DIE BRÜCKE IN DIE VERGANGENHEIT IST BALD NICHT MEHR

Derzeit ist in den Kinos der Film „Marko Feingold – Ein jüdisches Leben“ zu sehen. Für diesen erzählte der damals bereits 105-Jährige ein letztes Mal sein Er- und Überleben des NS-Terrors. Inzwischen ist Feingold wie die meisten der Überlebenden verstorben – Zeitgeschichte geht in Geschichte über. Was bedeutet das für die Vermittlungsarbeit, was für die Erinnerungskultur? WINA bat Expertinnen und Experten um ihre Einschätzungen.

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„Wenn ich durch das Fenster meiner Erinnerungen schaue, sehe ich nichts als Grabsteine.“
Solomon J. Salat, USA

 

„Es war ihr Ziel,uns umzubringen, warum sollten wir ihnen dabei helfen.“
Marcello Martini, Italien

 

„Ich war überzeugt, dass ich überleben musste.“
Leon Ceglarz, Polen

 

„Am Ende halfen wir uns gegenseitig …, eine Gruppe, um gute Neuigkeiten auszutauschen, um sich aufzurichten.“
Paul Brusson, Belgien

 

„Die Musik half unszu überleben.“
Bohumil Bardo, Tschechien

 

„Es war unglaublich schwer, Arm in Arm zu gehen, aber wir dachten, das sei eine stilvolle Sache.“
Gábor Bán, Ungarn

 

„Ich war ein hochschwangeres Skelett.“
Anna Bergman (geb. Kaudrová), Großbritannien

 

„Das Lager ist eine monströse und zum Äußersten getriebene Parodie unserer modernen Gesellschaft.“
Jean Laurent Grey, Frankreich

 

„Mein ganzes Leben schaut so aus, ich bin ein Kriegsveteran, ein Teilnehmer des Zweiten Weltkriegs, ein Gefangener im Konzentrationslager Mauthausen …“
Martin Michalec, Slowakei

 

„Ich will an die Leichenbergeerinnern, an die toten Menschen. Es waren Unzählige.“
Eva Lukash (geb. Kral), Israel

 

„Manchmal haben sie dich viel geschlagen, manchmal wenig. Aber geschlagen haben sie dich jeden Tag.“
Michael Horvath, Österreich

 

„Lange Zeit habe ich nicht wahrgenommen, dass ich auch ein Bestandteil dieser Todesfabrik geworden war.“
Hans Maršálek, Österreich

 

Quelle: KZ-Gedenkstätte Mauthausen

Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen wurde unter Mitwirkung ehemaliger österreichischer politischer Häftlinge in diesem Lager gegründet, die sich zum Teil in hohen politischen Ämter befanden, wie zum Beispiel Leopold Figl. Ein anderer ehemaliger Häftling, Hans Marsalek, war im Innenministerium für die KZ-Gedenkstätte tätig und legte eine große Sammlung historischer Dokumente zum KZ Mauthausen an, was 1970 in die Eröffnung der Dauerausstellung an diesem Gedenkort mündete. Für eine breitere Öffentlichkeit durch die entsprechende mediale Berichterstattung sichtbar wurden die Überlebenden des KZ Mauthausen Jahr für Jahr bei der Befreiungsfeier.

„Die Bedeutung der Zeitzeugen und Zeitzeuginnen für die Erinnerungskultur wird für mich am deutlichsten bei den Befreiungsfeiern in den ehemaligen Konzentrationslagern“, sagt die Zeithistorikerin Heidemarie Uhl von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. „Die immer kleiner werdende Gruppe alter Männer und Frauen – welche Bilder, welches Wissen um die Grausamkeiten, die hier geschehen sind, tragen sie in sich? Die Überlebenden sind die Brücke in die Vergangenheit, mit ihren Augen versuchen wir das Lager zu sehen und das Unbegreifliche zu begreifen. Ihre Präsenz ermöglicht eine emotionale Verbindung, die in Zukunft nicht mehr möglich sein wird.“

Zu Gesprächen mit Schulklassen ist heute noch einige Male im Jahr Anna Hacklaus der Familie Langthaler an der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, um die Rettungsgeschichte während der „Mühlviertler Hasenjagd“ zu erzählen, berichtet Christian Angerer, der an der Gedenkstätte für den Bereich Pädagogik verantwortlich ist. „ Ansonsten gibt es keine Zeitzeugen mehr, die in der Lage sind, zur Vermittlungsarbeit an die KZ-Gedenkstätte zu kommen.“ Die von Zeitzeugen geschaffenen Text- und Bilddokumente würden in den pädagogischen Angeboten der KZ-Gedenkstätte allerdings eine wichtige Rolle spielen. Hier kommen Zeugnisse von Überlebenden etwa in Form von Erinnerungsberichten und Zeichnungen zum Einsatz. Die 2013 neu gestaltete Überblicksausstellung zur Geschichte des KZ Mauthausen enthält in einem Strang der Schau biografische Zeugnisse ehemaliger Häftlinge in Form von Texten, Fotos, Tonspuren und Videos.

Insgesamt hat man darauf geachtet, so viele Zeitzeugenerinnerungen wie möglich zu dokumentieren. Von 2002 bis 2003 wurden im Zuge des Mauthausen Survivor Documentation Projects an die 860 Interviews mit Mauthausen-Überlebenden aus vielen Ländern durchgeführt, großteils wurden Audiofiles angefertigt, ein Zehntel der Gespräche wurde auf Video aufgenommen. 2010 bis 2011 führte die Gedenkstätte zudem Interviews mit etwa 15 Menschen, die um Umfeld des KZ Mauthausen gelebt hatten.

Viel an Dokumentationsarbeit hat in den vergangenen Jahrzehnten auch _erinnern.at_ – die Plattform für Holocaust Education des Bildungsministeriums – geleistet. Seit 1976 werden in Österreich über die für politische Bildung zuständige Abteilung des Bildungsministeriums Überlebende des Holocaust aus unterschiedlichsten Opfergruppen als Zeitzeuginnen und -zeugen an Schulen eingeladen, erzählt Julia Demmer, Leiterin des Zeitzeugenprojekts bei _erinnern.at_. Treibende Kraft dahinter war der Widerstandskämpfer und KZ-Überlebende Hermann Langbein. 1978 gab es das erste, von da an jährlich organisierte „Zeitzeugenseminar“, bei dem Wissenschafterinnen, Lehrpersonen und Zeitzeugen zusammentreffen, einander kennenlernen und gemeinsam Inhalte für den Geschichtsunterricht diskutieren und erarbeiten. Heute sind die raren noch stattfindenden Zeitzeugengespräche als dialogische Gespräche organisiert – vortragsartige Frontalveranstaltungen traten in den vergangenen zehn Jahren nach und nach in den Hintergrund.

Wobei auch hier das langsame Verschwinden der Zeitzeugen und -zeuginnen stark spürbar ist: „Im Jahr 2003 nahmen noch 44 Zeitzeugen am Seminar teil, 2008 waren 32, 2020 waren zwölf Zeitzeugen angemeldet. Über die Jahre verkleinerte sich die Gruppe insbesondere durch das Ableben vieler ihrer Mitglieder“, erläutert Demmer. Die CoronaPandemie verunmöglichte Besuche von Zeitzeugen an Schulen. So habe man schließlich Onlinebegegnungen organisiert – insgesamt zwölf solcher Onlinezeitzeugengespräche fanden bisher statt, dabei traten zwei Zeitzeugen in den Dialog mit Jugendlichen. Als positiv habe sich hier herausgestellt, dass die oft teils schon sehr beschwerliche Anreise entfällt. Vielleicht kann so das Zeitfenster, in dem Zeitzeugen erzählen, noch ein bisschen länger geöffnet bleiben.

 

„[…] dass die Shoah und andere NS-Verbrechen in einer Form gezeigt werden, die die Opfer nicht weiter erniedrigt.“
Monika Sommer

Demmer erinnert aber auch daran, dass das Wirken der Zeitzeuginnen und -zeugen nicht immer erwünscht war. „Die Erzählungen und Erinnerungen von Überlebenden der Shoah trugen zwar schon seit 1945 zur geschichtswissenschaftlichen Erforschung der Zeitgeschichte bei“, so Demmer. Bis zu den Gerichtsprozessen der 1960er- und 1970er-Jahre seien die Stimmen vieler Opfer insgesamt aber stark in den Hintergrund gedrängt worden.

Anerkennung des Leids. Erst in den 1980er-Jahren hätten sich breitere Teile der österreichischen Gesellschaft für sie zu interessieren begonnen, nicht zuletzt angestoßen durch die TV-Serie Holocaust sowie die Waldheim-Debatte. Demmer betont aber auch: Bis heute ließen sich vermutlich Ungleichheiten mit dem Umgang mit den verschiedenen Opfergruppen nachzeichnen. „Manche Betroffene, zum Beispiel Opfer von Euthanasieverbrechen, erhielten unglaublich spät Anerkennung, auch auf offizieller Ebene (Stichwort Entschädigung). Am Beginn standen politisch Verfolgte, alle anderen Opfergruppen erhielten wesentlich später auf gesellschaftlicher und offizieller Ebene Anerkennung, auch jüdische Überlebende. Dies bewirkte mitunter sogar Gefühle der Konkurrenz und Anerkennung zwischen Zeitzeugen und -zeuginnen.“ Demmer sieht bis heute als das Wichtigste im Umgang mit Überlebenden „die Anerkennung des Leids, insbesondere im Akt des empathischen Zuhörens“.

HIER WERDEN ZEITZEUGENBERICHTE KONSERVIERT
– EINE AUSWAHL

KZ-Gedenkstätte Mauthausen
mauthausen-memorial.org/de/Wissen/ZeitzeugInnen

Erinnern.at
weitererzaehlen.at/

Yad Vashem
yadvashem.org/de/holocaust/video-testimonies.html

Haus der Geschichte Österreich
hdgoe.at/geschichte_erzaehlt

Centropa
centropa.org/de/ueber-uns/unsere-interviews

Fortunoff Video Archive for Holocaust Testimonies
fortunoff.library.yale.edu/

Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus
nationalfonds.org/lebensgeschichten

Shoah Foundation – The Institute for Visual History and Education
sfi.usc.edu/

Ludwig-Maximilians-Universität München
lediz.uni-muenchen.de/projekt-lediz/index.html

Was sich ändere, wenn Zeitzeugen nicht mehr persönlich befragt werden könnten, treibe die pädagogische Fachdiskussion schon seit vielen Jahren um, berichtet Demmer. _erinnern.at_ habe hier Videos erstellt und auf deren Basis viele Unterrichtsmaterialien entwickelt. „Das persönliche Gespräch kann aber nicht ersetzt werden, es hat eine andere Qualität und Dynamik und andere Beweggründe und Ziele neben den pädagogischen.“

Angerer meint dazu: „Niemanden mehr direkt befragen zu können, bedeutet, dass die Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust vom kommunikativen ins kulturelle Gedächtnis übergeht. Die Verschiedenheit der Speicherung historischer Erinnerung (Historiografie, Denkmäler, Literatur, biografische Zeugnisse) rückt damit mehr in den Blickpunkt, die moralische Autorität der Aussagen von Zeitzeugen und -zeuginnen ist dadurch stärkerer Konkurrenz von unterschiedlichen Formen der Geschichtserzählung ausgesetzt – ein Prozess, der schon lange begonnen hat.“ Darin liege aber auch die Chance, den konservierten Erzählungen der Zeitzeugen ihre unverzichtbare Funktion im Konzert der Erinnerungsformen zuzuweisen: die Dimension der persönlichen Erfahrung von Geschichte zu vermitteln.

Einen besonders sensiblen Umgang mit solchen Erinnerungen, aber auch Objekten hat das Haus der Geschichte Österreich gewählt. „Eine Haltung des Hauses der Geschichte ist es, dass die Shoah und andere NS-Verbrechen in einer Form gezeigt werden, die die Opfer nicht weiter erniedrigt“, betont die Direktorin des Museums, Monika Sommer. „So geben beispielsweise Fotos aus der Täter- und Täterinnenperspektive deren Gewalt unerwünschten Raum, und die Konzentration auf Täterdokumente bringt die Opfer bis heute zum Schweigen. Diese Perspektive wollen wir nicht prolongieren.“

Verbrechen dokumentieren. Das Haus der Geschichte präsentiere daher in seiner Hauptausstellung Objekte, durch welche die Opfer selbst sprechen, durch welche die Absicht sichtbar werde, die Verbrechen zu dokumentieren und sich dagegen zu wehren. „Dieser Zugang zeigt sich etwa im Judenstern von Lotte Freiberger, den sie geheim und gegen alle Verbote so montiert hat, dass er abgenommen und versteckt werden konnte.“ Aber auch die Stimme einer Ravensbrück-Überlebenden, die im gesamten Ausstellungsbereich über die Geschichte des Nationalsozialismus zu hören sei, sei auf Basis dieser Annäherung gewählt worden. „Die Zeitzeugin erzählt von der Deportation, von der gemeinsamen Leiderfahrung unterschiedlicher Opfergruppen, aber auch von der Weigerung, die sie erfahren hat, geraubtes Eigentum nach 1945 zurückzugeben“, erläutert Sommer. Sie spreche dabei in ihrer Erstsprache, Burgenland-Roman. Das Interview zeige damit etwas sehr Widerständiges. Diese nur in Österreich existierende Sprache hätte ausgerottet werden sollen, „aber sie ist noch da, und die Überlebenden sind nicht gebrochen.“

Wichtig sei es, mit den letzten noch lebenden Zeitzeugen und -zeuginnen der NS-Herrschaft Interviews zu führen und diese in einen wissenschaftlichen Rahmen zu setzen, betont Sommer. Wie auch die durch die Coronapandemie bedingten Lockdowns gezeigt hätten, könne allerdings nichts den persönlichen Kontakt und die individuelle Begegnung ersetzen. „Das heißt aber nicht, dass es nicht möglich ist, zentrale Botschaften der Shoah-Überlebenden und auch der NS-Opfer nicht auch für nächste Generationen zu erhalten.“ Dafür brauche es aber eine Übersetzungsleistung – etwa in Form eines Vermittlungsprogrammes, wie es auch vom Haus der Geschichte Österreich angeboten werde.

Die Berichte der Zeitzeuginnen und  -zeugen bedürfen der Dokumentation, um als historische Quellen das Wissen um die Shoah zu erweitern und zu vertiefen und für die Zukunft zu erhalten, betont auch Heidemarie Uhl. „Was die konkrete Begegnung mit Überlebenden von Audiovisuals unterscheidet, ist die KoPräsenz mit einem Menschen, der seine Erfahrungen mit uns teilt, uns durch seine Person, seine Art des Erzählens unmittelbar berührt. Das ist ein Momentum, das nicht wiederholt werden kann.“

Uhl beobachtet zudem einen neuen Trend: Zuletzt habe das Interesse für die historischen Orte der NS-Verbrechen erkennbar zugenommen. Das machte auch sichtbar, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht allein in weit entfernten Orten, hinter Lagermauern und Stacheldraht zu verorten sind, sondern mitten in der eigenen Gesellschaft. Sie nennt dabei die Sammellager in Wien, in denen mehr als 46.500 österreichische Juden und Jüdinnen 1941 und 1942 vor ihrer Deportation vom Aspangbahnhof aus interniert worden waren, als Beispiel. Derzeit erarbeite das Bundesdenkmalamt eine Karte mit NS-Opferorten, auf der mehr als 2.000 Orte eingezeichnet seien. „Die historischen Orte werden nun verstärkt zu Orten der Weitergabe der Berichte, die wir den Zeitzeugen und -zeuginnen verdanken.“

 

„Die Überlebenden sind die Brücke in die Vergangenheit, mit ihren Augen versuchen wir das Lager zu sehen und das Unbegreifliche zu begreifen.“
Heidemarie Uhl

 

Stephen Naron vom Fortunoff Video Archive for Holocaust Testimonies gibt allerdings zum Beklagen des Verschwindens der Zeitzeugen auch zu bedenken: „Das Heraufbeschwören des Endes der Zeitzeugenschaft geht Hand in Hand mit der Aufrufung der Überlebenden als moralische Instanz.“ In Zeiten, in denen gesellschaftliche Übereinkünfte ins Wanken geraten würden oder wir Krisen durchleben, würden Zeitzeugen umso mehr zu einer moralischen Autorität erklärt. „Vielleicht missverstehen wir die Qualität von Testimonies, wenn wir sie auf diese Message-Funktion reduzieren. Zeitzeugen und -zeuginnen sind zuallererst Menschen, wir können sie nicht unter allen Umständen für immer am Leben erhalten.“ Aufgenommene Zeugnisse in Form von Video- und Audiointerviews hätten einen Anfang und ein Ende. Im Gegensatz zu Versuchen interaktiver Konservierung von Zeitzeugenberichten – etwa in Form von Hologrammen durch die USC Shoah Foundation, aber auch durch das Münchner Projekt LediZ, für die Zeitzeugen viele Fragen beantworteten, die dann interaktiv abgerufen werden können – würden Videointerviews nicht eine „Illusion der Unsterblichkeit“ vermitteln.

Besonders sichtbar wurde der Umbruch von den mündlichen Zeugnissen hin zu aufgezeichnetem Material für Marianne Windsperger, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI), im Stück Die letzten Zeugen, einem Projekt des Historikers und Schriftstellers Doron Rabinovici und des damaligen Burgtheaterdirektors Matthias Hartmann. Inszeniert worden sei dieser Übergang in dem Stück dadurch, dass Zeitzeuginnen und -zeugen noch auf der Bühne anwesend waren (die Premiere war im Oktober 2013), aber auch das Aufschreiben und Wiederlesen habe eine Rolle gespielt, so Windsperger.

Bald werden in der Holocaust Education nur mehr gespeicherte Erinnerungen zum Einsatz kommen können. Die neuen Medien würden hier Chancen in der Vermittlung bringen, meint Naron, er warnt aber auch vor fragwürdigen Formen der Vermittlung und kritisiert eben die Form der Hologramme. Das Fortunoff Archive, das mit dem VWI an gemeinsamen Projekten arbeitet, setze hier vor allem auf eine Podcast-Serie. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass das Podcast-Hören eine sehr intime Form der Begegnung mit den Testimonies ermöglicht.“

Inhaltlich sieht Naron zwei Entwicklungen: die Tendenz, die Geschichte des Holocaust zu universalisieren, und die Tendenz, den Holocaust als Ereignis in der jüdischen Geschichte zu verstehen.

„Wichtig erscheint mir, dass heute der Holocaust auf lokaler, nationaler und mikrogeschichtlicher Ebene verstanden und erzählt werden soll, auch dazu bieten Testimonials eine gute Gelegenheit“, so Naron. Wenn man nach Europa blicke, müsse man sagen, Deutschland habe sich mit seiner Geschichte auseinandergesetzt, in Polen und Ungarn sehe das anders aus.

„Holocaustgeschichte und ihre Vermittlung leben zu einem großen Teil von und sterben mit der Bereitschaft und Offenheit, mit schweren Teilen der eigenen Geschichte umzugehen – dafür braucht man eine starke Zivilgesellschaft. Holocaustpädagogik kann diese real world problems nicht überwinden.“

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