Erfinder und Forscher

Ein Lesebuch über israelische Innovationen ist jetzt auch auf Deutsch erhältlich. Es bringt interessante Beispiele, hat aber auch Schwächen.

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Avi Jorisch: Du sollst erfinden. Wie israelischer Einfallsreichtum hilft, die Welt besser zu machen. edition mena-watch 2021, 294 S., € 19,90

Vor mehr als zehn Jahren erschien das Wirtschaftsbuch Start-up Nation Israel von Dan Senor und Saul Singer und erregte internationale Aufmerksamkeit (siehe WINA, September 2012). Jetzt hat die Wiener edition mena-watch Du sollst erfinden von Avi Jorisch für den deutschen Sprachraum herausgegeben. Jorisch, eigentlich ein israelischer Sicherheitsexperte, bezieht sich auch explizit auf den Klassiker über israelische Innovationskraft und deren Hintergrund. Der Autor präsentiert eine Reihe eingängiger Beispiele für israelische Erfinder und ihre Lösungen, die auf unterschiedlichste Weise „die Welt besser machen“. Das reicht von Simcha Blass, der mit der Technologie der Tröpfchenbewässerung die Grundlage für die Weltmarke Netafim gelegt hat, über den Gründer des Cyber-Security-Spezialisten Check Point Gil Shwed, dessen Firewall global Unternehmen wie staatliche Einrichtungen vor ungewünschten Angriffen schützt, bis zu den israelischen Arabern Imad und Reem Younis, die als gelernte Ingenieure mit der tiefen Hirnstimulation ihres Unternehmens Alpha Omega unterschiedliche neurologische Krankheiten behandeln.
Ein Schwerpunkt der Innovationen betrifft die Medizintechnik, daneben finden sich erfolgreiche Ideen für die Landwirtschaft, die Raketenabwehr von Iron Dome oder ein ausgeklügeltes System dezentraler Notfallhelfer im israelischen zivilen Alltag. Die kurzen Porträts der Erfinder und Firmengründer zeigen auch immer wieder deren Anfangsschwierigkeiten, die knappen Geldmittel, die harten Jahre, bis die Innovationen vom Markt angenommen wurden. Ähnlich wie bei Start-up Nation formt sich ein Bild eines für seine Größe überdurchschnittlich kreativen und innovativen Landes.
Aber Du sollst erfinden hat auch Schwächen. So fügt Jorisch den Einzelporträts eine Liste der „fünfzig wichtigsten Innovationen, mit denen Israel die Lebensbedingungen unzähliger Menschen verbessert hat“ hinzu.

 

Der Autor präsentiert eine Reihe eingängiger Beispiele
für israelische Erfinder und ihre Lösungen,
die auf unterschiedlichste Weise „die Welt besser machen“.

 

Darunter findet sich dann neben überzeugenden Beispielen, wie dem Roboter für komplexe Wirbelsäulen-OPs, weniger Gewichtiges wie die Entwicklung der Cocktailtomate aus ihren normalgroßen Verwandten, die Kampfsportart und Verteidigungstechnik Krav Maga oder eine bessere Wasserfilterung bei Fischzuchtanlagen. Hier wäre weniger mehr gewesen.Und auch bei den größeren Einzelreports gäbe es Luft nach oben. Jorisch erzählt etwa die Geschichte des Bewässerungsspezialisten Netafim so, als hätte dessen Entwicklungsabteilung vor 20 Jahren zu arbeiten aufgehört. Netafims große Leistung der jüngeren Vergangenheit war es aber, traditionelle Technologie mit modernen Methoden deutlich zu verbessern, etwa mit Sensorik und Automatisierung. Eine besondere Blöße gibt sich der Autor im Bereich Sonnenenergie. Jorisch erzählt die zähe Erfolgsgeschichte der Warmwasserkollektoren auf den Dächern der israelischen Häuser, erwähnt aber mit keinem Nebensatz, dass das Land – vor allem wegen der Verzögerung durch den Strommonopolisten Israel Electric Corporation – bei der Fotovoltaik heute im internationalen Vergleich doch deut-lich zurückliegt.

Dennoch bleibt das Buch eine interessante Beispielsammlung, eine Dokumentation herausragender israelischer Leistungen, vor allem im medizinischen und medizintechnischen Bereich. Es mag daher dazu dienen, erste Grundlageninformationen zu erhalten, die sich Leserinnen und Leser dann mit eigenen Internetrecherchen anreichern können.

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