Das Gesicht der Zukunft

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„The Child Dreams“ – Präsentation im Kinsky eines von Maler Gottfried Helnwein angefertigten großformatigen Porträts eines Buben aus der Wiener jüdischen Gemeinde. (c) Wina/Weiss

„The Child Dreams“ nannte der Künstler Gottfried Helnwein das Porträt eines Buben aus der Wiener jüdischen Gemeinde, von dem er in den vergangenen Monaten ein großformatiges Porträt angefertigt hat. Am 16. Juni wird die fotorealistische Öl- und Acrylarbeit zu Gunsten der Restaurierung des Stadttempels im Auktionshaus im Kinsky versteigert. Am Dienstag wurde das Bild erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Augen sind geschlossen, die gewellten braunen Haare fallen, wie sie fallen: „The Child Dreams“ zeigt ein Kind wie aus dem Leben gegriffen. Gottfried Helnwein wählte nach einem Casting jüdischer Kinder schließlich einen Buben aus, der auf den ersten Blick, wohl wegen der nicht ganz kurzen Haare, auch ein Mädchen sein könnte. Der Künstler selbst verwies darauf, dass ihn auch gerade das Androgyne angesprochen haben – hier stehe das Kindliche über dem Geschlecht. Gefallen haben ihm aber vor allem „der friedliche Ausdruck“. Die Zukunft der jüdischen Gemeinde seien die Kinder – sie seien die Garantie dafür, dass Juden immer Teil Österreichs sein würden.

Diesen Aspekt unterstrich zuvor auch IKG-Präsident Oskar Deutsch. Das von Helnwein porträtierte Kind stehe für die Gegenwart und Zukunft der jüdischen Gemeinde Wiens und Österreichs, es sei „kein Modell, sondern ein Symbol“. Der Stadttempel werde nicht für die Vergangenheit restauriert, sondern eben für jene Kinder, die heute und morgen in Wien jüdisch aufwachsen. Die Finanzierung für dieses Großprojekt sei weit vorangeschritten, aber noch nicht vollständig gesichert. Die Versteigerung des Gemäldes „wird uns einen großen Schritt voranbringen“. Großer Dank gehe an Helnwein und diese wichtige Zusammenarbeit.

Der Wiener Stadttempel wurde 1826 – also vor 200 Jahren – eröffnet und ist ein Entwurf des Architekten Joseph Kornhäusel. Im Zug der aktuellen Restaurierung wurden die im Zug der Renovierung des Stadttempels 1963 (Entwürfe: Architekt Otto Niedermoser) angebrachten dunklen Holzpaneele entfernt – auf einem dieser wurde das nun von Helnwein geschaffene Werk montiert. Somit verbindet sich das Holz, über viele Jahre stummer Zeuge jüdischen Lebens in Wien, mit dem Blick in die Zukunft. Vergangenheit und Aufbruch, Zerstörung und gelebtes Judentum: Der Künstler spielt hier auch bei der Materialwahl mit Emotionen und Symbolik.

Das Projekt sei für ihn „eine Herzensangelegenheit“, wie Helnwein am Dienstag bei der Präsentation des Bildes (Format 174,5 x 126 cm) in den Räumen des Auktionshauses im Kinsky unterstrich. Er sei kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in Wien geboren, er könne sich noch an die zerbombten Häuser und die depressive Stimmung in der Stadt erinnern. Gleichzeitig habe es diese kollektive Amnesie gegeben: Niemand habe gewusst, was in der NS-Zeit passiert war. Die Arbeit, das ans Licht zu bringen, habe man kommenden Generationen überlassen. Als Künstler gehöre auch dazu, sich mit der Geschichte der Kultur dieser Stadt auseinanderzusetzen.

„Meine Kunst ist tief verwurzelt in der österreichischen Kulturtradition.“

Gottfried Helnwein

Der Stadttempel sei ein Teil dieser Kultur und von großer Symbolik: Anfang des 19. Jahrhunderts erbaut, erzähle er auch davon, wie sich die Zeiten für jüdische Bürgerinnen und Bürger damals änderten. Gleichzeitig hätten viele Juden großen Anteil an der österreichischen Kunst und Kultur. Helnwein nannte hier Schriftsteller wie Stefan Zweig, Joseph Roth, Arthur Schnitzler, aber auch den Komponisten Gustav Mahler. Aber auch das Mäzenatentum sei stark von Juden getragen worden. Wien sei zu jener Zeit wichtig in der jüdischen Diaspora gewesen, aber wohl auch einer der besten Plätze damals für Juden. Mit der Schoa ergebe sich hier eine historische Verpflichtung für ihn als Nachgeborenen. Daher wollte er hier nun einen Beitrag leisten, so Helnwein.

„The Child Dreams“ wird am 16. Juni 2026 um 18.00 Uhr als erstes Objekt einer Auktion zeitgenössischer Kunst versteigert, kündigte imKinsky-Geschäftsführer Michael Kovacek an. Der Startpreis wurde mit 50.000 Euro festgelegt. Die Besichtigung ist ab 8. Juni 2026 Montag bis Freitag von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr und samstags von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr möglich (Auktionshaus imKinsky, Freyung 4, 1010 Wien).

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