Mission Stayin’ alive

Seit 2016 ist Israel um einen Nationalfeiertag reicher: Am „Tag der Alija“ gedenkt man des Beitrages der Olim zur israelischen Gesellschaft.

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Ofir ist gerade 18 geworden. Sie ist seit vier Jahren Freiwillige bei MDA (Magen David Adom), einer staatlichen Hilfsorganisation, die für Krankentransporte, Notfallrettung und Blutspenden verantwortlich ist, vergleichbar mit der internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung. Ofir wurde in den USA geboren, ist aber hier aufgewachsen. Sie lebt in Ramat Gan, einem Vorort von Tel Aviv. Mit 14 Jahren hat sie ihre Ausbildung bei der MDA angefangen und fährt, seit sie 15 ist, als freiwillige Helferin im Rettungswagen mit.
10.000 Freiwillige bieten ihre Dienste unter dem Roten Davidstern an. Für Ofir ist es viel mehr als eine Nachmittagsbeschäftigung neben der Schule. Sie nimmt ihre Verantwortung sehr ernst und gibt ihr Wissen nicht nur an Jugendliche weiter, sondern hält auch Vorträge über Erste Hilfe in ihrer Muttersprache Englisch für Neueinwanderer in Israel. Neben der sprachlichen Barriere im Alltag sind diese oft nicht mit der Mentalität der Israelis vertraut, was zu Hemmungen bei der Hilfeleistung führt. Heute hält Ofir einen Vortrag über Erste Hilfe vor einer gemischten Gruppe aus Russen, Deutschen, Franzosen, Engländern und Brasilianern.
„Darf ich eine religiöse Frau angreifen, wenn ich der einzige bin, der Erste Hilfe leisten kann?“, fragt Peter aus Berlin. Ofir erklärt ihm, dass, wenn es um Leben oder Tod geht, kein Unterschied gemacht wird bei Geschlecht und Ethnie.

10.000 Freiwillige bieten ihre Dienste
unter dem Roten Davidstern an.

Um die Patienten besser behandeln zu können, lernt Ofir gerade Russisch und Arabisch, denn sie hat oft auch den psychischen Support vor Ort und Stelle über. Einer ihrer prägendsten Einsätze war, als sie zu einer Hausgeburt gerufen wurde, bei welcher es zu Komplikationen kam. Das Kind kam dabei ums Leben, und für Ofir wurde ab dem Moment klar, dass sie Ärztin werden möchte.

Spenden sammeln für bedürftige
Familien in Israel: Auch das gehört zu den Aufgaben der Freiwilligen bei
Magen David Adom. © flash 90/Tomer Neuberg

Das nächste Thema des Erste-Hilfe-Vortrags ist Reanimation: „Die Herzdruckmassage am besten zum Lied Stayin’ alive der Bee Gees durchführen. Im Kopf mitsingen und das Ganze 30 Mal wiederholen. „Ah, ha, ha, ha, stayin’ alive.“ An einer Puppe hat Ofir die Herzdruckmassage demonstriert, und alle haben mitgesungen. Stayin’ alive entspricht mit 103 Beats pro Minute der empfohlenen Taktfrequenz für die Reanimationshilfe und ist wegen seiner Bekanntheit und dem passenden Titel gut als Eselsbrücke geeignet. Weiters klärt die 18-Jährige die Teilnehmer über Erste-Hilfe-Irrtümer auf und zeigt vor, wie man Wunden am besten abbindet. Auch das Heimlich-Manöver wird in Zweiergruppen geübt.
Kopfverletzungen, Tierbisse, Autounfälle – das sind die häufigsten Fälle, zu denen sie ausrückt. Erste Hilfe bei Terroranschlägen ist den freiwilligen Helferinnen und Helfern unter 18 Jahren untersagt, dies übernimmt deren Versicherung nicht.
Am 26. Oktober feiern wir in Israel den Tag der Alija. Der Feiertag, um die Einwanderung in den jungen Staat als Kernwert Israels anzuerkennen und die Beiträge von Olim zur israelischen Gesellschaft zu ehren. Wir feiern Menschen wie Ofir, die dazu beitragen, Israel zu einem besseren Ort zu machen. Wir feiern auch alle anderen Neueinwanderer, die noch nicht aufgegeben haben, gegen die israelische Bürokratie, die Chuzpe und gegen alle anderen Hürden in diesem Land zu kämpfen. Ah, ha, ha, ha, stayin’ alive.

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