Antisemitismus an Schulen: das ist, wie die vom IFK multimethodisch durchgeführte Studie zeigt, ein weites Feld. Judenfeindlichkeit tritt in verschiedensten Ausprägungsformen auf – vom antisemitischen Witz bis zur Drohung, vom tätlichen Angriff bis zur Online-Beschimpfung. Betroffene berichteten in den qualitativen Interviews von teils zögerlichen Reaktionen durch Lehrpersonen, aber auch von Unsicherheiten der Pädagogen und Pädagoginnen bei diesem Thema. Die Handreichung, die Dienstag Abend im Rahmen der „Aktionswoche gegen Antisemitismus“ im Haus der Geschichte Österreich (HdGÖ) präsentiert wurde, gibt hier nun einen klaren Leitfaden, wie mit solchen Situationen umgegangen werden kann.
Das Wichtigste dabei: „Sofort reagieren“. „Lassen Sie antisemitische Aussagen oder Angriffe nie unbeantwortet, sondern treten Sie diesen sofort entgegen. Das gilt auch wenn – soweit bekannt – keine jüdischen Schüler:innen anwesend sind“, heißt es in der Handreichung „Antisemitismus in der Schule. Case Management Strategien und Empfehlungen für Schulmanagement und Lehrpersonen“. Deutlich gemacht werden müsse dabei, dass Antisemitismus in der Klasse nicht geduldet werde. Dabei soll der antisemitische Gehalt der Aussagen oder Handlungen klar benannt werden, ohne dabei den Verursacher zu beschämen. In einem nächsten Schritt muss der Schutz und das Wohlbefinden von Betroffenen in den Mittelpunkt gestellt werden.
Die Autorinnen der Publikation, Karin Liebhart und Stefanie Mayer vom IFK, sie zeichneten auch für das zu Grunde liegende Projekt „Antisemitismus in der Schule – Perspektiven von Betroffenen und Case Management Strategien“ verantwortlich, streichen zudem hervor: die Schulleitung muss über jeden antisemitischen Vorfall informiert werden und jedes solche Vorkommnis ist zu dokumentieren. Angeraten wird auch das Hinzuziehen externer Einrichtungen, die hier Expertise haben. Die Schule muss sich zudem auch dann zuständig fühlen, wenn antisemitische Angriffe online – etwa via WhatsApp – erfolgen.
An Hand konkreter Beispiele zeigen die Autorinnen auf, worauf auch im Detail zu achten ist: etwa sich nicht damit zufrieden zu geben, dass mit einer antisemitischen Ansage lediglich provoziert werden wolle. „Versuchen Sie zu verstehen, warum sich diese ‚Provokation‘ gerade als Antisemitismus äußert.“ Oder sich nicht zu einer historischen Aufarbeitung des Nahostkonflikts hinreißen zu lassen, sondern den „Konflikt über den Konflikt“ in den Mittelpunkt zu stellen. „So lässt sich deutlich machen, dass nicht politische Meinungen, sondern antisemitische (oder auch rassistische) Darstellungen und Äußerungen das Problem sind.
Damit Lehrpersonen im Anlassfall entsprechend reagieren können, braucht es aber auch entsprechende Vorbereitung. Zum einen benötigen alle Lehrpersonen das entsprechende Wissen über die verschiedenen Erscheinungsformen von Antisemitismus. Zum anderen braucht es an der Schule bereits etablierte Strukturen wie beispielsweise ein Leitbild, ein übergeordnetes Case Management, Mechanismen für Konfliktmanagement und Gewaltschutz, Räume und Ressourcen für die gemeinsame Reflexion der Schulkultur, aber auch die Bereitschaft, spezialisierte Beratungsmöglichkeiten in Anspruch zu nehmen.
„Zentral für den institutionellen Umgang ist, dass Antisemitismus in allen Fällen entschieden und rasch entgegengetreten werden muss“, wird in der Handreichung festgehalten. Das gelte auch, wenn – soweit der Schule bekannt – keine jüdischen Betroffenen anwesend seien. In einem weiteren Schritt könne im Sinn einer längerfristigen Bearbeitung mit Angeboten aus dem Bereich der antisemitismuskritischen Bildung reagiert werden. Holocaust Education stelle dabei einen sehr wichtigen, aber nicht ausreichenden Teil darf.
Lehrpersonen, die sich umfassend mit dem Thema auseinandersetzen wollten, finden am Ende der Broschüre jede Menge Links zu weiterführenden Publikationen und Webseiten, aber auch zu Beratungsstellen, Workshopangeboten, Lernmaterialien für den Unterricht sowie Weiterbildungen für Pädagogen und Pädagoginnen.
Die Publikation kann hier heruntergeladen werden: https://ikf.ac.at/wp-content/uploads/2025/11/IKF_Handreichung.pdf – es gibt zudem auch eine Webversion: https://www.schule-ohne-antisemitismus.at).


























