der israelischen Castingshow A Star Is Born teil – und gewinnt. Sie wird über Nacht zum Star und singt von nun an auf der ganzen Welt.

Wir alle haben Träume. Wir alle lieben Geschichten von Menschen, denen es gelungen ist, ihren Traum wahr werden zu lassen. Und so haben wir in diesem Heft einige Traumgeschichten für Sie zusammengetragen, die uns berühren: die Geschichte der Wiener Fotografin Madame d’Ora, die mit Hilfe ihrer Kamera ihren Traum von Schönheit verwirklicht, um später, von den Erlebnissen der Schoah gezeichnet, zur Chronistin des Elends der Nachkriegsjahre zu werden. Und die Geschichte von Abraham Klein, der als Kind die Schoah überlebt, als leidenschaftlicher Amateurspieler dank einer wunderbaren Fügung zum Fußballschiedsrichter wird und 1978 das „Wunder von Córdoba“ pfeift.

Aber es gibt nicht nur die persönlichen Träume, sondern auch die großen historischen: So erträumten die Überlebenden der Schoah einen Staat, der heute, 70 Jahre nach seiner Gründung, nicht nur allen Juden eine Heimat bietet, sondern auch zu einer weltweit beachteten Hightechnation geworden ist. Und so erträumten die Gründer der Europäischen Union ein vereintes Europa, in dem wir „miteinander reden statt aufeinander schießen“, wie der EU-Abgeordnete Othmar Karas erzählt.

Ein Heft also voller Träume, die Wirklichkeit wurden – Träume, an die geglaubt wurde, für die aber auch hart gearbeitet und deren Wichtigkeit auch erkannt wurde: die berufliche Karriere, der sportliche Triumph, der wirtschaftliche Erfolg – und der Frieden in Europa. Und es liegt nun an uns, diese Träume auch für unsere Kinder Wirklichkeit werden zu lassen – so wie einst Hagit Yasos Vater, der in der Hitze Äthiopiens von einem Leben in Jerusalem, der Hauptstadt Israels, geträumt hat.

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen – und Träumen!

 

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