Editorial

„Wir können die Welt nicht retten, indem wir uns an die Spielregeln halten. Die Regeln müssen sich ändern, alles muss sich ändern, und zwar heute.“ Greta Thunberg, 2018

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© tovler/photocase.de

Der Herbst ist – nach Henri de Toulouse-Lautrec – der Frühling des Winters. Der Herbst hat sich also eilenden Schrittes und mit den großen jüdischen Feiertagen in unser Leben eingeschlichen. Und auch dieser Herbst ist anders als alle bisherigen. Wie alles anders ist im Moment. Ein „anders“, das unser Leben seit beinahe einem Jahr beherrscht: Vieles, das bis dahin – persönlich, politisch oder gesellschaftlich – von Bedeutung war, verschwand monatelang im Pandemie-Nebel, tauchte im Sommer kurz und eher verhalten wieder auf, um nun erneut von Sorgen, Vorsicht und Herbstlaub zugedeckt zu werden.
Dass die Erde immer gefährdeter ist und die Gefahren nicht nur entfernte Regionen, sondern uns alle bedrohen, wird uns allen immer deutlicher. Covid-19 ist dabei wohl nur ein Mosaikstein, der die Weltbevölkerung derzeit enorm erschüttert. Die weltweiten klimatischen Veränderungen, die lange schon keine „Wetterkapriolen“ mehr sind, sondern in Form von Waldbränden, Dürre und Gletscherschmelze die gesamte Gesellschaft und jedes Individuum beeinflussen, sind weitere.
Der Kampf gegen die drohende Katastrophe beeinflusste bislang manche politische Entscheidungen, entschied so manche Wahlen und beherrschte Öffentlichkeit und Medien. Doch wie von Geisterhand verschwand mit der Pandemie das Thema „Klimakrise“ allzu rasch aus den Medien, aus der Öffentlichkeit. Die beiden Themen sind sich dabei nicht unähnlich: der Kampf gegen den unsichtbaren Feind. Wachsende Sorge über die wirtschaftlichen Folgen und das Potenzial, politische Konflikte zu verstärken … das macht beide, ob medial präsent oder nicht, mächtiger als viele andere Agenden. Das alles geht einem durch den Kopf, während man, hinter einer Maske verborgen, im aprilähnlichen Oktoberwetter die Berichte über kommende Wahlen, über (Un)Rechtsstaatlichkeit mancher EU-Staaten oder über das Inferno im Flüchtlingslager Moria und deren Folgen liest. Und wie der Herbstwind durch die Äste, weht ein Zitat aus dem Midrasch durch den Kopf: ,,Seht euch vor, dass ihr meine Welt nicht verderbt und zerstört. Denn wenn ihr es tut, wird es niemanden geben, der sie nach euch wieder instand setzt.“ Wohl ein Auftrag von höchster Stelle, den wir auch in diesem Herbst im Hinterkopf behalten sollten – denn noch haben wir die Wahl!
In diesem Sinne wünsche ich uns allen Chag sameach, sonniges Wahlwetter und viel Vergnügen beim Lesen!

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