
2014 war vielleicht der Wendepunkt. Für einen Fotografen. Und das 105 Jahre nach seiner Geburt. Da zeigte das Jüdische Museum in Berlin eine Retrospektive des fotografischen OEuvres von Fred Stein, geboren in Dresden, verstorben in New York. Ihm widmet nun Daniel Siemens, der seit einigen Jahren Europäische Geschichte an der Universität in Newcastle-upon-Tyne in Nordengland lehrt, eine sym- wie empathische und ausnehmend gut lesbare Biografie. Es ist die erste über den Rabbinersohn, der früh Sozialist wurde, Jus studierte, im Herbst 1933, ohne Schlussexamina, mit seiner Frau nach Paris floh, sich dort als Fotograf durchschlug. 1941 entkamen sie, inzwischen um eine Tochter reicher, um Haaresbreite nach New York. Dort, und das zeichnet Siemens auf der Grundlage von Gesprächen mit Steins Sohn Peter, lange als Kameramann beim Film tätig, und dem Durchackern des Privatarchivs der Familien nach, schlug er sich vor allem als Porträtist durch. Einige seiner Aufnahmen sind weithin bekannt geworden, jenes von Albert Einstein, das von Hannah Arendt, im Liegen rauchend. Doch das schlug sich nicht in monetärem Erfolg durch, seine aus großbürgerlich-jüdischer Familie stammende Frau Lilo, die ihren Mann um 30 Jahre überlebte, musste Hilfsarbeiten annehmen und wurde erst spät das, was sie immer werden wollte – Lehrerin (und dann College- Dozentin, als solche dann aber 1971 geschasst).
Erst finanzielle Restitutionszahlungen sorgten für eine gewisse Sicherheit. Eine feine, überaus erhellende humanistische Exil-Lebensbeschreibung eines humanistischen, allezeit Menschen zugewandten Fotografen, ausgestattet mit nicht wenigen Abbildungen.





















