Aus der Redaktion

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Am 2. Dezember sagten 10.000 Menschen in Budapest „Nein“. Sie gingen auf die Straße, nachdem ein ungarischer Parlamentarier im Parlament die Listung jüdischer Politiker verlangt – und niemand reagiert hatte.

Im November riefen Teilnehmer einer Demonstration am Wiener Stephansplatz „Tod den Juden!“ – und niemand reagierte. Ende August wurde ein Rabbiner in Berlin tätlich angegriffen. Den Sommer über begleitete uns die so genannte Beschneidungsdebatte. Und nun gibt es eine Anzeige gegen den Gemeinderabbiner. Im März wurden ein Rabbiner, seine beiden Söhne und ein kleines Mädchen vor einer jüdischen Schule in Toulouse erschossen.

Die Liste ließe sich noch eine ganze Weile fortsetzen …

Nein, 2012 war kein gutes Jahr für Juden. Es war kein gutes Jahr für Antifaschisten, für Humanisten, für denkende und für fühlende Menschen. Es war ein Jahr, das uns zur Wachsamkeit aufruft und uns einmal mehr deutlich zeigt, dass wir in einer Zeit mit mehr Fragen als Antworten leben. Deuten wir die Zeichen rechtzeitig?

Stecken wir in einer tiefen Rezession; gibt es noch Werte, die Sicherheit bieten, die Krisen und damit einhergehende Radikalisierungen verhindern können? Antworten gibt es viele – unterschiedliche und auch sehr widersprüchliche. Im Grunde gibt es also keine: ein Grund mehr, uns in dieser und in den kommenden Ausgaben gerade mit diesen Fragen auseinanderzusetzen.

Zu den lebensfrohen Themen, denen wir uns in diesem Heft widmen, zählt die jüdische Musik: der  Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Wobei wir uns die Klassik und den Klezmer bewußt für eine der kommenden Ausgaben aufgespart haben. Ob DJs in Österreich und international, ob MusikerInnen, Musikmanager oder der musikalische Nachwuchs. Die Bandbreite an Porträts und Reportagen ist vielfältig. Und das nicht nur bei unserem Schwerpunktthema. Denn wir haben für Sie überaus viel, und viel Schönes, in diese Doppelnummer zum Jahreswechsel gepackt und möchten uns damit bei all unseren Leserinnen und Lesern für das gemeinsame Jahr 2012 bedanken.

Für Chanukka wünschen wir Ihnen viel Freude, viel Wärme, viel Familie –  und lassen Sie es sich gut gehen, wo immer Sie die kommenden Feiertage verbringen!

Ihre Julia Kaldori

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