In Georgien investieren

Ein Wiener Jude auf den Spuren seiner Wurzeln: Pinhas Moshashvili macht nun Geschäfte im Land seiner Vorfahren. Wer in Georgien investieren will, ist bei seiner Georgia Israel Group richtig. Er hilft mit Networking und Know-how.

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Pinhas Moshashvili empfiehlt, eine Zeit im Ausland zu leben: „Mit diesem Know-how kann man dann überall gut zurechtkommen.“ © Daniel Shaked

Seine ersten Erinnerungen an Wien: Es war kalt. Pinhas Moshashvili kam 1979 in Israel zur Welt, wohin seine Eltern, der Vater war Musiker, aus Georgien ausgewandert waren. Er war noch nicht in der Volksschule, als die Familie – Moshashvili hat drei Brüder – nach Österreich ging. In Be’er Scheva war es schwergefallen, die sechsköpfige Familie gut über die Runden zu bringen. Also zog es die Moshashvilis nach Wien, wo es bereits Familie gab. Bei dieser zogen die Einwanderer auch vorerst ein, in eine Wohnung auf der Taborstraße.

Zunächst eröffnete der Vater ein Geschäft auf der Lassallestraße. „Es war die Verlängerung vom Mexikoplatz und ein Handel mit Waren aller Art.“ Bekannt wurde das Geschäft aber für den Kaffee, erinnert sich der Sohn – Alvorada-Kaffee übrigens. Er wurde an Einkäufer aus Polen, Ungarn, Russland, der Ukraine verkauft, denn der Vater betrieb sowohl Großhandel wie auch ein Detailgeschäft. Gut erinnern kann sich Pinhas Moshashvili noch an den Lagerraum, wo bis zur Decke Kaffee gelagert war, da haben er und seine Brüder Verstecken gespielt. „Es war eine schöne Zeit.“

Die ersten Schulerfahrungen machte er in einer öffentlichen Volksschule, „dort haben wir uns aber nicht so gut gefühlt.“ Als Chabad in der Grünentorgasse eine Schule eröffnete, wechselten die Kinder dorthin. Die Klassenkollegen von damals seien bis heute gute Freunde, so Moshashvili. Nach dem Pflichtschulabschluss – die Chabad-Schule führte damals noch nicht bis zur Matura – begann er, die Business Academy in Wien zu besuchen. Doch nach zwei Jahren emigrierte die Familie erneut: Der Vater hatte in New York, Brooklyn, in ein Unternehmen investiert und betrieb dieses auch. Pinhas machte daneben seine ersten Arbeitserfahrungen: Ab sechs Uhr morgens arbeitete er als Aktien-Broker, nachmittags im Service bei einem Catering der jüdischen Community in Williamsburg und nachts als Bäcker in einer koscheren Bäckerei auf Coney Island. „Schon als Kind war es mir wichtig, unabhängig zu sein.“

Pinhas Moshashvilis Traum war es eigentlich, in New York Architektur zu studieren. Doch dazu sollte es nicht kommen. Das Geld, das er im Big Apple verdient hatte, sollte ihm jedoch eines Tages helfen. Er investierte es in Wien in einen Handyshop. Nur zwei Jahre blieben die Moshash­vilis schlussendlich in New York, dann zog es die Familie zurück nach Österreich. Pinhas machte sich mit seinem Handy-Geschäft am Rabensteig selbstständig – „eigentlich ohne vorherige Erfahrung in diesem Bereich, aber es lief.“ Sein Interesse galt aber weiterhin der zeitgenössischen Architektur, erzählt er heute.

Weitere Auslands­erfahrung sammelte er in China. Für eine israelische Firma überwachte er vor Ort die Handyprozessorenproduktion. „Ich war der einzige Nichtchinese dort. In Chengdu habe ich mich sehr alleine gefühlt, obwohl es eine Millionenstadt ist.“ Dennoch sei es eine interessante und prägende Zeit gewesen. „Es ist wichtig, dass man im Leben reist“, ist Moshashvili überzeugt. Und wenn man es sich leisten könne, längere Zeit im Ausland zu leben, umso besser. „Mit diesem Know-how kann man dann überall gut zurechtkommen.“

Gut zurechtkommen muss Moshashvili künftig in Georgien. Die Heimat seiner Vorfahren hat er vor zwei Jahren zum ersten Mal besucht. Inzwischen hat er ein Businessmodell entwickelt: In Georgien unterstützt er israelische und internationale Unternehmen bei der Entwicklung von Immobilienprojekten. Derzeit ist er etwa zehn Mal im Jahr für jeweils zwei Wochen in Georgien und sieht sich darin bestärkt, wie attraktiv der Standort für Israelis sei. „Sie nehmen derzeit im Tourismusranking Platz fünf ein.“ Attraktiv seien neben der Gastfreundlichkeit einerseits die kurze Flugdauer von drei Stunden und die 24 Stunden geöffneten Casinos am Schwarzen Meer und andererseits die guten Investitionsmöglichkeiten. Rund 100.000 israelische Staatsbürger haben georgische Wurzeln. Diese will er ansprechen – aber nicht nur. Georgien sei auch für jüdische Investoren aus Wien attraktiv, ist er überzeugt.

Er macht sich mit einem Handygeschäft selbstständig,
 »eigentlich ohne vorherige Erfahrung
in diesem Bereich, aber
es lief.«

„Jetzt ist der richtige Zeitpunkt zu investieren“, betont Moshashvili. Ob in Batumi am Schwarzen Meer oder in der Hauptstadt Tiflis oder aber in Kutaissi, frühere Heimat vieler Juden: Wem ein Immobilienkauf in Tel Aviv oder Wien inzwischen zu teuer ist, der wird hier zu moderaten Preisen fündig, so der Unternehmer. Ein 30-Quadratmeter-Apartment in einem Hotelbau mit entsprechender Infrastruktur von Lobby und Reinigung bis zu Restaurants ist derzeit um 30.000 Euro zu haben – mit einer Rendite im Sommer von 15 Prozent. Georgien gehört auch zu einem der Pionierländer, in denen man mit Kryptowährungen (Bitcoins) Immobilien im Eigentum erwerben darf.

Interessenvertreter. Die Georgia Israel Group führt Moshashvili gemeinsam mit einem früheren georgischen Politiker als Partner. Die beiden helfen mit ihren Sprachkenntnissen und ihrem Know-how bei Behördenwegen ebenso wie bei Geschäftsanbahnungen, beim Eröffnen eines Bankkontos oder eines Unternehmens. Sie unterstützen als Interessenvertreter beim Immobilienkauf und der Immobilienentwicklung. „Wer auch immer was auch immer in Georgien starten will: Wir unterstützen.“ Das kann der Kauf einer Ferienwohnung zur Eigennutzung sein oder die Expansion eines Unternehmens nach Georgien oder ein Joint Venture. Einem europäischen Investor ist Moshashvili aktuell behilflich, ein Hotelprojekt in Tiflis umzusetzen. 2020 soll der Bau stehen und von einem internationalen Betreiber geführt werden.

Daher plant Moshashvili, nun auch ganz nach Georgien zu ziehen – vorerst für zwei bis drei Jahre. Mit dabei ist seine Familie – er und seine Frau haben zwei Söhne, der ältere ist zwei Jahre alt, der jüngere wenige Monate. Langfristig sollen sie in Wien aufwachsen, wo man jeden Schabbat bei den Großeltern zu Besuch ist, doch nun stehen einmal ein paar Jahre in Georgien auf dem Plan.

Aktuell lebt die Jungfamilie in einer Wohnung im neunten Bezirk, wo vor dem Nationalsozialismus viele Jüdinnen und Juden lebten. Daran erinnert auch ein Stein der Erinnerung vor seinem Haus, wie Moshashvili erzählt. Als er sich mit den darauf Verewigten näher auseinandergesetzt habe, kam er darauf, dass die Wohnung, in der er nun lebt, in der NS-Zeit als Sammelwohnung fungierte. 45 Leute waren dort gemeldet und wurden von dieser Adresse abgeholt.

Moshashvili wertet diese Entdeckung für sich positiv. „Die Geschichte zeigt, dass, egal was im Leben passiert, wir nicht umzubringen sind. Trotz allem leben nun wieder Juden in dieser Wohnung.“ Genau das treibe ihn nun auch in Bezug auf Georgien an. Einst habe es dort eine große jüdische Gemeinde gegeben. Sie sei auf 8.000 Mitglieder vor drei Jahren geschrumpft. Heute leben wieder an die 13.000 Juden in dem Land, erzählt er. Das habe auch mit dem Boomen des Landes zu tun – wobei vor allem die Tourismusbranche die Investoren anziehe, aber nicht nur. Georgien sei auch für seine Gastfreundschaft bekannt und für seinen Wein.


Pinhas Moshashvili, geb. 1979 in Israel, 1984 emigriert die Familie, die ursprünglich aus Georgien stammte, nach Wien. Hier Pflichtschule bei Chabad, dann zwei Jahre Vienna Business Academy, bis die Moshashvilis erneut übersiedeln – nun nach New York, wo der Vater in ein Unternehmen investiert und dieses auch betreibt. Dort erste Arbeitserfahrungen, nach zwei Jahren zieht es die Familie zurück nach Wien. Eröffnung eines Handystores am Rabensteig. Weitere Auslandsjahre führen ihn nach China, wo er für ein israelisches Unternehmen, das Prozessoren herstellt, tätig ist. Heute betreibt Pinhas Moshashvili die Georgia Israel Group.

georgiaisrael.group

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