Farben in Marrakesch

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Die große afrikanische Stadt Marrakesch ist in beinahe quälender Weise verwirrend und kräftefordernd“, schreibt André Heller in seiner Vorbemerkung zu Ronnie Niedermeyers aktuellem Fotobuch Farben in Marrakesch.

Das erste farbige Fotobuch des Fotografen ist ein Destillat der berühmten Roten Stadt und bringt statt beliebiger Buntheit eine wohlüberlegte Reduktion auf das Wesentliche: Die Mauern der Stadt, in unterschiedlichen Rottönen gehalten, breiten sich über die Seiten aus und zeigen „eine Blickweise, die mitten im Grellen, im Hysterischen, im Getümmel einen Frieden, ein Innehalten und Durchatmen ermöglicht.“ Das Geschrei der Händler und hektisches Getümmel, Herrlichkeit und Armut, Wohlgerüche, Gastfreundschaft und Gaunereien sind aus dieser Perspektive ausgeschlossen. Die Ansichten öffnen damit einen ruhigen Blick auf die opulente Berbermetropole, der von der Suche nach einer verlorenen Zeit getragen ist.

„ ... hier kann ich Sonnenlicht genießen. Hier kann ich mit meinen Sinnen sehen.“ Lilli B.

marr2Traditionelle nordafrikanische Musik und die darauf anspielende Minimal Music dienten als Vorbild bei der Anordnung der Fotografien: Die Frontalansichten der Mauern werden nach und nach von Elementen wie Dachrinnen, Stromkabeln, Kamintüren usw. ergänzt und steigern sich dann zu immer komplexeren Kompositionen mit Menschen und anderen beweglichen Elementen.
Eine Einleitung zu diesen Fotografien verfasste Lilli B., eine von Geburt an stark sehbehinderte junge Frau, die Marrakesch als kleines Mädchen besucht und seine mannigfaltigen roten Farbnuancen sofort liebgewonnen hatte. André Heller, der zurzeit in seiner neuen Wahlheimat Marrakesch einen großen öffentlichen Park anlegt, schrieb eine Vorbemerkung, die sowohl die Hektik der Stadt wie auch den ruhigen Blick des Fotografen lyrisch umreißt. Diese beiden Texte erscheinen je nach Kapitel in sechs unterschiedlichen Sprachen, darunter auf Deutsch, Hebräisch und Arabisch.

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„... ein Angebot kathartischer Selbstfindung mitten im gewaltigen Labyrinth der Ablenkungen.“ André Heller

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Ronnie Niedermeyer:  Farben in Marrakesch.  Bibliothek der Provinz 2015, 338 S., € 49,90
Ronnie Niedermeyer:
Farben in Marrakesch.
Bibliothek der Provinz 2015, 338 S.,
€ 49,90

Das in Berberleinen gebundene Buch enthält ein handgehäkeltes Lesebändchen von Al-Nour Textiles (alnour-textiles.com). Diese Werkstätte für körperlich beeinträchtigte Frauen liegt mitten in der Medina von Marrakesch. Den Mitarbeiterinnen wird dort nicht nur ein sicherer Arbeitsplatz mit Kranken- und Pensionsversicherung geboten, sondern auch kostenlose ärztliche Betreuung und Verpflegung. Die Tantiemen aus dem Verkauf des Buches Farben in Marrakesch kommen zur Gänze Al-Nour zugute. ◗

Buchpräsentation:
Mittwoch, 14. Oktober 2015, 18:30
Safran & Cie., Wien 1., Werdertorgasse 12
in Anwesenheit des Botschafters des Königreichs Marokko

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Ronnie Niedermeyer
ist freischaffender Künstler im Bereich der Dokumentarfotografie. In Wien wurden seine Arbeiten u. a. im Künstlerhaus, im Leopold Museum und im Weltmuseum ausgestellt. Er hat Ausstellungen für Kurt Palm und Markus Mittringer kuratiert, und ist regelmäßiger Gastlektor für Fotografie an der „Graphischen“ Universität.

Niedermeyer arbeitet für zahlreiche Magazine als Fotograf und Autor. Im Sommer 2015 teilte er mit David Schalko und Peter Sandbichler ein Stipen­dium als Artist in Residence an der One World Foundation Sri Lanka.

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