Bemühen um Normalität für die Kleinsten

Wie sieht der Corona-Alltag für Kindergartenkinder und Erstklässler aus? Machen sich Probleme in der Entwicklung bemerkbar? WINA hat sich in der Zwi-Perez-Chajes-Schule und am Lauder-Chabad-Campus umgehört.

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Im zweiten Lockdown gingen die Klein- und Vorschulkinder ganz normal weiter in den Kindergarten. Und auch die Volksschulen waren fast zu hundert Prozent besucht. © ZPC; Lauder-Chabad-Campus

Im ersten Lockdown blieb das Gros der Volksschüler und Kindergartenkinder zu Hause. Das stellte nicht nur die Eltern vor große Betreuungsprobleme. Das bedeutete für die Allerkleinsten auch einen großen Einschnitt in ihrem Alltag, den man ihnen allerdings schwer vermitteln konnte. Und ja, da machten sich auch Lerndefizite bemerkbar. Die Lehren daraus: Im zweiten Lockdown gingen die Klein- und Vorschulkinder ganz normal weiter in den Kindergarten. Und auch die Volksschulen waren – vor allem in den ersten Klassen – nahezu zu 100 Prozent besucht. Das jedenfalls berichten Olivier Hennes, Direktor der Volksschule am Lauder-Chabad-Campus, und Cordula Ströhle-Ronniger, sie leitet die ZPC-Primarstufe.
Kleine Entwicklungsprobleme machen sich dennoch bereits bemerkbar. Kleine. Die Langzeitfolgen würden sich wohl erst nach und nach zeigen, meint Hennes. Was ihm vor allem Sorgen macht: der Bewegungsmangel durch den langen Ausfall des Schul-, aber auch Freizeitsports. Kinder, die schon vor der Coronakrise zu Übergewicht neigten, hätten weiter zugelegt, hat der Schuldirektor beobachtet. Das seien Einzelfälle, und da würden die Eltern inzwischen teils schon mit Diäten und Ernährungsspezialisten arbeiten. Er befürchtet aber, dass sich solche Probleme noch verstärken könnten. Und: Der Bewegungsmangel mache sich auch bei der motorischen Entwicklung bemerkbar. Und zwar nicht nur bei der Grob-, sondern auch bei der Feinmotorik. Diese sei gerade bei den Erstklässlern wichtig, um das Schreiben zu erlernen.
Mit Bewegung hat auch eine Beobachtung Ströhle-Ronnigers zu tun. „Einer Kollegin in einer ersten Klasse ist im Turnunterricht aufgefallen, dass manche Kinder Dinge, die sie bereits konnten, nicht mehr können.“ Da seien Erstklässler ins Kleinkindalter zurückgefallen. Ein Beispiel: Sie können nach der langen Turnpause in der Schule nicht mehr rückwärtslaufen. „Da wurden in der Grobmotorik von manchen Kindern Rückschritte gemacht.“
Defizite ortet sie aber auch bei Kindern, die Sprachförderung brauchen. „Bei ihnen ist die Sprachentwicklung nicht so vonstattengegangen, wie sie das unter normalen Umständen tun würde.“ Einerseits sei die Personalsituation durch Langzeitkrankenstände angespannt, da sei weniger Förderung möglich. Andererseits habe im zweiten Lockdown oft kein Unterricht, sondern Betreuung stattgefunden. „Das ist aber nicht das Gleiche wie Sprachförderung. Das sind leider die Umstände in einem Lockdown.“
Den Umgang mit dem Computer lernen Kinder zwar rasch, aber gerade bei den Erstklässlern, wenn überhaupt erst die Alphabetisierung anstehe, sei das herausfordernd, so die Direktoren. Am Lauder-Chabad-Campus wird nun viel mit kleinen Anleitungsvideos gearbeitet. Das habe sich sehr bewährt und habe auch Vorteile, erzählt Hennes. Kinder, die zuvor immer wieder die Lehrerin gefragt hätten, ob sie etwas nochmals erklären könne, würden nun bei diesen Videos immer wieder auf „Play“ drücken – bis sie es verstanden haben.

Einer Kollegin in einer ersten Klasse ist im Turnunterricht aufgefallen, dass manche Kinder Dinge, die sie bereits konnten, nicht mehr können.
Cordula Ströhle-Ronniger, Leiterin der Primärstufe

Ströhle-Ronniger sieht aber auch Grenzen des digitalen Lernens. Das Zusammenlauten von Buchstaben zu üben etwa, ein wichtiger Schritt, um lesen zu lernen, sei nur im Face-to-face-Unterricht möglich. Dazu würden einige der Lehrerinnen auch im Klassenzimmer die Maske kurz abnehmen – wobei das immer eine individuelle Entscheidung bleibe.

Stichwort Maske: In der ZPC-Schule muss der Mund-Nasen-Schutz auch in der Volksschule durchgängig getragen werden. Das ist eine Konsequenz nach vielen Covid-Infektionen im vergangenen Herbst. Am Chabad-Campus kann die Maske im Klassenzimmer abgenommen werden. Auch der Abstand könne im Schulalltag von Volksschülern nicht gelebt werden, sagt Hennes. So hält man sich nun ans Testen, versucht aber, den Kindern einen möglichst normalen Schulalltag zu bieten.
Ähnlich ist es im ZPC-Kindergarten. „Die Pädagoginnen tragen zwar Maske, doch für die Kinder fühlt sich das ganz normal an“, so Kindergarten-Leiterin Irma Dhillon. Mache der Pädagoginnen nehmen die Maske zudem immer wieder kurz ab, etwa wenn es um Sprachvermittlung geht. Im Kindergarten müssen die Mädchen und Buben selbst keinen Mund-Nasen-Schutz tragen. „Sie haben keine Maske, sie müssen nicht getestet werden, das Spielverhalten ist ein ganz normales. Für sie hat sich der Alltag nicht so verändert.“
Dafür hat Dhillon eine andere Beobachtung gemacht: Die Gruppen seien nicht leerer als sonst, sondern voller. Denn die Kinder seien diesen Winter kaum krank. Es gebe viel weniger Erkältungen und Infekte. Vielleicht haben damit auch verstärkte Handhygiene und Desinfektion zu tun. Im ZPC-Kindergarten werden Kinder nun auch zum Händewaschen geschickt, wenn sie sich die Nase geputzt haben. Hatte ein Kind ein Spielzeug im Mund, wird dieses sofort in ein Waschbecken gelegt, wo es am Ende des Kindergartentages gewaschen wird. „Und wir desinfizieren viel mehr, die Tische, die Sesseln – wir wischen nicht nur drüber. Auch die Türgriffe und Armaturen werden mehrmals täglich desinfiziert.“

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