Flugmodus

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Von Iris Lanchiano 

Lange Sicherheitskontrollen, Spezialmenüs und sehr viel Handgepäck – so fliegen Israelis.

Eine meiner ersten Kindheitserinnerungen war ein Flug von Wien nach Israel mit der israelischen Fluglinie El Al. Warum mir dieser Flug so gut in Erinnerung geblieben ist? Weil ich nie zuvor gesehen habe, dass die Passagiere im Flugzeug klatschen, wenn der Pilot die Maschine landet. Es wurde nicht nur geklatscht in den frühen 90er-Jahren, sondern auch dazu gesungen: „Eretz zavat chalav, chalav u-d’vash!“ („Das Land, in dem Milch und Honig fließen!“). Das Singen kommt zwar nur mehr sehr selten vor, aber mit dem Klatschen bedanken sich die Israelis noch bis heute beim Piloten.

Die El Al gilt als sicherste Airline der Welt, denn wie kaum eine andere Fluggesellschaft ist sie potenzielles Ziel
von Terroranschlägen.

Die Destination „Tel Aviv“ ist ein besonderes Flugziel für Flugbegleiter. Ein befreundeter Steward erzählte mir einmal, dass Tel Aviv als eine unbeliebte Strecke zum Tausch unter Kollegen gilt, da es so viele „Extrawünsche“ gibt: „Da gibt es die Gäste, die immer ihren Sitzplatz tauschen möchten, orthodoxe Männer, die nicht neben Frauen sitzen möchten, und welche, die am Gang beten. Andere können sich nicht von ihrem Handgepäck und Duty-Free-Tüten trennen. Am häufigsten sind aber die Gäste, die erst im Flieger nach einem koscheren Spezialmenü fragen, obwohl man dieses eigentlich vorbestellen muss. Sie bleiben nicht sitzen, wenn das Anschnallzeichen an ist, und sie sind extrem ungeduldig. Es ist mir ein Rätsel, wie die Kollegen der El Al da die Nerven behalten.“

Wer zum ersten Mal mit der El Al nach Israel reist, sollte sich auf die langen Sicherheitskontrollen einstellen. Die El Al gilt als sicherste Airline der Welt, denn wie kaum eine andere Fluggesellschaft ist sie potenzielles Ziel von Terroranschlägen. Wer oft nach Israel reist, kennt die Fragen der Sicherheitsbeamten schon im Schlaf: „Hat Ihnen jemand ein Geschenk mitgegeben? Wo war Ihr Koffer, seit Sie ihn gepackt haben? Wir müssen Ihnen diese Fragen stellen im Falle, dass Ihnen jemand etwas mitgegeben hat, was wie ein Geschenk aussieht, aber in Wirklichkeit eine Bombe ist.“

Auch wer sich sicher ist, dass er alles richtig gemacht hat, kommt bei diesen Befragungen leicht ins Schwitzen. Und am Ende fühlt man sich wie ein Schwerverbrecher, weil sich herausstellt, dass man eine kleine Nagelschere im Handgepäck vergessen hat.
Der Durchschnittsisraeli reist immer mit einer Rolle Toilettenpapier in seiner Tasche. Außerdem sind sie nie passend zur Jahreszeit angezogen, und dann wird gejammert wegen der Kälte in Europa. Sie treten in kleinen Gruppen auf, und wenn sie im Ausland auf andere Israelis treffen, versucht man gleich herauszufinden, ob man nicht vielleicht gemeinsame Bekannte hat. Oft kommt die Hass-Liebe zum eigenen Land dann auch noch zum Vorschein, man beschwert sich gerne darüber, was in Israel schief läuft, aber sobald man die Heimreise antritt, heißt es: „Ein kmo Ba’aretz.“ („Nichts geht über Eretz Israel.“)

Israelis bringen gerne Essen mit. Das kenne ich noch von meiner Oma Berta, die für meinen Vater kofferweise Essen von Israel nach Wien brachte: vorgekocht, portioniert und tiefgefroren. Bei meinem letzten Flug von Berlin nach Tel Aviv beobachtete ich eine alte Dame, die mit einem Pizzakarton in das Flugzeug stieg. Sie verstaute die Pizza in dem Fach für das Handgepäck und sagte zur Flugbegleiterin, dass ihre Tochter die Pizza von hier so gerne hat und sie ihr deshalb eine mitnimmt. Was man nicht alles tut für das Wohl seiner Nächsten.

 

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