Homophobe Kommentare führten zum ersten Pride-Umzug in Cholon

Zum zwanzigsten Mal jährte sich heuer die Pride Parade in Tel Aviv. Regenbogenfahnen wurden aufgehängt, und 30.000 Menschen aus dem Ausland kamen, um gemeinsam zu feiern. Doch im nur 20 Minuten entfernten Vorort Cholon wird das LGBT-freundlichste Land im Nahen Osten auf die Probe gestellt.

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Zum 20. Mal fand heuer die Pride Parade in Tel Aviv statt, doch der Geist des Pride-Monats ist noch nicht im ganzen Land angekommen. © Flash90/ Miriam Alster

Der Pride-Monat Juni ist alljährlich der LGBT-Community und deren Unterstützern gewidmet. Während in Tel Aviv und Haifa Paraden für gleiche Rechte, Toleranz und Akzeptanz stattfanden, wetterte der stellvertretende Bürgermeister von Cholon, Yoel Yeshurun, gegen Homosexuelle auf seiner Facebookseite und sprach von Homosexuellen als „zweibeinigen Tiere mit verzerrten Gedanken“.

Yeshurun, der auch als Dekan des Ashkelon Academic College tätig ist, nannte in seinem FB-Post Tel Avivs Bürgermeister Ron Huldai „einen drahtigen alten Mann“, dessen Judentum fragwürdig ist, und behauptete, die Medien würden „diese verrückten Menschen“ als „Fahnenträger des Liberalismus“ darstellen, obwohl sie „Dunkelheit und Barbarei aus der Hölle“ verbreiten. „Tel Aviv hat wildes Unkraut genährt, Monster, die denen im Film Jurassic Park ähneln, deren kleine verzerrte Gedanken Paraden von zweibeinigen abscheulichen Tieren inszenieren“, schrieb Yeshurun.

»Wer nicht weiß, wie man seinen Mund hält, sollte auch keinen Platz in der Politik haben.«

In den Medien wurde Yeshurun für seine obskuren Ansichten über die LGBT-Gemeinschaft und die Pride Parade gerügt und entfernte daraufhin seinen homophoben Post, verweigerte aber eine Entschuldigung. Der Bürgermeister von Cholon, Moti Sasson, bedauerte die Kommentare seines Stellvertreters und betonte, dass diese nicht die Wahrnehmung und Politik der Stadt widerspiegeln.

„Wir können die Dinge, die gesagt wurden, nur bedauern“, meinte Sasson. Das Ashkelon Academic College gab eine eher enttäuschende Erklärung ab: „Yoel Yeshurun schrieb seinen Beitrag auf seiner privaten Facebookseite. Als Bürger in einem demokratischen Land ist es Mr. Yeshurun erlaubt, seine Ansichten zu äußern, und wir sehen nicht die Notwendigkeit, in dieser Sache einzugreifen.“

Hunderte demonstrierten für den Rücktritt des stellvertretenden Bürgermeisters: „Wer nicht weiß, wie man seinen Mund hält, sollte auch keinen Platz in der Politik haben“, meinten Stimmen aus der LGBT Community.

Zahlreiche LGBT-Aktivisten, Bewohner von Cholon und Unterstützer kamen aus Protest gegen die Äußerungen von Yoel Yeshurun zu dieser Veranstaltung, die gleichzeitig eine historische Veranstaltung in Cholon war. Denn Yeshuruns Aussage kam, nachdem in den letzten Monaten Aktivisten in Cholon Gespräche mit der Stadtführung geführt haben, mit der Absicht, das erste Gay-Pride-Event in der Stadt abzuhalten. Das Event wurde von offizieller Seite abgelehnt, aber Yeshuruns Aussagen veranlassten Hunderte dazu, auf die Straße zu gehen.

Ein älterer Bewohner Cholons kam eingewickelt in der israelischen Flagge und kritisierte Yeshurun heftig: „Wir dürfen so eine Politik nicht zulassen. 70 Jahre kämpfen wir hier für Toleranz und Akzeptanz. Dies sind keine leeren Worte. Menschen haben sich in der Vergangenheit aus Hoffnungslosigkeit umgebracht. Es ist eine Schande, dass der Bürgermeister keine Konsequenzen daraus zieht.“

Die Entfernung von Tel Aviv ist zwar klein, aber die Realität hier ist eine andere. 

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