Vom Glücklichseindürfen

Für alles gibt es ein erstes Mal – aber auch ein letztes Mal. Regisseurin Mirjam Unger erzählt über filmreife Sederabende, einen oscarverdächtigen Pflegeeinsatz und die wichtigste Regieanweisung ihrer Mutter.

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Im Rahmen des Festivals der jüdischen Kultur 2017 läuft Mirjam Ungers Film Vienna’s Lost Daughters (2007). Im Film porträtiert die geborene Wienerin acht jüdische Frauen, die 1938/39 vor dem Nationalsozialismus aus Wien nach New York geflüchtet sind, und zeichnet ihre traumatischen Erfahrungen mit Flucht und Ankunft in einem neuen ungewissen Leben nach.

Das letzte Mal beeindruckt von einem filmischen Ereignis war ich …
… bei der Berlinale. Dort gibt es so wundervolle Kinos in einer Dimension, wie ich sie selbst nur aus Filmen kannte. Beim Film Beuys im vollen Friedrichstadtpalast blieb
mir der Atem weg.

Das letzte Mal filmreif gefeiert habe ich …
… beim Sederabend auf Einladung meiner Mutter, mit meinen Schwestern und unseren Kindern, also drei Generationen. Es war ein festliches Tohuwabohu, wir können ja alle nicht still halten. Das sind dann Szenen wie aus einem Woody-Allen-Film, ich würde das gerne mal mit filmen.

Meine letzte oscarverdächtige Leistung war …
… vielleicht, als ich unseren Kater mitten in der Nacht intuitiv gepflegt habe, als er von einem Marder völlig zerkratzt und zerbissen, nass und zitternd nach Hause gekommen ist. Nach zwei Stunden hat er sich beruhigt, und am nächsten Tag wollte er schon wieder strawanzen gehen.

Das letzte große Drama in meinem Leben war …
… die plötzliche Erkrankung meiner Tante. Sie kämpft tapfer um ihr
Leben.

Meine letzte wichtige „Regieanweisung“ bekam ich …
… von meiner Mutter, als sie mir sagte: „Mirjam, du darfst glücklich sein.“

Vienna’s Lost Daughters: 18.5., 18–20.30 Uhr, Votivkino, mit anschließendem Gespräch der Regisseurin mit Giora Seeliger. Weitere Infos: ikg-kultur.at

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