Aus Liebe auf den zweiten Blick

Ziva Karschigijew wurde in Usbekistan geboren und lebte ab 1990 in Israel, wo sie zuletzt als Zahnarzthilfe arbeitete. Seit 2008 lebt die Kosmetikmeisterin mit ihrem Mann und der gemeinsamen Tochter in Wien-Brigittenau.

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© Ronnie Niedermeyer

Das kleine Dorf in Usbekistan, in dem ich geboren wurde, ist auf den meisten Landkarten nicht zu finden. Meine Mutter, das Großstadtmädchen aus Samarkand, hatte es wegen ihres Mannes dorthin verschlagen. Ich war fünf Jahre alt, als wir Alija machten. Meine früheste Erinnerung ist es, in dieses Flugzeug zu steigen und nach Israel zu fliegen. Dort ging ich zwölf Jahre lang in die Schule, machte die Bagrut [Matura, Anm. d. Red.] und anschließend Zivildienst. Danach arbeitete ich als Karenzvertretung einer Sekretärin an der Maccabi-Zahnpraxis in Jerusalem. Der Job sollte nach drei Monaten wieder vorbei sein, aus dieser Zeit wurden fünf Jahre und das Angebot einer Beförderung. Durch einen Anruf meiner Schwester kam alles anders. „Ziva, jemand möchte dich kennenlernen”, sagte sie. „Ein Unternehmer aus Wien, aus der Mobilfunkbranche.” Ich war etwas perplex. Erstens hatte ich schon einen Freund, und zweitens: Was soll ich denn in Wien? Es war 2008 und ich kurz davor, meine Abschlussprüfung als zahnärztliche Fachassistentin abzulegen und war bei Maccabi sehr zufrieden. Doch meine Schwester bestand darauf. „Bitte, triff den Typen einfach. Meine Schwiegermutter macht mich schon ganz verrückt!” Also ließ ich mich von Edi ins Restaurant einladen. Liebe auf den ersten Blick war es zwar keine – doch er gab sich als richtiger Gentleman, und wir unterhielten uns köstlich. Als ich kurz auf die Uhr schaute, waren schon vier Stunden vergangen! Am nächsten Tag rief ich meine Schwester an und sagte ihr: „Ich glaube, er ist es.” Vor dem Umzug nach Wien machte ich mir ein wenig Sorgen: neue Sprache, neue Kultur, neue Menschen – ein völliger Neubeginn. Es war mir wichtig, sofort Deutsch zu lernen und mich zu integrieren, selbstständig zu sein und beruflich auf eigenen Beine zu stehen. Anstatt die Zahnpflege hier neu zu erlernen, ging ich meinem ursprünglichen Interesse nach und machte 2010 bis 2013 eine Lehre als Kosmetikerin und Fußpflegerin. 2015 schloss ich die Meisterprüfung in Kosmetik, Permanent Makeup und Fußpflege ab und arbeitete bis zu meiner Mutterkarenz als Geschäftsführerin eines Schönheitssalons. Jetzt genieße ich es, mit unserer zweijährigen Tochter in die Natur zu gehen. Ihre große Liebe gilt momentan den Streichelzoos!

Tipp: Daheim habe ich mir ein schönes Arbeitszimmer eingerichtet und verbringe hier viel Zeit. Meine Karenz nutze ich auch zur Fortbildung – Gelerntes kann ich hier gleich in die Praxis umsetzen. 

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