„Frauen und ihre Olivenbäume“

Zur Eröffnung der weit gereisten Bilderschau kam auch die prominente israelische Parlamentarierin Aliza Lavie nach Wien.

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© Ouriel Morgensztern

Seit Noahs Taube mit einem Olivenzweig im Schnabel zur Arche zurückkehrte, gilt der Olivenbaum als Symbol des Friedens und der Hoffnung. Auch als Zeichen der Stärke, der Ausdauer, des Segens, der Fruchtbarkeit und der Liebe wird er in vielen Kulturen und Religionen verehrt, eine völkerverbindende Idee mit diesem mehrfach symbolbeladenen Baum zu verbinden, ist also naheliegend. Dachte sich wohl die israelische Kunstlehrerin Sheila Dvore Casdi, als sie ihre Schülerinnen, Frauen von 17 bis 80 Jahren ganz unterschiedlicher Herkunft, aufforderte, „ihren“ Olivenbaum zu malen. In Afula, mitten im Galil, entstand so mit Unterstützung des Leiters des WIZO-Gemeindezentrums David Moatty ein Projekt und danach eine Ausstellung, die seit 2014 von Israel aus erfolgreich durch Europa tourt.
Auf Initiative der unermüdlichen WIZO-Präsidentin Hava Bugajer waren die insgesamt 35 Gemälde zum Thema „Frauen und ihre Olivenbäume“ bereits vergangenen März in der Wiener UNO-City zu sehen und machten diesen September auf Einladung des Dompfarrers Toni Faber im Curhaus St. Stephan Station. Schon allein dieser Ort zeugt von der religionsübergreifenden Kraft des Themas, zu dem Christinnen, Jüdinnen und Musliminnen mit ihren zutiefst persönlichen und sehr weiblichen Interpretationen beitrugen.
An die Olivenernte im Kreis ihrer großen Familie in Nazareth erinnert sich etwa die christliche Araberin Amal B. Hana, die gemeinsam mit der jüdischen Israelin Keren Azar, einer sensiblen Kindergärtnerin, zur Vernissage gekommen war. Längst sind die beiden so unterschiedlichen Frauen Freundinnen geworden, denn, wie eine der Malerinnen sagte, „die Bilder vereinigten die Künstlerinnen wie eine Umarmung.“

Eröffnungsgast Aliza Lavie. Als Beispiel friedlicher, vor allem weiblicher Koexistenz in Israel ist dieses Kunstprojekt besonders für die WIZO ein positives
Signal, das Hava Bugajer mit aller Kraft unterstützt. So brachte sie zur glanzvollen Eröffnung, bei der auch der Politiker Amir Peretz zu Gast war, die prominente Abgeordnete der Yesh-Atid-Partei, Aliza Lavie, nach Wien. Die attraktive Mutter von vier Kindern und doppelte Großmutter engagiert sich in Israel auf parlamentarischer Ebene unter anderem für Gender-Gerechtigkeit, Ethik, Fragen von Religion und Staat und die Beziehungen zu Juden der Diaspora. Als „Outstanding Member of the Knesset“ ausgezeichnet, reist sie in verschiedenen Missionen durch die Welt.

»Der jüdische Staat ist der Staat für alle Juden.
Das vergessen leider manche in Israel.«
Aliza Lavie

Bei einem Vortrag, den sie kürzlich an der Humboldt-Universität in Berlin hielt, kam es durch einen israelischen BDS-Aktivisten zu einem fast gewalttätigen Zwischenfall, und Aliza Lavie musste den Saal durch eine Hintertür verlassen. Diese und andere Erfahrungen mit Israel sowie judenfeindliche Positionen vor allem in Europa bestärken sie in ihrer Überzeugung, dass ihr Land jüdische Einwanderung willkommen heißen sollte: „Der jüdische Staat ist der Staat für alle Juden. Das vergessen leider manche in Israel, besonders seit die Regierung von Ultraorthodoxen beeinflusst wird, die keine Zionisten sind. Da geht es auch um Fragen der Konversionen, der Übertritte. Ich habe Probleme mit dem Oberrabbinat und dessen orthodoxen Rabbinern, die zum Beispiel nicht verstehen, dass die hunderttausenden Russen, die nach 70 Jahren Unterdrückung zu uns kamen, unsere Brüder und Schwestern sind.“ Dabei bezeichnet sich die Politikerin, die vor Jahren ein überaus erfolgreiches Jewish Woman’s Prayer Book geschrieben hat, selbst als orthodoxe Frau.
Besorgt ist Lavie über den muslimischen Antisemitismus und die Terrorgefahr in Europa, worüber sie auch mit der deutschen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen gesprochen hat. „Die Menschen hier sind sehr naiv, denn die Migranten werden nicht eure Werte anerkennen, sondern eure Gesellschaft verändern.“
Über die Rolle der Diaspora für Israel befragt, meint sie sehr direkt: „Danach müsste ich Sie fragen. Sie können die Sprache, kennen die Kultur, Sie haben hier die Möglichkeit, die wahre Geschichte über Israel zu erzählen, denn die Medien verzerren die Fakten. Heute ist das leicht, denn man hat auch die sozialen Netzwerke zur Verfügung. Die Palästinenser und die BDS-Bewegung bedienen sich ja dieser Mittel, benützen perfekt diese Bühnen, um Israel anzugreifen, und fischen sogar unter assimilierten jüdischen Jugendlichen, z. B. an amerikanischen Colleges. Als Parlamentarierin arbeite ich aber hart daran, dass Israel immer Zuflucht und Heimat für alle Juden sein soll.“

 

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