Damenspende

Für alles gibt es ein erstes Mal – aber auch ein letztes. In diesem Monat wurde die Künstlerin Kathi Hofer zu Dingen befragt, um die es auch in ihrem Beitrag für das JMW geht: Kaufhäuser, It-Girls und Lederhandschuhe mit Bleistifthalterung.

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Kathi Hofer wurde für die Ausstellung Kauft bei Juden! vom Jüdischen Museum Wien eingeladen, sich mit einer eigenen Arbeit auf die ausgestellten Motive zu beziehen und dadurch neue Blickwinkel zu schaffen. Ihr Beitrag wurde von der „Damenspende“ inspiriert, die die weiblichen Angestellten des Kaufhauses Gerngross auf einem Ball im Jänner 1910 als Geschenk erhielten. Die 35-jährige Künstlerin ist in St. Johann im Pongau aufgewachsen und lebt und arbeitet in Berlin und Wien.
kathihofer.com

Das letzte Malbegeistert von einem Kaufhausbesuch war ich …
vergangenen Herbst bei Harrods in London, wo die labyrinthische Anordnung der Abteilungen auf sieben Stockwerken in Kombination mit dem aufwändigen, gleichsam bühnenhaften Interieur einen Sog ausübte, dem ich mich nicht zu entziehen vermochte. Noch mehr aber faszinierte mich die überdrehte Betriebsamkeit der unzähligen unter einem Dach getätigten Mikrogeschäfte, die mich an das systematisch chaotische Treiben an der Börse erinnerte.

Das letzte Stück Textil, mit dem ich mich ausgiebig beschäftigt habe, war …
ein spezialgefertigter Lederhandschuh, in dessen schulterhohem Armteil Anbringungen für Bleistifte, Papier und einen Handspiegel eingearbeitet sind.

Das letzte Mal viel zu viel Geld habe ich ausgegeben für …
einen secondhand gekauften Rock aus Transsilvanien.

Das letzte It-Girl, das meine Aufmerksamkeit weckte, war …
Clara Bow, das erste überhaupt so genannte „It-Girl“. In dem Film It (1927) spielt sie die Kaufhausangestellte Betty Lou Spence, die das Herz ihres großbürgerlichen Vorgesetzten mit einem Besuch im proletarischen Vergnügungspark gewinnt – zwischen Frittenbude, „Fun House“ und einer Fahrt mit einem „Social Mixer“ überschriebenen Karussell!

Das letzte Mal wienerisch habe ich mich gefühlt …
bei einer recht stereotypen Interaktion mit einem Kellner im Kaffeehaus.

Die Ausstellung „Kauft bei Juden! Geschichten einer Wiener Geschäftskultur“ läuft noch bis zum 19. November. Weitere Infos: jmw.at

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