Das unrühmliche Ende der Sponsoren

Nach einer Reihe anderer internationaler Museen hat zuletzt das Metropolitan Museum den Namen der prominenten Spenderfamilie Sackler verschwinden lassen.

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Künstlerin Nan Goldin und die Gruppe P.A.I.N. bei einer Protestaktion gegen die Familie Sackler im Guggenheim Museum in New York. Goldin gibt der Familie auch die Schuld an ihrer eigenen schweren Schmerzmittelabhängigkeit. © Yana Paskova / Eyevine / picturedesk.com

Nun also auch das Met. Im Dezember gab das Metropolitan Museum of Art bekannt, dass es künftig keinen „Sackler Wing“ mehr geben werde. Der Name der bekannten amerikanischen Sponsorenfamilie werde nicht mehr aufscheinen. Schon seit zwei Jahren hatte das Museum von dieser keine zusätzlichen Gelder mehr angenommen. „Das Met wurde aufgebaut mit Hilfe der Unterstützung von Generationen von Spendern – und die Sacklers haben immer zu den großzügigsten Spendern gehört“, so der Geschäftsführer des Museums, Dan Weiss. Aber nun gehe das nicht mehr. Von Seiten der Familie hieß es zur Trennung resignativ in einer Presseaussendung: „Wir glauben, dass dies im besten Interesse des Museums und seiner Aufgabe ist.“

Vor dem Met hatten sich schon andere internationale Institutionen von den Sacklers distanziert, die Zusammenarbeit eingestellt, teilweise ebenfalls deren Namen von Sammlungen oder Ausstellungsräumen entfernt. Darunter waren etwa der Pariser Louvre oder die Tate Modern Galerie in London.

Die Pharmaunternehmer Sackler wer- den für die Opioid-Krise in den USA mitverantwortlich gemacht, weil sie am opiathaltigen Schmerzmittel OxyContin verdient, doch dessen Suchtpotenzial bewusst verharmlost haben sollen.

Wie kommt es, dass Museumsdirektoren, die sonst stets ihre Wohltäter umschmeicheln, einigen auf einmal die kalte Schulter zeigen? Der Grund liegt in der so genannten Opioid-Krise in den USA. Diese beschäftigt seit mehr als einem Jahrzehnt die Gesundheitsbehörden, die Gerichte und auch die Öffentlichkeit. Dabei geht es um das Vermarkten von Schmerzmitteln, die abhängig machen, die auch viele ihrer Nutzer direkt zum Umstieg auf harte Drogen brachten. Inmitten dieser Opioid-Krise befindet sich eben jene Familie des Kunstmäzenen Sackler mit ihrer Pharmafirma Purdue und dem Schmerzmittel OxyContin.

Schmerzmittel mit Suchtpotenzial. Arthur, Mortimer und Raymond Sackler waren die Söhne von osteuropäischen jüdischen Einwanderern und wuchsen in den 1930er-Jahren in Brooklyn auf. Wegen antijüdischer Quoten mussten sie zum Medizinstudium nach England ausweichen. Später arbeiteten sie erfolgreich als Psychiater, aber auch im Marketing für Pharmazeutika, unter anderem von Valium. Anfang der 1950er-Jahre kauften sie eine kleine Pharmafirma, Purdue, diese wurde dann später der Erzeuger und äußerst profitable Vermarkter von OxyContin, einem Mittel zur Schmerzbekämpfung, über dessen Suchtpotenzial es allerdings schon medizinisches Wissen gegeben hatte.

Dennoch drückten die Sacklers OxyContin mit einer Kampagne, die sich direkt an die verschreibenden Ärzte richtete, rücksichtslos in den Markt. Es galt eine Zeit lang als eines der umsatzstärksten Medikamente der Welt. Die Besitzer machten damit ein Vermögen, was ihnen das viele Millionen umfassende Sponsoring von Museen, Spitälern und akademischen Institutionen ermöglichte. Eine kleine Auswahl: das Guggenheim Museum in New York, die Harvard University, die University of Oxford, die Medizinische Fakultät der Tel Aviv University oder ein pulmologisches Institut am Londoner King’s College.

Doch der Höhenflug hielt nicht an. Mehrere investigative Journalisten, etwa der New York Times und des Magazins New Yorker, befassten sich genauer mit der Medikamentensucht – die Sacklers verweigerten stets die Kooperation. Dann begannen die Klagen betroffener Patienten, mittlerweile gibt es Tausende von Verfahren. Purdue Pharma ist inzwischen insolvent, aber die Klagen richten sich längst auch gegen die Besitzerfamilie. Und die einst strahlenden Profiteure der großzügigen Spender wenden sich sukzessive ab.

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