BUCH DES MONATS: ROMAIN GARY „EUROPÄISCHE ERZIEHUNG“

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Romain Gary: Europäische Erziehung. Übers. v. Birgit Kirberg. Roman. Wagenbach 2025, 224 S., 25,95 €

Was war zuerst da: das Leben oder der Roman? Was war zuerst da: die Vorstellung der Mutter, aus ihrem Sohn einen Diplomaten und Schriftsteller zu machen, oder das autobiografische Buch La Promesse de l’Aube, das Romain Gary 1960 als Diplomat und berühmter Autor schrieb? Jedenfalls ist dieses Hauptwerk des Franzosen, 1914 als Roman Kacew in Wilna als unehelicher Sohn einer jüdisch-russischen Schauspielerin geboren und 1980 durch eigene Hand aus dem Leben geschieden, eine wunderbare Möglichkeit, diesen großen, in Frankreich immer noch ausdauernd gelesenen Erzähler wiederzuentdecken. Romains Mutter dichtete ihrem Sohn eine blendende Zukunft als Dichter, Sänger, Musiker und Maler an, wofür seine Talente nicht ansatzweise ausreichten. Vor allem aber als Diplomat im Dienste Frankreichs. Sie unternahm alles Mögliche und haarsträubend Unmögliche, um aus ihm das von ihr prophezeite Genie zu machen – bis er dann zum preisgekrönten Bestseller-Autor wurde. Das wieder aufgelegte Europäische Erziehung, ein erstaunlich reifes Frühwerk, das Gary 1942–1943 schrieb, ist beklemmend.

Janek, 14 Jahre jung, ist von seinen Eltern in einem Wald nahe Wilna/Vilnius versteckt worden, als Litauen im Zweiten Weltkrieg überfallen wurde. Für eine Partisanengruppe erledigt er hochgefährliche Botengänge.

Wie wird man unter solchen Umständen erwachsen? Wie tief gehen die seelischen Verletzungen? Wie lassen sich Würde, Hoffnung, Gefühle hochhalten? Und wann wird – womit dieser Roman an die Gegenwart andockt – Frieden in Europa einziehen?

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