FPÖ-Israel: Diese Kurzsichtigkeit verursacht Langzeitschäden

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Wer der FPÖ in Zukunft noch mehr Macht gibt, der unterstützt damit autoritär angehauchte, antieuropäische Kräfte. Und ist mehr als nur blauäugig.

Von Marta S. Halpert

Es ist nicht schwer, der FPÖ bei ihrem aktuellen, akuten Liebeswerben um Israel auf den Leim zu gehen. FPÖ-Politiker der unterschiedlichsten Ränge besuchen Israel und vor allem auch die Siedlungen. Manche übernachten dort sogar. Kritik an Israels Politik gibt es nicht. Dafür fällt das Muslim-Bashing umso heftiger aus.

Wer daran denkt, der FPÖ noch mehr Macht zu geben, muss wissen, was in diesem FPÖ-Paket noch enthalten ist.

Der derzeitigen israelischen Führungsriege scheint das einige Schmerzen zu lindern, und es lenkt ab: von den ewig kritischen Linken weltweit, von unliebsamen und oft auch ungerechten, weil ressentimentbefrachteten Resolutionen in diversen europäischen und internationalen Institutionen. Nicht zu verniedlichen sind auch die wirtschaftsschädlichen Aktivitäten des BDS sowie jede Art des Israel-Boykotts. Aber all das rechtfertigt nicht das naive tagespolitische Liebäugeln mit rechtspopulistischen, xenophoben, menschenverachtenden Gruppierungen.

Die mehrfach kolportierte Nachricht, dass sich Israel – aus Mangel an Freunden seiner Politik in Europa – jetzt unter anderen auch die FPÖ schönreden will, um „normale“ Beziehungen zu ihr aufzubauen, ist erschreckend einfältig: Dieser Schritt wäre höchst kurzsichtig und würde unabsehbare Langzeitschäden für Israels Position in der Welt und für jüdische Gemeinschaften in ganz Europa zur Folge haben.

Drei stichhaltige Argumente sprechen dagegen, diesen opportunistischen Schalmeienklängen nachzugeben.

1. Es ist an der Zeit, mit der Illusion aufzuräumen, dass die FPÖ die Juden lieber hat als die Muslime. Ja, ist klar, von uns gibt es weniger. Manche sind sogar blond und blauäugig. Achtung, ein paar dunkle Gestalten gibt es schon auch. Ja, aber der Schmäh rennt gleich wie in unserem „deutschen Kulturkreis“. Gar nicht zu reden vom schenkelklopfenden jüdischen Witz, der allen Tante-Jolesch-Fans nur so von den Lippen perlt. Doch das ist eine trügerische Nähe: Heute dürfen wir den vertrauten Clown spielen, schon morgen könnten die anderen dran sein.

2. Israels zukünftige politisch-strategische Verantwortung ist wesentlich wichtiger und weitreichender: Israel wird in dieser Region weiterleben, daher wird es – vielleicht nicht heute oder morgen, aber vielleicht schon übermorgen – zu einem Friedensvertrag für die Staaten in der Region kommen. Langfristig kommen müssen. Diese Partner für eine blühende Zukunft werden großteils Muslime sein. Ist es da zielführend, das Feindbild für nächste Generationen einzubetonieren? Und das mit Hilfe unbedarfter, unverantwortlicher Politiker, die aus der sicheren Loge heraus hetzen, aber so gar nichts zum Besseren wenden können. Marktschreier ohne Lösungskompetenz.

3. Nicht wenige jüdische Österreicher wollen es eher einfach sehen, und zwar nach dem Motto: „Wer heute für Israel ist, der ist auch für mich akzeptabel.“ Aber so leicht darf man sich das nicht machen. Wer daran denkt, der FPÖ noch mehr Macht zu geben, muss wissen, was in diesem FPÖ-Paket noch enthalten ist: Diese Partei agiert bereits jetzt gemeinsam mit allen autoritär angehauchten, antieuropäischen Kräften, von der deutschen AfD bis zum französischen Front National. Die illiberalen gesellschaftlichen Veränderungen, die sie in Europa insgesamt durchführen wollen – bis hin zur Zerstörung der EU – sind weder im langfristigen Interesse Israels noch der jüdischen Gemeinden.

1 KOMMENTAR

  1. Keine Normalisierung, keine Kontakte zwischen IKG und FPÖ

    Gastbeitrag von Dr. Ariel Muzicant, Vizepräsident des European Jewish Congress

    Einige israelische Journalisten und abgehalfterte Likud-Politiker versuchen, die Kultusgemeinde als Ausrede für ihre Kontakte zur FPÖ zu missbrauchen. In verschiedenen israelischen Tageszeitungen und Medien erschienen zuletzt Meldungen, es gäbe eine Annäherung zwischen IKG und FPÖ. Dabei handelt es sich um bewusst gestreute Falschmeldungen. Der Hintergrund ist, […]

    Weiterlesen: http://www.mena-watch.com/mena-analysen-beitraege/keine-normalisierung-keine-kontakte-zwischen-ikg-und-fpoe/

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