Es lebe die Revolution

Es gibt immer ein erstes Mal – aber auch ein letztes. In dieser Ausgabe erzählt die Wiener Singer-Songwriterin Isabel Frey über Hoffnung in den Händen und „Vilgotsch“ an den Wänden.

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Das letzte Mal …

Das letzte Mal, dass mir Musik geholfen hat, war …
… als ich angefangen habe, jiddische Revolutionslieder zu singen und sich plötzlich meine bürgerliche Familie meine „radikalen“ politischen Gedanken gerne anhörte.

Das letzte Mail eine Revolution gestartet habe ich …
… als ich auf der Donnerstagsdemo mein Lied Daloy Politsey/Nieder mit HC gegen die schwarz-blaue Regierung vorgetragen habe und zwei Wochen später die Koalition wegen des Ibiza-Skandals tatsächlich auseinandergebrochen ist. Auf der Kundgebung am Ballhausplatz habe ich das Lied dann noch ein letztes Mal mit dem Zusatz „Heute ist Straches letzter Tag“ gesungen.

Das letzte Mal, dass ich mir „a shener velt“ gewünscht habe, war …
… als ich das neue Regierungsprogramm gesehen habe, in dem rassistische Politik mit halbherzigen ökologischen Reformen verknüpft ist. Ich sehne mich nach Klimagerechtigkeit, nicht nach Ökofaschismus.

Das letzte Mal, dass ich dachte: „So schlecht ist die Welt eigentlich gar nicht“, war …
… als ich an den „Fridays for Future“ teilgenommen habe und mir der Mut, die Kreativität und der Kampfgeist der neuen Generation Hoffnung für eine bessere Welt gemacht hat.

Das letzte Mal ein neues jiddisches Wort gelernt habe ich …
… in einem sozialkritischen Wiegenlied, das ich mit meinem neuen A-capella-Duo Wratschko & Frey arrangiert habe. Da singt eine Mutter ihrem Kind vor, dass die Reichen in schönen Palästen leben, während der arme Mann an Rheuma leidet, weil ihm „Vilgotsch“ (= Feuchtigkeit) von den Wänden rinnt.

 

Die Wienerin Isabel Frey (25) singt jiddische Revolutions- und Widerstandslieder. Am 14. Februar um 19 Uhr findet das Debütkonzert ihres jiddischen A-capella-Duos Wratschko & Frey statt. Gemeinsam mit Esther Wratschko werden dabei unter dem Titel „In a shener
velt“ zweistimmig jiddische Volkslieder – vom sozialkritischen Wiegenlied bis zum antikapitalistisches Nigun – vorgetragen.
Infos unter isabelfrey.com

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