Gedanken-Sommerfrische

Für alles gibt es ein erstes Mal – aber auch ein letztes. Regisseurin und Autorin Anna Maria Krassnigg erzählt WINA von ihren Proben zu Maslans Frau von Ebner-Eschenbach, dramatischen Sonnenuntergängen und geteilten Mannerschnitten in Hanoi.

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© Martin Schwanda

Anna Maria Krassnigg ist Regisseurin, Schauspielerin, Autorin und Universitätsprofessorin für Regie am Max Reinhardt Seminar. Seit 2015 leitet die gebürtige Wienerin zudem das Kultur- und Wissenschaftsprogramm Wortwiege am Thalhof in Reichenau an der Rax. In diesem Sommer steht dort Marie von Ebner-Eschenbach im Mittelpunkt. Außerdem veranstaltet der Thalhof regelmäßig unter dem Motto „Was denken Sie?“ Gesprächsrunden,
am 19. August etwa mit Schauspielerin Erika Pluhar, am 1. September mit Scheidungsanwältin Helene Klaar. Und ab 5. August findet das Raxleuchten II statt, eine szenisch-musikalische Reise durch 200 Jahre Thalhof-Literatur.

thalhof-wortwiege.at

Das letzte Mal …

überrascht von Marie von Ebner-Eschenbach war ich …

… bei der Vorbereitung zu den aktuellen Proben von Maslans Frau. Die Protagonistin Evi legt eine Konsequenz an den Tag, die kaum zu überbieten ist. Der zentrale Liebeskampf ist erotisch, bitter, hochmodern und spannend wie ein Krimi. Es lohnt sich, Krambambuli mal kurz zu vergessen und sich mit
dieser De-facto-Zeitgenossin zu
konfrontieren.

Das letzte Mal, dass ich die Rax leuchten gesehen habe, war …

… bei Sonnenuntergang hinter dem Thalhof. Romantischer geht es nicht mehr. Dramatischer auch kaum …

Das letzte Mal auf Sommerfrische war ich …

In den raren Probenpausen, wenn der Wind durch die Bäume fährt, habe ich eine Ahnung von „Sommerfrische“. Für mich setzt sie allerdings erst so richtig im September ein … und das meistens im spätsommerfrischen Süden Europas.

Das letzte Mal als echte Wienerin habe ich mich gefühlt …

… als ich an der Academy for Drama and Cinema in Hanoi Mannerschnitten mit meinen StudentInnen geteilt habe.

Das letzte Mal „Was denkst du?“ gefragt worden bin ich …

… heute auf der Probe. So eine Probe ist ja ein ständiges gegenseitiges „Was denkst du“, verbal und nonverbal. Oft zeigt sich, dass das Spiel das Denken quasi von links überholt und erfrischt. Gedankensommerfrische sozusagen …

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