Unglücklich, wie der 1871 in Wien geborene und 1942 in Larchmont, New York, verstorbene Alexander Zemlinsky war, hatte er nur einen letzten Wunsch an seine Ehefrau Louise: „Sorg dafür, dass jemand meine Asche nach Wien bringt.“ Nun, wir kennen viele sentimentale Wiener Vertriebene und Exilanten, die noch zeitlebens ihre Geburtsstadt verklärten und manch Unverzeihliches doch verzeihten. Der Dirigent und Komponist Zemlinsky hatte dazu keine Zeit mehr: Ende 1938 kam er als gebrochener Mann in die USA, nach mehreren Schlaganfällen starb er 1942 in seinem Haus in Larchmont.
Bis seine Frau Louise Alexanders letzten Wunsch erfüllen konnte, brauchte es nicht nur 43 Jahre, sondern einen glücklichen Zufall sowie den persönlichen Einsatz des ehemaligen Kulturstadtrats Peter Marboe. Als umtriebiger österreichischer Presse- und Kulturattachée in New York gestaltete er unter anderem die Radiosendung Welcome to Austria. Da hörte Louise Zemlinsky eines Tages einen Ausschnitt aus dem Vierten Streichquartett ihres Mannes und schrieb Marboe einen Brief, ob er sie denn im Altersheim in New Jersey besuchen würde – aus diesem Treffen entwickelte sich eine tiefe Freundschaft. Louise vertraute Marboe ihren großen Schmerz an, dass sie den letzten Wunsch ihres Mannes nicht erfüllen könne. Der Diplomat Marboe verbürgte sich für ein Ehrengrab der Stadt Wien; 1985 kontaktierte er Bürgermeister Helmut Zilk, der sofort zusagte. Peter Marboe brachte die Urne schließlich mit viel Organisationstalent nach Wien und auf den Zentralfriedhof (Gruppe 33 G, Nummer 71).
Was das alles mit der Uraufführung von Felix Mitterers Auftragswerk aus Anlass des 150. Geburtstages am Theater an der Josefstadt zu tun hat? Der Autor spannt den Erzählbogen von der Stunde aus, in der sich Louise Zemlinsky an die Urne ihres Mannes klammert und diese noch ein wenig halten möchte, bevor sie in der Maschine der Austrian Airlines verschwindet. Danach rollt der Dramatiker die Reise durch das Leben Zemlinskys vonUnglücklich, wie der 1871 in Wien geborene und 1942 in Larchmont, New York, verstorbene Alexander Zemlinsky war, hatte er nur einen letzten Wunsch an seine Ehefrau Louise: „Sorg dafür, dass jemand meine Asche nach Wien bringt.“ Nun, wir kennen viele sentimentale Wiener Vertriebene und Exilanten, die noch zeitlebens ihre Geburtsstadt verklärten und manch Unverzeihliches doch verzeihten. Der Dirigent und Komponist Zemlinsky hatte dazu keine Zeit mehr: Ende 1938 kam er als gebrochener Mann in die USA, nach mehreren Schlaganfällen starb er 1942 in seinem Haus in Larchmont. Bis seine Frau Louise Alexanders letzten Wunsch erfüllen konnte, brauchte es nicht nur 43 Jahre, sondern einen glücklichen Zufall sowie den persönlichen Einsatz des ehemaligen Kulturstadtrats Peter Marboe. Als umtriebiger österreichischer Presse- und Kulturattachée in New York gestaltete er unter anderem die Radiosendung Welcome to Austria. Da hörte Louise Zemlinsky eines Tages einen Ausschnitt aus dem Vierten Streichquartett ihres Mannes und schrieb Marboe einen Brief, ob er sie denn im Altersheim in New Jersey besuchen würde – aus diesem Treffen entwickelte sich eine tiefe Freundschaft. Louise vertraute Marboe ihren großen Schmerz an, dass sie den letzten Wunsch ihres Mannes nicht erfüllen könne. Der Diplomat Marboe verbürgte sich für ein Ehrengrab der Stadt Wien; 1985 kontaktierte er Bürgermeister Helmut Zilk, der sofort zusagte. Peter Marboe brachte die Urne schließlich mit viel Organisationstalent nach Wien und auf den Zentralfriedhof (Gruppe 33 G, Nummer 71). Was das alles mit der Uraufführung von Felix Mitterers Auftragswerk aus Anlass des 150. Geburtstages am Theater an der Josefstadt zu tun hat? Der Autor spannt den Erzählbogen von der Stunde aus, in der sich Louise Zemlinsky an die Urne ihres Mannes klammert und diese noch ein wenig halten möchte, bevor sie in der Maschine der Austrian Airlines verschwindet. Danach rollt der Dramatiker die Reise durch das Leben Zemlinskys von Anfang an auf. Dieser wuchs, da sein Vater Adolf 1870 zum Judentum konvertiert war, in der von jüdischer Kultur geprägten Leopoldstadt auf. Adolf war Schriftsteller und fungierte als Sekretär der türkisch-israelitischen Kultusgemeinde, seine Frau Clara, geborene Semo, stammte aus einem jüdisch-muslimischen Elternhaus. Mit 13 Jahren entdeckten die Eltern Alexanders musikalische Begabung und ließen ihm die beste Ausbildung angedeihen. 1899 konvertierte Alexander Zemlinsky zum Protestantismus.

Schlaglichter seines Lebens unter den Großen seiner
Zeit: Robert Joseph Bartl als alternde Alma Werfel,
Martina Ebm als Louise Sachsel-Zemlinsky und
Alexandra Krismer als Ida Guttmann-Zemlinsky.
Bis 22. Juni, josefstadt.org © Moritz Schell
Pulsierendes Kulturleben im Wien um 1900. Im Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde schrieb Zemlinsky seine ersten, noch seinem Vorbild und Förderer Johannes Brahms verpflichteten Werke. Nach dem Studium gelang es ihm bald, sich durch persönliche Kontakte und das Engagement in zahlreichen Institutionen eine gewisse Stellung im pulsierenden Wiener Musikleben zu verschaffen. Menschlich und künstlerisch besonders bedeutsam waren in diesen Jahren die Begegnungen mit Arnold Schönberg und Alma Schindler, der späteren Frau von Gustav Mahler. Schönberg, den er kurzzeitig in Tonsatz unterrichtete und dem er seit 1906 auch als Schwager verbunden war, sollte Zemlinskys wichtigster Freund und künstlerischer Partner werden. Mit seiner Schülerin Alma Schindler hatte er eine ebenso intensive wie unglückliche Liebesaffäre, die durch Almas Begegnung mit Mahler ein jähes Ende fand.
Autor Felix Mitterer erzählt in seinem Stück das Leben Zemlinskys brav entlang wichtiger Stationen nach; Stephanie Mohr folgt ihm dabei mit ihrer Inszenierung, wobei der jüngere Zemlinsky, dargestellt von Martin Vischer, etwas zu wenig Kontur gewinnt und erst der sterbende Zemlinsky von Günter Franzmeier wirklich zu berühren mag. Vielleicht liegt es daran, dass sich Mitterer zu sehr um die Prominenz, die man aus dieser Zeit besser kennt, bemüht und vielfach mit Namedropping abarbeitet. Vielleicht ist es auch leichter, Zemlinskys Umfeld mit Johannes Brahms, Gustav Mahler, Arnold Schönberg, Richard Gerstl und Alma Schindler, spätere Mahler-Gropius-Werfel, zu beleben. Denn Alexander Zemlinsky gehört zu den Komponisten, die keinen „großen“ Namen haben und dennoch zu den Großen ihrer Zeit zählten. Seine Werke haben die Geschichte der Musik nicht verändert, sind aber authentisches Zeugnis ihrer stürmischen Entwicklungen zwischen 1890 und 1940. Zemlinsky steht zwischen den Zeiten und Stilen und hat in diesem „Zwischen“ eine reiche und unverwechselbare musikalische Sprache gefunden.
Angenehm zur Auflockerung der etwas spröden Aufzählung von angelesenem Wissen trägt so auch die Musik Zemlinskys selbst bei: Melanie Hackl, Susa Meyer und Kimberly Rydell sind nicht nur hervorragende Schauspielerinnen, sondern auch ausgebildete Sängerinnen und geben davon gelungene Proben ab.
Aus all dem Traurigen, das den Titelhelden umgibt, sticht eine Parodie über die „alte Dame“ Alma Werfel hervor, großartig dargestellt von Robert Joseph Bartl, der das Publikum zum Abschluss verdient erheitert.






















