Mit dem Bilderzyklus „A Muslim, a Christian and a Jew” präsentiert das Jüdische Museum Wien erstmals eine Einzelausstellung des israelischen Malers, Bildhauers und Aktionskünstlers Eran Shakine in Wien. In skizzenhaften, auf einfache Kreidelinien reduzierten Bildern verhandelt Shakine in dieser Ausstellung grundlegende Fragen von Religion, Identität und Zusammenleben: Drei praktisch idente Gestalten im Frack, mit Fliege und Zylinder, streifen durch die Welt. Sie suchen in schrägen, bizarren, manchmal auch alltäglichen Situationen nach gemeinsamen Ursprüngen, nach gemeinsamen Antworten (auf die „großen Fragen“) und suchen in jedem Bild die gemeinsame Erkenntnis. Das ist nicht ohne (leise) Ironie.
Ein Witz, der keiner ist „Ein Muslim, ein Christ und ein Jude”. Jedes Bild dieser Ausstellung beginnt mit denselben Worten. Nicht zufällig erinnern sie an den Beginn eines Witzes. Doch anders als im Witz, der durch Zuspitzung von Unterschieden Heiterkeit erzeugt, konterkariert Eran Shakine diese Dramaturgie, dreht sie ins Gegenteil. Es ist eben nicht das absurde Anderssein, das in Shakines „Anti-Karikaturen“ die Pointen liefert. Vielmehr ähneln die drei Protagonisten im Frack einander sehr. Sie teilen Erlebnis und Schicksal – ohne dies freilich zu bemerken: Ein Witz, der keiner ist.
Hier geht es zum Interview mit Eran Shakine anlässlich seiner Ausstellung im Jüdischen Museum Wien.

Eine der größten Herausforderungen „Eran Shakines Werkzyklus zeigt, dass das Gemeinsame nicht in den großen Offenbarungen liegt, sondern im alltäglichen Vollzug des Menschseins. Plötzlich wird greifbar, dass es möglich sein könnte, das gemeinsame Leben. Und dennoch ist es eine der größten Herausforderungen auf unserem Planeten.“ verweist Hannes Sulzenbacher, Chefkurator des Jüdischen Museum Wien, auf die zentrale Botschaft von „A Muslim, a Christian and a Jew“. Sulzenbacher hat die Ausstellung gemeinsam mit der Direktorin des Hauses, Barbara Staudinger, kuratiert.
„Die letzten Jahre zunehmender politischer Hetze gegen Menschen mit Migrationshintergrund, gegen Migrantinnen und Geflüchtete, der 7. Oktober 2023 sowie der folgende Krieg in Gaza und die deutlich erstarkten antisemitischen Ressentiments haben tiefe Gräben in die Wiener Stadtgesellschaft gezogen. Um die Menschen dieser Stadt, die historisch und gegenwärtig von der Koexistenz der drei großen abrahamitischen Religionen geprägt ist, wieder zueinander zu bringen, wollen wir mit Eran Shakines Werkzyklus ,A Muslim, a Christian, and a Jew` daran erinnern, dass wir viel mehr gemeinsam haben, als uns trennt. Das ist es, was unsere Stadt jetzt braucht.“
barbara Staudinger, Direktorin Jüdisches Museum Wien
Spielräume im Kopf Die Aktionsräume in Eran Shakines Bildern sind nicht näher definiert. Während sich also die Arbeiten bei flüchtiger Betrachtung konkreter religiöser oder geografischer Zuordnung entziehen, eröffnen sie, verweilt man länger, Spielräume im Kopf, schaffen Platz für allerlei Assoziationen – seien sie naheliegend oder von der Phantasie des Betrachters beflügelt. Sagt dazu der Künstler: „Wenn du drei Männchen malst, und du schreibst darunter Ein Muslim, ein Christ und ein Jude, fragt dich jeder: Wer ist der Muslim, wer der Christ und wer der Jude? Das ist der Anreiz zum Nachdenken, das macht die Sache interessant“*
Der Künstler Eran Shakine, Jahrgang 1962, ist in Israel als Sohn einer ungarischen und eines französischen Schoa-Überlebenden geboren. Er lebt und arbeitet in Tel Aviv. Die Arbeiten des Malers, Bildhauers und Aktionskünstlers Shakine finden internationale Beachtung, wurden und werden unter anderem in New York, Paris, London und Berlin gezeigt.
VIDEO LINKS ERAN SHAKINE

Interview mit Eran Shakin auf i24 (2016) anlässlich der Ausstellung „Looking at you/talking to myself” – alt, gibt aber Einblick in seine Arbeitsweise und zeigt ihn als sympathischen Interviewpartner…
Video-Link Eran Shakine A Muslim, Christian and a Jew – Jüd Mus München

A Muslim, Christian and a Jew, Wie Eran Shakine´s Werke entstehen – hier im Jüdischen Museum München
*Aus einem Sonntagsblatt-Interview mit der Journalistin Martina Klecha anlässlich der Ausstellung „A Muslim, a Christian and a Jew“, Jüdisches Museum München 2018.
























