Freund, Bruder, Kumpel

David Abramov bewirtet im „Baschly“ neben Studierenden auch seine Community.

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© Anna Goldenberg

„Hey, du, Baschly“, ruft David Abramov und wechselt ins Hebräische. Der junge Mann auf dem hohen Hocker neben der Theke dreht sich um und antwortet. Der Name von Abramovs Lokal, „Baschly“, könnte also nicht mehr aus dem Leben gegriffen sein. Das Wort bedeutet Freund, Bruder oder Kumpel („es heißt, was du willst“). Seit vier Jahren betreibt der dreißigjährige David unter diesem Namen insgesamt drei Imbissstände und Restaurants für israelisches Essen in Wien.

Begonnen hat es alles am Naschmarkt. Dort sind Davids Eltern Obsthändler. Als der Sohn mit sechzehn Jahren die Schule, das ZPC-Gymnasium in Wien, abbrach („ich wollte nicht mehr lernen“), begann er ebenfalls, auf Wiens größtem Detailmarkt zu arbeiten. Zunächst betrieb er einen Saftstand, verkaufte am Wochenende selbstgemachte Smoothies. Dann eröffnete er seinen eigenen Stand, an dem er israelisches Streetfood verkaufte. „Schon mein Großvater hat in Holon Falafel verkauft“, sagt David und klingt dabei stolz.

„Ich hab’ kochen nie gelernt,
aber ich bin Esser. Also bin ich auch Koch.“

Das Konzept funktionierte. Vor knapp drei Jahren übernahm er deshalb ein Lokal auf der Schwarzspanierstraße im neunten Bezirk und richtete es gemeinsam mit seinem Geschäftspartner, Mario Ciceri, nach seinen Vorstellungen her: eine große Glasfront, damit jeder sieht, was drinnen geschieht. Eine breite Theke aus hellem Holz. Schmale Tische und passende Barhocker an der Wand, sodass die Kunden ihre gefüllten Pitot auch dort essen können. Die Kacheln mit dem grafischen Muster fanden sie im Keller von Marios Mutter.

Hier gibt es ausschließlich vegetarische Küche, in der Baschly-Filiale auf dem WU-Campus, die diesen Sommer eröffnet, wird auch Fleisch serviert. David selbst isst kein Schweinefleisch und bezeichnet sich als traditionell. „Ich akzeptiere alle Religionen“, erklärt er. „Auch Schwulsein ist für mich okay. Jeder so, wie er will.“

David, verheiratet und Vater von zweijährigen Zwillingen, kümmert sich die meiste Zeit um das neue Lokal im zweiten Bezirk und kontrolliert zudem, dass die zubereiteten Speisen so schmecken, wie sie sollen. „Ich hab’ kochen nie gelernt, aber ich bin Esser. Also bin ich auch Koch“, sagt er. In der bucharischen Community – und darüber hinaus – ist sein Instagram-Account Baschly beliebt, auf dem es, wenig überraschend, hauptsächlich Essensfotos zu sehen gibt. „So machen wir Werbung.“

Die Kundschaft von Baschly besteht überwiegend aus Studenten und Angestellten der umliegenden Büros; Baschly, das mittlerweile rund 15 Mitarbeiter zählt, macht aber auch Catering. Die Reaktion der Kunden auf die israelische Kost sei überwiegend positiv, erzählt David. Pita und Falafel gibt es ja in Wien schon seit einigen Jahren. Bei den weniger bekannten israelischen Spezialitäten täten sich manchmal Gäste mit der Aussprache schwer, etwa bei „Shakshuka“ und „Sabich“. Aber Baschly, das Wort kennen jetzt alle.

2 KOMMENTARE

  1. Doesn’t „baschly“ mean „cook, woman“ (the imperative, female form for cooking)? As far as I know bet, schin and lamed are the root for cooking.

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