Die ewig menschliche Hoffnung musikalisch umgesetzt

Shira Karmon und Paul Gulda präsentieren mit The Spirit of Hope eine berückende und anspruchsvolle CD. Vorgestellt wird sie zur Erinnerung an das Novemberpogrom am 9. November im Wiener Alten Rathaus.

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Die beiden herausragenden Musik-Interpreten machen, was sie besonders gut können und was ihnen thematisch am Herzen liegt: So entsteht eine künstlerisch perfekte Symbiose zwischen der israelischen Sängerin Shira Karmon und dem österreichischen Pianisten Paul Gulda.

Hören und genießen kann man das jetzt auch privat: Die CD mit dem vielversprechenden Titel The Spirit of Hope spannt einen musikalischen Bogen von Mozarts Kantate KV 619 aus dem Jahr 1791 bis zu den 2018 entstandenen Kompositionen von Paul Gulda und Marwan Abado mit dem Titel Pieces of Hope – Hopes of Peace: Hoffnung auf Frieden – Frieden, der wiederum Hoffnungen ermöglicht.

»Jedes Stück unserer Auswahl ist ein Teil- stück,
ein Splitter dieser großen und aufgeladenen Begriffe:
von Freiheit, Frieden, hohen Idealen ist die Rede […].«

Paul Gulda

„Von den Psalmen Davids und den Gesängen der Naturvölker über sakrale Musik aller Richtungen und bis in gewisse Werke der radikalen Moderne: Diese Sehnsucht und ihre künstlerische Umsetzung sind so alt und so verbreitet wie die menschliche Kultur“, erklärt Gulda die inhaltliche Klammer der innerhalb von fünf Tagen in Wien aufgenommenen Gramola-CD. Von Salomon Sulzers Trost (1846) über drei von Eyal Bat (Jahrgang 1966) vertonte Gedichte von Else Lasker-Schüler bis zu Leonard Bernsteins Vietnam-Song So Pretty (1968) findet man auf dieser Einspielung reichlich Stoff zum Nachdenken und Mitfühlen. „Denn“, so Gulda, „auch wenn diese Texte und Melodien von bestimmten Menschen erdacht, in Zeit und Ort definiert sind, bleiben sie universell gültig. Jedes Stück unserer Auswahl ist ein Teilstück, ein Splitter dieser großen und aufgeladenen Begriffe: von Freiheit, Frieden, hohen Idealen ist die Rede – wie auch von persönlichem Schicksal.“

„Alles ist möglich – bei dieser Stimme! Es schwelt ein Feuer, eine Urgewalt, die einen alles um sich herum vergessen lässt“, lautet nur eine der vielen Pressestimmen zu den bisherigen zahlreichen Auftritten der Sopranistin Shira Karmon. Die Mutter zweier Mädchen, die in Tel Aviv ausgebildet wurde, gastierte u. a. am Staatstheater Saarbrücken, an der Komischen Oper und der Neuköllner Oper in Berlin, an der Kammeroper Hamburg. Auf europäischen Opernbühnen konnte man sie im schottischen Aberdeen und an der französischen Opéra de Strasbourg hören. Zu ihren Rollen zählen u. a. die Mimi“ in La Bohème, die „Gräfin“ in Figaros Hochzeit, die „Donna Elvira“ in Don Giovanni. Als erfolgreiche Konzertsängerin, insbesondere des Liedguts des späten 20. Jahrhunderts, trat sie im Concertgebouw Amsterdam, im Berliner Konzerthaus, im Lincoln Center New York, bei der Styriarte Graz auf. Karmon gestaltete mit Paul Gulda bereits Konzerte in New York, Washington und auf der Studiobühne der Wiener Staatsoper; gemeinsam absolvierten sie 2018 eine vielbeachtete Israel-Tournee mit Unterstützung des Austria Culture Centers. Im gleichen Jahr war Shira Karmon in Istanbul, im Brucknerhaus Linz und im Wiener MuTh zu erleben. Auf Einladung des Grazer IKG-Präsidenten Eli Rosen eröffnete sie zuletzt die Gala zu Rosch ha-Schana in der Grazer Synagoge.

Der virtuose Pianist Paul Gulda, 1961 in Wien als zweiter Sohn des Pianisten Friedrich Gulda und der Schauspielerin Paola Loew geboren, zeichnet sich durch Spiritualität und Kreativität aus; dennoch setzt er sich laufend für realistische zivilgesellschaftlich Belange ein, u. a. für die Initiative REFUGIUS in Rechnitz. „Meine ersten Lehrer waren zwei Jazzer: Fritz Pauer und Roland Batik; mein Vater Friedrich Gulda hat mir unbedingte Hingabe an die Musik vermittelt. Die Summe daraus zu ziehen, sogar darüber hinaus zu gehen, dies an andere weiterzugeben, ist meine Aufgabe.“ Daher wundert es nicht, dass Shira Karmon und Paul Gulda die Präsentation von The Spirit of Hope für den 9. November 2021, den Jahrestag der Novemberpogrome 1938, angesetzt haben (Altes Rathaus, 1., Wipplingerstraße 8, 19 Uhr).

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