
Manche interessieren sich aus Passion für Gewandmode und deren Wandel. Sie drücken damit ihre Besonderheit aus, betonen Vorlieben, Harmonien, auch farbliche oder stilistische Antipathien. Kleider machen Leute, das wusste im 19. Jahrhundert schon der Schweizer Erzähler Gottfried Keller. Anderen dagegen ist, was sie tragen, nicht wirklich wichtig. Kleidung fällt auf, wenn das Individuelle absichtlich fehlt – Stichwort: Militär- oder Polizeiuniformen. Die polnische Historikerin Karolina Sulej nimmt Kleidung mit einem anderen Fokus in den aufklärerischen Blick: als Zwang, als De-Legitimierung, als Strafe durch Entzug.
KZ-Häftlinge mussten als erstes alle ihre Kleider abgeben, dann wurden sie kahlgeschoren, um gedemütigt, gebrochen, als Individuen auf ein Nichts minimiert zu werden. Und bekamen bis 1939 helle Anzüge, ab 1939 wurden ihnen dann gestreifte, verlauste, erbärmlich dünne Einheitsgefangenenkleidung zugeteilt – deren unübersehbarer Kontrast waren die Uniformen der Aufseher und Schergen – und Frauen zufällig Zusammengewürfeltes, das sie tragen mussten. Doch diese Kleidung sorgsam zu pflegen, gar mit ihr zu handeln und sie zu tauschen gegen anderes, also einfallsreich zu „organisieren“, konnte überlebenswichtig sein. Sulej hat umfassend recherchiert, rekonstruiert den Alltag in den Lagern und zitiert zahlreiche Aussagen und Zeugnisse von Überlebenden, um zu erhellen, was unter solchen Bedingungen Gewänder für eine konkrete Bedeutung























