Alter Hass in neuem Gewand

Alex Feuerherdt und Florian Markl sezieren in ihrem Neuen Buch Die Israel- Boykottbewegung BDS (Boycott, Divestment, Sanctions). Dabei legen sie den antisemitischen Charakter dieser Bewegung Schicht für Schicht frei, zeigen aber auch die beschränkte Wirkkraft von BDS auf.

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© Jacques Brinon / AP / picturedesk.com

Eines vorweg: Auch wenn sich die BDS-Bewegung gerne auf ihren Gründungsaufruf im Jahr 2005 bezieht, entstand sie schon lange vorher. Feuerherdt und Markl zeichnen in ihrem Buch die ideologischen Ursprünge nach und zeigen Kontinuitäten auf. Sie betonen zudem, dass es sich nicht, wie immer unterstrichen, um ein zivilgesellschaftliches Projekt handelt. „Der BDS-Aufruf ist kein bürgerschaftliches, gar oppositionelles Werk, sondern vielmehr eines, das die maßgeblichen Parteien und Organisationen in den palästinensischen Gebieten – darunter terroristische Vereinigungen, die sich dem Judenmord und der Vernichtung Israels verschrieben haben – goutieren, tragen und mitverantworten.“ Das Ziel sei ein klares, so das Fazit der Autoren: „eine Welt ohne den jüdischen Staat“.

Warum BDS antisemitisch ist, weisen die Autoren anhand einerseits der Antisemitismusdefinition der IHRA (International Holocaust Remembrance Alliance) sowie der ergänzenden, diese Definition erklärenden Beispiele, aber auch am 3-D-Modell von Nathan Sharansky nach. Gerade, wenn man sich diese drei Faktoren – Dämonisierung, double standards und Delegitimierung – ansehe, zeige sich der Antisemitismus klar.
Eine Dämonisierung liegt etwa vor, wenn Israels Handlungen maßlos übertrieben würde, „wenn Vergleiche zwischen Israelis und Nazis oder zwischen palästinensischen Flüchtlingslagern und Auschwitz gemacht werden“. Das Messen mit zweierlei Maß zeige sich, wenn Israel überproportional oft wegen Menschenrechtsverletzungen an den Pranger gestellt werde, etwa im Vergleich zu Staaten wie dem Iran, China oder Syrien. Eine Delegitimierung wiederum zeige sich, wenn Israel das Existenzrecht abgesprochen werde.

Es handle sich hier um eine Kampagne zur Diffamierung, Delegitimierung, Kriminalisierung
und letztlich eben
„zur Zerstörung
des jüdischen Staates Israel“.

Propagandaritual. Während die BDS-Kampagne an britischen Universitäten ebenso verbreitet ist wie an US-Hochschulen, konnte die Bewegung in Österreich, aber auch in Deutschland – nicht zuletzt auf Grund einschlägiger politischer Beschlüsse – wenig Fuß fassen. Global konnten die Aktivisten zudem kaum wirtschaftlichen Schaden erreichen, auch wenn sich das „Propagandaritual“ der „Israeli Apartheid Week“ inzwischen in vielen Ländern etabliert hatte. Anders sieht es im kulturellen Bereich aus, wie Feuerherdt und Markl aufzeigen. Künstler, dabei vor allem Bands und Sänger und Sängerinnen, die in Israel auftreten, werden massiv unter Druck gesetzt. Immer wieder gibt es Aufforderungen, Auftritte in Israel abzusagen. Dabei heiße es, „mit einem Konzert oder einer anderen Performance würden israelische Kriegsverbrechen und weitere Menschenrechtsverletzungen gegenüber den Palästinensern unterstützt“. Hier ist vor allem Roger Waters, der frühere Leadsänger von Pink Floyd, eine treibende Kraft.
Worin die Gefahr der BDS-Kampagne für Israel ausgeht: in der Rhetorik und ihrem Vokabular, das durch das stete Wiederholen immer weitere Kreise zieht. Es handle sich hier um eine Kampagne zur Diffamierung, Delegitimierung, Kriminalisierung und letztlich eben „zur Zerstörung des jüdischen Staates Israel“. Die Autoren betonen daher, dass die Wirkung von BDS im akademischen und kulturellen Bereich nicht unterschätzt werden dürfe. Mit ihrem Buch legen sie nun einen Eye Opener vor.

 

Alex Feuerherdt/Florian Markl:
Die Israel-Boykottbewegung. Alter Hass in neuem Gewand. Hentrich & Hentrich 2020, 180 S., € 20,50

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