Gutes Netz – böses Netz

Viele Kinder von heute haben eine starke jüdische Identität. Die soll man ihnen bitte auch nicht wieder nehmen.

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Das Internet bietet nicht nur viele Annehmlichkeiten, sondern hat auch seine Schattenseiten. Jeder kann dort vor allem in den sozialen Netzwerken und Foren schreiben, was ihm gerade in den Sinn kommt. Oft ist das beleidigend gegenüber anderen, sowohl Individuen als auch pauschal gegen Gruppen. Oft wird dann gegen Muslime gewettert, gegen Ausländer, gegen die so genannten Gutmenschen – leider aber auch immer wieder gegen Juden. Davor sind auch Kinder nicht gefeit, wie die Erfahrungen von Safer Internet zeigen.

Viele jüdische Kinder von heute wachsen mit einer starken jüdischen Identität auf. Daran haben die jüdischen Schulen einen großen Anteil. Aber auch das Elternhaus dringt heute nicht mehr, wie in früheren Generationen in einigen (dann eher nicht observanten) Familien der Fall, darauf, die Tatsache, dass man jüdisch ist, eher nicht so hinauszuposaunen. Und das ist gut so. Und das ist wichtig. Kinder, die von Anfang an wissen, was sie sind, wer sie sind, müssen sich dann nicht im Erwachsenenalter mit Identitätsfindungsprozessen herumschlagen. Mit ihrer starken jüdischen Identität tragen sie zu einer starken, zu einer selbstbewussten jüdischen Gemeinde bei.

Das Internet stellt alle, Erwachsene wie Kinder, vor neue Herausforderungen. Was kann ich von mir preisgeben, was sollte ich lieber für mich behalten.

Auch deshalb rät Barbara Buchegger, die pädagogische Leiterin von Safer Internet Österreich, nicht dazu, Kindern zu verbieten, sich im Netz als jüdisch zu outen. Aber besprechen muss man es mit ihnen, was für Reaktionen sie damit auslösen können. Die Israel-Fahne zu posten, führt offenbar rasch zu Anfeindungen, zu Antisemitismus. Dem als Kind standzuhalten, ist schwierig, gibt einen Dämpfer. Darum ist der Beistand der Eltern wichtig.

Ja, solche negativen Erfahrungen sind sicher nicht leicht zu verdauen. Und eigentlich möchte man seinem Kind als Mutter oder Vater solche Erlebnisse ersparen. Offenbar gibt es aber im Leben viele Lektionen, die man selbst lernen muss, Dinge, die man selbst erleben muss. Ich finde das bitter, keine Frage. Und dennoch: Am Ende ist es besser, die Kinder behalten ihre starke jüdische Identität und lernen, mit Anfeindungen (vor allem von Unbekannten, wie etwa auf der Straße oder eben verstärkt im Netz) umzugehen, als diese zu verstecken und am Ende, weil Dinge eben immer irgendwie ans Licht kommen, dennoch antisemitisch beschimpft zu werden. Wer sich klein machen lässt, fühlt sich auch klein. Und das sollte doch nie wieder der Fall sein.

Das Internet stellt alle, Erwachsene wie Kinder, vor neue Herausforderungen. Wir alle lernen ständig dazu. Wie agiere ich am besten auf Facebook, Twitter, Instagram oder Snapchat? Was kann ich von mir preisgeben, was sollte ich lieber für mich behalten. Aber bei all den Gefahren, die da lauern, sollte man auch die Vorteile durchaus wertschätzen: Wie leicht ist es heute, Kontakt mit Freunden und Verwandten aus aller Welt zu halten, wie einfach, in Gedanken an anderen Orten zu sein, wie Tel Aviv oder Jerusalem oder New York, weil man Freunde hat, die dort leben oder gerade dort urlauben, und man sieht wunderbare Fotos und fühlt sich verbunden. Auch das kann die eigene Identität nochmals stärker machen.

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