Den Juden in Rumänien geht es genauso wie allen Rumänen im Land“, lacht Ioan Holender, „denn sie sind zwar gut integriert, aber die Lage insgesamt sieht nicht rosig aus.“ Trotzdem hofft der 1935 in Timişoara/Temesvár geborene ehemalige Staatsoperndirektor, dass die Parlamentswahlen am 11. Dezember dem Land eine stabile Regierung bescheren werden. Seit einem Jahr ist der parteilose frühere EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos Regierungschef eines technokratischen Übergangskabinetts. Er soll Steuerhinterziehung und Geldwäsche beenden und dafür sorgen, dass Rumäniens Institutionen besser funktionieren: So soll das Land EU-Mittel effizienter abrufen und die Infrastruktur besser entwickeln können.
Seit 12 Jahren sitzt der Präsident der Föderation der jüdischen Gemeinden Rumäniens, Aurel Vainer, im Abgeordnetenhaus als Vertreter einer religiösen Minderheit. Der 84-jährige Ökonom und Marketingexperte bemüht sich, das jüdische Leben für ein Zehntel, also rund 7.000 der ehemals knapp 800.000 jüdischen Einwohner Rumäniens vor der Schoah, aufrechtzuerhalten.

„Es ist sehr schwer, die genaue Zahl der Juden in Rumänien zu bestimmen. Wir haben zwar noch 39 Gemeinden im gesamten Land, aber nicht alle Mitglieder können halachisch als Juden angesehen werden. Wir haben viele Mischehen, und deshalb weisen wir auch die Familienangehörigen nicht ab,“

erzählt Vainer. Ganz im Gegenteil, es wurde ein Programm mit dem Titel Mazal tow gestartet, das der Überalterung der Gemeinde entgegenwirken soll, indem besondere Anreize geschaffen werden, damit die Kinder durch Bar Mitzwa und jüdische Hochzeiten an die Gemeinschaft gebunden werden.

Offiziell hat die jüdische Gemeinde in Bukarest 3.000 Mitglieder, die Dunkelziffer ist sicher höher. Dennoch müssen sich wenige Funktionäre um insgesamt 86 Syna-
gogen und mehr als 800 Friedhöfe im ganzen Land kümmern. Daher ist man auch auf staatliche Hilfe angewiesen – und die Kritik am zu laschen Vorgehen der Behörden gegen Holocaust-Leugnung und bei antisemitischen Vorfällen hält sich in Grenzen. Dann streicht man schon lieber die positiven Seiten des kommunalen Wirkens hervor. „Wir kümmern uns hauptsächlich um das medizinische und soziale Wohlergehen der Schoah-Überlebenden“, berichtet Präsident Vainer. Er erzählt, dass es im Choral-Tempel in Bukarest tägliche Gottesdienste gibt; auch jüdische Erziehung und Kultur wird geboten – und das nicht nur in der Hauptstadt, sondern auch in kleineren Gemeinden wie in Oradea/Arad, Timişoara/Temesvár, Iași/Jassy, Cluj/Klausenburg und Botoșani/Botoschan.
Einen wesentlichen Anteil daran, dass gerade diese ehemals blühenden jüdischen Gemeinden in der Bukowina und Transsylvanien nicht ganz vergessen werden, hat Ioan Holender, der die Wiener Staatsoper 18 Jahre lang höchst erfolgreich leitete. Der Sohn eines Essig- und Marmeladenfabrikanten kennt die Geschichte Rumäniens weitgehend aus eigener Erfahrung: Holender studierte Maschinenbau in Temesvár und wurde 1956 nach seiner ersten Staatsprüfung wegen der Teilnahme an den Studentenbewegungen aus politischen Gründen von allen Hochschulen des Landes exmatrikuliert. Seit 1959 lebt er in Wien und finanzierte sich als Tennistrainer und Regieassistent seine Ausbildung zum Opernbariton. Ab 1966 und bis 1988 leitete er seine Künstleragentur, bis er 1992 zum Operndirektor berufen wurde. „Es ist mir ein Anliegen, in jeder rumänischen Stadt, in der wir filmen, sowohl nach den jüdischen Spuren zu suchen, als auch den Zusehern ins Bewusstsein zu rufen, was in den jeweiligen Orten vernichtet wurde“, berichtet Holender, der für den österreichischen Fernsehsender ServusTV die wöchentlich ausgestrahlte Kultursendung kulTOUR erarbeitet und präsentiert. So besucht er etwa Robert Schwartz, den Gemeindevorsteher in Cluj, und lässt ihn erzählen, dass hier vor dem Krieg 18.000 Juden lebten und jetzt nur etwa 400. In der Universitätsstadt hatten schon die ungarischen Pfeilkreuzler mit der Judenverfolgung begonnen, die 1944 mit den Transporten nach Auschwitz endeten.

Ioan Holender möchte, dass das ehemals blühende Leben in Bukowina und Transsylvanien nicht in Vergessenheit gerät. Foto: Lajos Soos / apa_picturedesk

Einen wesentlichen Anteil daran, dass gerade diese ehemals blühenden jüdischen Gemeinden in der Bukowina und Transsylvanien nicht ganz vergessen werden, hat Ioan Holender, der die Wiener Staatsoper 18 Jahre lang höchst erfolgreich leitete.

„Die beiden Sendungen über Jassy und Czernowitz werden 2017 ausgestrahlt“, erzählt Holender, der auch dort in die Synagogen führt. „In Jasst wurde die Eiserne Garde gegründet. Es lebten 51.000 Juden hier, jetzt sind es maximal 200.“ Holender, der bis 2015 künstlerischer Direktor des internationalen Musikfestivals George Enescu in Bukarest war, ist heute u. a. auch künstlerischer Berater der Metropolitan Opera New York. In seine Geburtsstadt Temesvár, wo er dreisprachig aufgewachsen ist, kehrt er immer wieder zurück. „Ich esse im Restaurant der Gemeinde, bin aber meist allein. Von den drei ehemaligen Synagogen ist nur mehr eine aktiv.“ Vor elf Jahren hat sein Sohn Livius dort seine Bar Mitzwa gefeiert. Auf einer Tafel wird Holender gedankt, der mit einer Spende die Beheizung des Gotteshauses ermöglichte.

Zwiespältige Gegenwart. Auf einem geteilten Bildschirm könnte man die aktuelle Haltung der Rumänen zur jüdischen Bevölkerung am anschaulichsten darstellen: Links, auf der so genannten positiven Seite, sehen wir die Ankündigung eines staatlichen Museums zur Geschichte der Juden, dessen Eröffnung in Bukarest für 2018 geplant ist. Da Rumänien bis 2003 jede Mitschuld an der Vernichtung seiner Juden geleugnet hatte, kann das schon als Fortschritt gesehen werden. Nur dem weltweiten Ansehen des Nobelpreisträgers Eli Wiesel ist es zu verdanken, dass sein Geburtsland spät, aber doch eine nach ihm benannte Kommission einsetzte, um den rumänischen Holocaust zu untersuchen. Auch ein begrünter Platz in der Hauptstadt trägt seinen Namen, ebenso ein kleines Museum in seinem Geburtsort Mármarossziget (Sigethu Marmatiei).
Auf der rechten Seite des Bildschirms finden wir das staatliche Gedenken an Antisemiten und die Schändung von Gedenksteinen. Die rumänische Nationalbank ehrt Mihail Manoilescu, einen prominenten Faschisten und ausgewiesenen Antisemiten, mit der Prägung einer Münze, auf der sein Konterfei zu sehen ist. Ein Gedenkstein in der Nähe der Stadt Brasov zur Erinnerung an einen rumänischen und sechs israelische Luftwaffenoffiziere, die bei einem gemeinsamen Training 2010 verunglückt waren, wurde beschmiert und geschändet. Daher fällt es schwer, an einen gewöhnlichen Raub zu denken, wenn man erfährt, dass die wichtigsten Ausstattungsstücke des bekannten Jüdischen Theaters in Bukarest gestohlen wurden. „Es ist ganz ungewiss, ob wir die Saison 2017 überhaupt eröffnen können“, erzählt Direktorin Maia Morgenstern. Das Theater besteht seit 1930 im Zentrum der Stadt und hat es sowohl bis zur Schoah als auch danach geschafft, als Theater in jiddischer Sprache zu bestehen.
Diesem zwiespältigen Verhalten offizieller Stellen begegnet man in fast allen ehemaligen Ostblockländern: Hier eine routinierte Pflichtveranstaltung zu einem Gedenktag, dort eine Konferenz über Antisemitismus zur oberflächlichen Beruhigung der Außenwelt. Aber innenpolitisch finden die Politiker oft etwas ganz Konträres für die Volksseele. Auch in Rumänien werden damit nicht nur die so genannten unteren Schichten bedient, sondern sehr wohl auch die latent oder offen antisemitischen Intellektuellen.

Auch Antisemitismus kann Tradition haben. Die sattsam bekannten Merkmale der Judenfeindlichkeit findet man frühzeitig auch in Rumänien, wo sich die Ansiedlung der Juden mit Anfang des 2. Jahrhunderts festmachen lässt. Die Juden kamen zunächst als römische Legionäre, später auch als Händler in die Provinz Dacia (Dakien). Das schließt man aus Grabinschriften und Münzfunden, darunter eine Prägung aus der Zeit von Bar-Kochba, etwa 133 n. Chr. In der Geschichte der Donaufürstentümer Walachei und Moldau, den Vorläufern des sich 1859/62 konstituierenden rumänischen Staates, werden die Juden erst wieder im 14. Jahrhundert erwähnt.
Ab Mitte des 15. und während des 16. Jahrhunderts wird hauptsächlich von Judenverfolgungen berichtet, im Jahr 1594 auch explizit von Massenhinrichtungen „aller fremden Kreditgeber“, zu denen auch die Juden gehörten. Phasen der weitgehenden Duldung wechselten mit solchen der Diskriminierung und Vernichtung: Ein Fürst versprach Konvertiten hohe Ämter, der nächste zerstörte die Bukarester Synagoge. Im 18. Jahrhundert entstand eine zunächst religiös begründete antisemitische Literatur. Darin wurden die Juden immer wieder des rituellen Kindesmordes beschuldigt; 1812 kam es in Bukarest zur Vernichtung des jüdischen Viertels und zwei Jahre später zu einem regelrechten Pogrom.
Der politische Antisemitismus im vereinigten Rumänien ab 1859 hat zwei spezifische Aspekte: Erstens: Da die Vereinigung der Fürstentümer Moldawien und Walachei der Zustimmung der Großmächte bedurfte, drängten diese im Rahmen des Vertrages auf eine rechtliche Emanzipation der Juden. Im „Frühling der Völker 1848“ hatten die nationalen Revolutionäre zwar genau das versprochen, realisierten aber nichts davon. Das Drängen von außen wurde als Bevormundung empfunden, und das Vorurteil, dass die Juden die Handlanger der Großmächte und des Kapitals seien, setzte sich fest. Zweitens: Die Juden wurden als pro-ungarisch eingestuft, was sie im Gebiet von Siebenbürgen/Transsilvanien auch tatsächlich waren: Siebenbürgen wurde nach dem Ersten Weltkrieg Rumänien zugeschlagen, es war schon immer Objekt rumänischer Begierden gewesen. Die Furcht, es wieder zu verlieren, war nicht unberechtigt, denn beim 2. Wiener Schiedsspruch wurde Nordsiebenbürgen wieder Ungarn zugesprochen.
Nach dem Ersten Weltkrieg besserte sich die rechtliche Stellung der Juden etwas und sie konnten mit wenigen Einschränkungen am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben teilnehmen. Mit dem Regierungswechsel im Jahr 1937 wurde der Antisemitismus offen zur Staatspolitik erklärt.

Die Halbierung der jüdischen Bevölkerung. Nach dem Verlust von Nordsiebenbürgen bildeten die berüchtigte Eiserne Garde gemeinsam mit dem späteren Marschall Ion Antonescu am 4. September 1940 die Regierung eines „nationallegionären Staats“. Die faschistische und antisemitische Eiserne Garde wurde ab 1938 von Horia Sima geführt. Sobald diese Allianz an der Macht war, verschärfte sie die bereits harten antisemitischen Gesetze. Da sich das Verhältnis zwischen Sima und Antonescu verschlechterte – vor allem auch, weil die Eiserne Garde am 20. Januar 1941 nicht nur einen Putschversuch unternahm, sondern auch gleich ein Pogrom gegen die Bukarester Juden damit verband –, sah sich Antonescu veranlasst, die Sima-Truppe aus der Regierung zu entfernen. Sima und viele Legionäre flohen nach Deutschland, andere wurden inhaftiert.
Ursprünglich ein traditioneller Verbündeter Frankreichs und Großbritanniens, trat Rumänien am 23. November 1940 dem Dreimächtepakt bei und stellte sein Territorium auch als Aufmarschgebiet für den geplanten deutschen Ostfeldzug zur Verfügung. Rumänien trug unter der Regierung Antonescu mit Lieferungen von Erdöl, Getreide und Industrieprodukten bedeutend zur Versorgung Deutschlands und der Armeen der Achsenmächte bei. Die Erdölfelder von Ploiești waren eine der wichtigsten Rohstoffquellen für die Wehrmacht.
Das Land wurde zu einem gehorsamen Bündnispartner der Nationalsozialisten, und so begannen im Februar 1941, mit dem Kriegseintritt Rumäniens, die Massaker der Eisernen Garde an den Juden. Ganz in rumänischer „Eigenregie“ – und ohne Hilfe der NS-Schergen – wurden am 29. Juni 1941 etwa 15.000 Juden in der Stadt Jassy (Iaşi) von rumänischen Soldaten, Polizisten und Zivilisten massakriert.
Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten rund 757.000 Juden in Rumänien. Der rumänische Diktator Antonescu erklärte kurz nach seinem Amtsantritt 1940 die Juden Rumäniens für staatenlos und beeilte sich, die Juden Bessarabiens und der Bukowina, Gebiete im Norden Rumäniens, zu ermorden. In der Folge waren an dieser Mordkampagne die lokale Bevölkerung in Kooperation mit der deutschen Armee und Soldaten der Einsatzgruppe D* beteiligt. Die Juden, die in diesen Gebieten am Leben blieben, wurden mit mörderischer Brutalität nach Transnistrien deportiert – ein dünn besiedeltes Gebiet zwischen den Flüssen Dnjester und Bug, das Hitler Rumänien zugeteilt hatte. Neben der Ermordung Zigtausender durch Rumänen, kamen etwa 150.000 Juden durch Kälte, Hunger und Krankheiten ums Leben.
In einer späteren Phase, als die rumänische Regierung zu verstehen begann, dass der Krieg eigentlich verloren war, und auch Warnungen der Alliierten erhalten hatten, brachen die Rumänen die Ermordung der Juden ab. Insgesamt wurden in den Gebieten unter rumänischer Kontrolle (einschließlich Transnistrien) etwa 400.000 Juden ermordet.

In beiden Ländern, Ungarn wie Rumänien, vermengt sich das sehnsüchtige Andenken an nationale „Stärke“, verkörpert von zwei großen „Führern“: Reichsverweser Miklós Horthy in Ungarn und Marschall Ion Antonescu in Rumänien.

Rasseschweine gegen Juden getauscht. Schon kurz nach dem Krieg begannen die Juden das Land zu verlassen, teils unkontrolliert, teils den Stimmungen der kommunistischen Behörden ausgeliefert. Trotz der mörderischen Vernichtung der jüdischen Bevölkerung lebten in Rumänien 1947 noch etwa 375.000 Juden, sie waren somit die zweitgrößte jüdische Gemeinschaft Europas. Bald jedoch erkannte das Regime das wirtschaftliche Potenzial der Gemeindemitglieder. Mit Hilfe des legendären Oberrabbiners Moses Rosen (1912–1994), der ab 1948 und bis zu seinem Tod diese Position inne hatte, kaufte das neugegründete Israel über 280.000 Juden frei. Der Historiker im Holocaust Memorial Museum in Washington, Radu Ioanid, berichtete, dass der „Menschenhandel“ damit begann, einige Dutzend Juden gegen eine Schiffsladung Bohrgeräte zu tauschen. Später folgten Industrieanlagen, landwirtschaftliche Maschinen und lebende Tiere. So wurden 1964 dänische Landrasseschweine nach Rumänien importiert, die ein Mittelsmann mit israelischem Geld im Ausland gekauft hatte. Nachdem in Rumänien die Tiere gemästet und geschlachtet wurden, exportierte man das Fleisch wiederum. Rund zehn Millionen Dollar jährlich spülten diese Aktionen auf ein Sonderkonto des damaligen Machthabers Gheorghe Gheorghiu-Dej. Im Gegenzug durfte eine vereinbarte Zahl an Juden ausreisen. Weil sich das Regime mit der scheinbar humanitär begründeten Ausreise der Juden bei den Amerikanern einzuschmeicheln versuchte, achtete der Geheimdienst beim Verkauf der Menschen auf Verschwiegenheit.
Gheorghiu-Dejs Nachfolger Nicolae Ceausescu ließ die Menschen ab 1965 nur mehr gegen Bargeld gehen, denn das wirtschaftlich darbende Land brauchte dringend Devisen. Das monatliche Treffen der Mittelsmänner in den rumänischen Botschaften im damaligen Westdeutschland, Österreich und in der Schweiz erfolgte nach dem gleichen Ritual: Der israelische Gesandte kam mit einem Koffer, der rumänische mit einer Liste. Man einigte sich über Kopfpreise: Für Akademiker wurden 6.000 Dollar verlangt – in den 1980er-Jahren dann schon 15.500. Nur Kinder durften gratis über die Grenze. Erst mit der Revolution im Dezember 1989 wurde dieser Handel beendet: Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Kommunisten ihre rumänische jüdische Gemeinde auf rund 20.000 Mitglieder dezimiert.
Auch wenn das NATO- und EU-Mitglied Rumänien am 9. Oktober einen Holocaust-Gedenktag begeht, hat es Gemeinde-Präsident Vainer noch immer schwer, diesen Themenbereich im Curriculum des regulären Geschichtsunterrichts unterzubringen. Immerhin gelingt es mit Hilfe von Centropa, wenigstens Teile des Lehrpersonals dahingehend zu sensibilisieren und auszubilden. Denn das Land tut sich noch immer sehr schwer mit dem Thema. Die Historikerin Hannelore Baier spricht von einem „Mythos der nationalen Unschuld“, der in den Medien, im Unterricht, von Parlament und Regierung – mit wenigen Ausnahmen – verbreitet wird. Es heißt, Rumänien habe sich am Holocaust nicht beteiligt. Und es werde versucht, den Kriegsverbrecher Antonescu, der 1946 in Rumänien hingerichtet wurde, politisch zu rehabilitieren. Schon unter Ceausescu hatte die vorsichtige Rehabilitierung Antonescus begonnen, nach 1989 wurde er zeitweilig sogar in den Rang eines offiziellen Nationalhelden erhoben. Das Parlament ehrte ihn 1991 mit einer Schweigeminute, später wurden Straßen, Plätze und Friedhöfe nach ihm benannt, Denkmäler für ihn aufgestellt. Das ist inzwischen gesetzlich verboten. Erst 2004 bekannte sich der rumänische Staat infolge der Erkenntnisse der Wiesel-Kommission erstmals offiziell zu seiner Verantwortung.
In beiden Ländern, Ungarn wie Rumänien, vermengt sich das sehnsüchtige Andenken an nationale „Stärke“, verkörpert von zwei großen „Führern“: Reichsverweser Miklós Horthy in Ungarn und Marschall Ion Antonescu in Rumänien. Sie werden angeblich nicht verehrt, weil sie Antisemiten waren, sondern weil sie nationale Stärke vermittelten. Doch ihre antisemitischen Ansichten und Handlungen wirken mental bis heute nach.

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