Wina Editorial

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Frühling ist Pessach und Pessach ist das Fest des Auszugs aus Mizrajim (Ägypten). Mizrajim bedeutet wörtlich übersetzt Grenzen oder Einschränkungen (metzrim). Aber dieser Auszug ist nicht nur ein physischer, ein äußerlicher. Er symbolisiert auch das Bestreben, innere Grenzen zu überschreiten, die Dunkelheit des Winters zurückzulassen und – wie die Natur selbst –neu zu erblühen, ins Licht zu treten.

Die Freiheit des Menschen ist unantastbar, heißt es. Doch merken wir eigentlich, wie privilegiert wir sind? Wie wenig die Freiheit des Einzelnen in großen Teilen der Welt zählt, wie unterschiedlich sie definiert und wie wenig sie geachtet wird? Und wie schnell sie wieder Grenzen erfährt, eingeschränkt, politischen und wirtschaftlichen Interessen geopfert wird?Kein Despot, kein multinationales Wirtschaftsgeflecht kann uns jedoch so beschränken, wie es die Zeit tut. Wir laufen vor ihr weg, versuchen sie anzuhalten und ihr vorauszudenken. Wir verengen unser Leben auf den Moment, der Faktor Zeit fesselt unser Dasein. Es mag paradox erscheinen, aber es ist gut so! Die wahre Freiheit, das wirkliche Privileg ist es, den Moment zu leben und zu wissen, dass sich stets alles ändert, und nichts so bleibt, wie es ist. Und dass wir die Freiheit (und die Pflicht) haben, jeden Augenblick unseres Lebens so zu gestalten, dass er der beste unseres Lebens wird.

„Ihre Zeit ist begrenzt, also verschwenden Sie sie nicht damit, das Leben eines anderen zu leben. Lassen Sie sich nicht von Dogmen in die Falle locken. Lassen Sie nicht zu, dass die Meinungen anderer Ihre innere Stimme ersticken. “ – Steve Jobs

Zu Pessach brechen wir aber die Schranken der Zeit auf. Am Sederabend wird die Geschichte des Auszugs nicht nur erzählt, sondern erlebbar gemacht. Wir erleben den Exodus von Jahr zu Jahr und von Generation zu Generation so, als wären wir selbst aus Ägypten gezogen. Wir vergegenwärtigen Geschichte. Die Erinnerung führt uns Möglichkeiten vor Augen, formt vergangene Erfahrungen zu gegenwärtigen Antworten – und zeigt, dass Geschichte sich wiederholt, stets die gleichen Aufgaben stellt – nur, um dann erneut vorbeizuziehen. Wir müssen diesen Kreis durchbrechen, mit diesen kollektiven Erfahrungen unsere Gegenwart liebe- und friedvoll gestalten, achtsam, denn diese Momente werden ihrerseits zu kollektiven Erfahrungen unserer Kinder und künftiger Generationen, mit denen diese dann die ihnen gestellten Aufgaben zu lösen haben werden. In diesem Sinne wünsche ich uns allen viele schöneMomente, viel Freude beim Lesen und ein wunderbares Pessachfest!

Von Julia Kaldori

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