New York in Wien und umgekehrt

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von Paprikasch

Wer sich nach einem New-York-Feeling sehnt und weder Zeit noch Geld hat, dorthin zu fliegen, kann es billiger haben. Man muss nur bis zum Liebsteinsky am Wiener Schubertring gehen: Kaum betritt man das Bistro, stellt sich schon das erwünschte Gefühl ein. Das Lokal, ein großzügiger, hoher Raum in Petrol- und Braun-Tönen gehalten und mit klaren Linien ausgestattet, verrät seinen Wiener Standort nur mit dem Blick durch die riesige Glasfront zur Ringstraße.
Wieso an dritter Stelle der Vorspeisen die nicht-koschere „Jiddische Leber“ angeboten wird, wollen wir gleich wissen. „Unsere Gäste lieben sie“, lacht Alexander, der nach kurzem Wortwechsel erwähnt, einen jüdischen Elternteil zu haben. Übrigens sei er gerade aus Beer Schewa von der Hochzeit seiner Cousine zurückgekehrt. Alexander arbeitet im Service, und dieses ist schon auffallend freundlich und zuvorkommend. Prompt stehen auch ein duftender Brotkorb mit Waldviertler Sauerteigbrot sowie ein köstliches Olivenöl zum Tunken vor der Nase.
Das weltläufige Ambiente hängt natürlich mit dem Betreiber des Lokals zusammen: Andreas Mikulits, der seit Oktober 2015 sein eigener Chef ist, kann auf 20 Jahre Spitzengastronomie zurückblicken. Er hatte Führungspositionen in Gourmettempeln wie Taubenkobel und Novelli. Auch sein Kochpartner Christian Schöpf sammelte Erfahrung bei namhaften Köchen, u. a. bei Werner Matt und Konstantin Filippou. „In Österreich verwurzelt, weltweit inspiriert, beeinflusst von verschiedensten Kulturen“ – so definiert Mikulits seine Küchenphilosophie. Zum Vorbild nahm er sich New Yorker Lokale, verrät er, der sich vor allem von diversen Ländern und Köchen Anregungen holt, u. a. von Israels berühmtestem Chef Meir Adoni aus Tel Aviv.


„Wir wollen den puren Geschmack. Vom Einfachen das Beste“, sagt Mikulits und verweist auf die hochwertigen Produkte seiner Lieferanten: Fisch von Gut Dornau, das Sauerteigbrot aus Horn. Mikulits und Schöpf bieten unkomplizierte preiswerte Gerichte an. Zu Mittag wird schnell gekocht, vor allem für die Gäste aus den umliegenden Büros. Das kann ein feines Kürbisrisotto oder ein Ragout sein. Unter dem Titel Always findet man sowohl einen Caesar Salat um € 6 oder einen Chèvre (Blattsalat, gegrillter Ziegenkäse, Orange und Basilikum) um € 8,50. Auf der Wochenkarte This week gibt es wechselnde Angebote wie z. B. Eiernockerl um € 8,50 oder Curry spicy (Wintergemüse, Reis und Lachsfilet) um leistbare € 9,30. Erfrischend und leicht ist das Pilztatar mit Artischocke, Burrata und Kräuterseitlingen um
€ 12,50. Das pochierte Ei mit Spinat, Erdäpfelpüree, Bergkäse-Schaum und schwarzem Trüffel um € 15 schmeckt vorzüglich.
Für Kulturbeflissene (das Konzerthaus, das Akademietheater, das Kasino und der Musikverein liegen quasi vor der Türe) eignet sich das Restaurant-Bistro sowohl für einen Pre-theatre-Snack als auch für ein gemütliches Dinieren danach: Außer einem New York Strip (Hüftsteak) serviert das Liebsteinsky unter dem Titel Raw Spezialitäten wie Tataki von der Lachsforelle. Auch Vegetarier kommen auf ihr Rechnung: Für € 15 bekommt man knusprige Tascherl mit Räuchertofu, Karotte und Röstzwiebelsud.
Bei der Namensgebung hat sich Mikulits auf die Spuren der Geschichte begeben: Der Schubert­ring hieß bis 1928 Kolowratring, benannt nach Graf Franz Anton von Kolowrat-Liebsteinsky (1778‒1861), dem ersten konstitutionellen Ministerpräsidenten der k.u.k. Monarchie.

Liebsteinsky
Bistro.Wein.Bar.
Schubertring 6, 1010 Wien
+43/(0)1/208 89 76
Mo.–Fr., 11.30–24 Uhr, Sa., 17–24 Uhr
liebsteinsky.at

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