Der Textilriese aus Israel

Delta Galil wurde vor 50 Jahren von zwei israelischen Ingenieuren gegründet. Heute macht der Konzern mit internationalen Marken einen weltweiten Umsatz von zwei Milliarden Dollar.

369
Mit innovativen, vor allem junge diverse Generationen ansprechenden Kampagnen bleibt Delta Galil ein Vorreiter auf dem israelischen Markt. © Wikipedia/UZI PORAT; Delta Galil Industries Ltd

Delta ist in Israel so etwas wie ein „Household Name“. 94 Prozent der Frauen nennen bei Konsumerhebungen – ungestützt, wie das in der Soziologensprache heißt – die Marke, wenn man sie nach Wäsche fragt. Das heißt, praktisch jeder kennt sie. Und das ist etwa vergleichbar mit dem österreichischen Unternehmen Palmers in seiner besten Zeit.

Delta verkauft in Israel seine Pyjamas, T-Shirts und Unterhosen für Frauen, Männer und Kinder an mehr als 220 Standorten, in eigenen Geschäften, Supermärkten, Boutiquen. Dabei sind es mittlerweile schon mehrere Marken, unter denen die Produkte angeboten werden: Delta selbst sowie Fix für junge Frauen und Panta Rei mit der Spezialisierung auf Yoga-Sportbekleidung. Darüber hinaus vertreibt Delta in Israel die Produkte von Victoria’s Secret.

Doch das ist nur ein kleiner Ausschnitt des internationalen Portfolios von Delta Galil, wie der gesamte Firmenkomplex heißt. Es handelt sich inzwischen um einen globalen Wäscheriesen mit 24.000 Beschäftigten, hunderten Direktlieferanten auf mehreren Kontinenten und einem Umsatz von mehr als zwei Mrd. US-Dollar im Jahr 2025. Man erzielte sowohl Wachstum als auch Betriebsgewinne und notiert zweimal an der Börse in Tel Aviv, einmal als produzierender Konzern, einmal als Handelsgruppe.

Gegründet wurde das Unternehmen vor 50 Jahren vom Ingenieur Eliezer Peleg und Dov Lautman, einem Absolventen des renommierten MIT. Die Produktion war auf zwei Fabriken aufgeteilt: Die Stoffe kamen aus Karmi’el, genäht wurde Herrenunterwäsche sowohl dort als auch in Nazareth. Darüber hinaus gab es noch die Zentrale in Tel Aviv. Bald konnte man auch exportieren, in die Niederlande, an die Hema- Kaufhäuser, sowie nach Großbritannien zu Marks & Spencer. 1980 eröffnete das erste eigene Geschäft in Israel, 1981 begann die Sockenproduktion, und nun setzte ein kontinuierlicher Aufstieg ein.

Dieser sollte sich in den nächsten Jahrzehnten jeweils auf mehreren Schienen entwickeln. Es gab einerseits Firmenübernahmen oder Fusionen mit kleineren Konkurrenten, anderseits kräftiges organisches Wachstum. Für die Finanzierung holte man sich schon 1982 erstmals Geld von der Börse in Tel Aviv.

Lizenzprodukte für Tommy Hilfiger und Nike. Die Expansion nach Übersee war nur logisch. Erst ging es in die USA, und dort beteiligte sich schnell einer der großen Spieler des US-Marktes am Newcomer, der Strumpferzeuger Sara Lee Corporation. Dieser erhöhte schrittweise seinen Anteil auf bis zu 40 Prozent. Später kauften israelische Investoren unter der Führung von Isaac Dabah diese Anteile wieder zurück. Er wurde dann auch CEO des Unternehmens und verhandelte erfolgreich Lizenzproduktionen für Tommy Hilfiger und für Nike.

Es gibt im Konzern drei Innovationszentren,
eines in Israel in Caesarea für
Stoffe, eines in Oregon für Socken und
eines in China für BHs.

Auch auf der Herstellerseite wurde Delta Galil international. So überschritt man bald nach den Friedensverträgen die Grenzen zu den arabischen Nachbarländern Ägypten und Jordanien und baute dort erste Produktionen auf.

Der nächste logische Schritt war Europa. Und hier gelang es gleich, mit einem überregional bekannten Namen in den Markt einzutreten. Die Schiesser GmbH, ein süddeutscher Wäscheproduzent, gegründet 1875 und in Schweizer Eigentum, war 2009 in die Insolvenz gerutscht. Erst versuchte man noch einen Börsengang, aber die schlechte Konjunktur ließ diese Pläne bald platzen, und man stimmte einem Verkauf zu. Für Delta Galil ergab sich damit die Chance, sowohl eine breit eingeführte europäische Marke als auch deren Produktionsnetzwerk in mehreren osteuropäischen Ländern und in Griechenland zu übernehmen. Schiesser wurde saniert und in die Delta-Welt eingegliedert.

Das weltweite Headquarter
des Modekonzerns
in Caesarea. © Wikipedia/UZI PORAT; Delta Galil Industries Ltd

Adidas, Wolford und erste Schritte nach Indien. Doch damit war die Einkaufstour noch lange nicht beendet. Zu den Schritt für Schritt übernommenen Firmen gehört etwa die französische Damenwäschemarke Passionata, der Herrenwäscheproduzent Eminence oder der hochpreisige Jeans-Hersteller 7 for all Mankind. Für eine ganze Reihe namhafter Handelsmarken fertigt man Wäsche oder Bademode unter deren Namen, etwa Adidas, Polo Ralph Lauren oder Wolford. 2024 schloss Delta Galil ein erstes Joint Venture mit einer indischen Gruppe ab, Reliance Industries.

Doch die Einkaufstour war die eine Sache. Ganz in der Ingenieursdenkweise der Gründer setzte das Unternehmen stets auf technologischen Fortschritt und eigene Innovationen. Die Forschungsund Entwicklungsquote liegt mit 2,5 bis drei Prozent für eine Firma aus der Bekleidungsbranche recht hoch. Man entwickelte etwa schon 1987 eine innovative Baumwoll-Lycra-Mischung.

Mit italienischen Textilmaschinenherstellern arbeitete Delta kontinuierlich zusammen, etwa an Nahtlosrundstrickmaschinen und deren Anwendung über Strümpfe hinaus. Selbst legte man stets großes Augenmerk auf neue Materialien, Kombinationen aus Natur- und Kunstfasern. Es gibt im Konzern drei Innovationszentren; eines in Israel in Caesarea für Stoffe, eines im amerikanischen Oregon für Socken und eines in China für BHs. Das Unternehmen hält eine Reihe von einschlägigen Patenten, wobei Ökologie und Nachhaltigkeit bei diesen Entwicklungen im Fokus stehen.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here