
Man wolle und brauche ihn hier nicht, ließ der Gouverneur von Illinois, J. B. Pritzker, Präsident Donald Trump wissen. Dieser drohe mit der Einberufung der National Guard in amerikanische Städte, ihnen den Krieg zu erklären. Trump sei nichts als ein „Möchtegern- Diktator“. Illinois lasse sich von ihm nicht einschüchtern.
Ängstlich wirkt der 100-Kilo-plus- Mann tatsächlich nicht gerade. Er regiert von Springfield aus den Bundesstaat, in dem allein die Metropole Chicago rund ein Drittel der Bevölkerung stellt. Die Großstadt ist traditionell demokratisches Territorium, freilich nicht ohne langjährigen demokratischen Filz. Fast hätte sich auch Pritzker in diesen verwickelt, als er am Beginn seiner Karriere Geld für eine Nominierung anbot, einem später verurteilten Spitzenpolitiker. Doch er kam weitgehend unbeschädigt aus der Affäre heraus und wurde 2018 erstmals zum Gouverneur gewählt.
Viel Geld war freilich auch damals im Spiel, vorwiegend eigenes Geld. Rund 170 Mio. Dollar soll Pritzker in seine erfolgreiche Kampagne investiert haben, für die Wiederwahl vier Jahre später noch einmal 140 Millionen. Er rechtfertigt sich dafür in alter K.-&-k.-Manier: Wenn er selbst reich sei, brauche er auf andere Spender keine Rücksicht zu nehmen.
Pritzker wird in den letzten Monaten von der US-Presse zunehmend in den engeren Kreis der möglichen demokratischen
Kandidaten für die nächste Präsidentschaftswahl gerückt.
Dabei sind diese Summen – Pritzker überwies auch anderen Demokraten viel Geld, etwa Barack Obama und Joe Biden – für ihn eher Kleingeld. Er wird auf mehr als drei Milliarden Dollar Vermögen geschätzt und ist damit einer der wohlhabendsten amerikanischen Politiker. Diesen Reichtum haben sein Vater und sein Onkel angehäuft, erst mit der Gründung und erfolgreichen internationalen Expansion der Hyatt-Hotel-Gruppe, dann mit einem Industriemischkonzern rund um Bahn und Bau namens Marmon Group, den die Familie später um einen Milliardenbetrag an den Investor Warren Buffet und dessen Konglomerat Berkshire Hathaway verkaufte. Der berühmte Pritzker- Architekturpreis wurde ebenfalls von der Familie begründet und dotiert.
Die jüdische Familie stammt aus der Ukraine, doch handelte es sich bei ihnen Ende des 19. Jahrhunderts um keine armen Einwanderer: Yakov Pritzker, der Urgroßvater des Politikers, hatte in der zaristischen Ukraine einee Zuckerfabrik gemanagt. Wiederholte Pogrome motivierten ihn zur Emigration in die USA.
Jay Robert „Bob“ Pritzker, der in 1965 in Palo Alto, Kalifornien, geboren wurde, studierte Politikwissenschaft und Jus und arbeitete dann in mehreren Unternehmen der Familie. Ehe er sich der Politik zuwandte, gründete er noch eine eigene Start-up-Plattform.
Seine politische Agenda ist eine klassische demokratische, schreibt die Neue Zürcher Zeitung: „Erhöhung des Mindestlohns, schärfere Waffengesetze, Recht auf Abtreibung, Infrastrukturprojekte.“ Damit – und auch mit einer gemäßigt grünen Agenda sowie einer positiven Haltung gegenüber Einwanderern – ist er natürlich ein klarer Opponent der Trump’schen Politik des konservativen Zurückdrängens des Staates, der Jagd auf illegale Immigranten und der Unterstützung der Öl- und Waffenlobbys.
Innerhalb des aktuellen Richtungsstreits bei den Demokraten, wie man auf die ständigen Provokationen Trumps reagieren solle, fährt Pritzker einen eher harten Kurs, nicht unähnlich seinem Gouverneurskollegen aus Kalifornien, Gavin Newsom. Erst kürzlich warnte er in einer viel beachteten Rede in New Hampshire, die Demokraten zeigten allzu oft eine „affektierte Ängstlichkeit“.
Pritzker wird in den letzten Monaten von der US-Presse zunehmend in den engeren Kreis der möglichen demokratischen Kandidaten für die nächste Präsidentschaftswahl gerückt. Angeblich habe der runde Gouverneur schon begonnen, etwas abzuspecken. Trump, der über ein feines Gespür für gefährliche Gegner verfügt, hatte Pritzker schon mehrmals wegen seines Gewichts verspottet und ihm gönnerhaft Trainingseinheiten verordnet.
























