
WINA – TIPP
ROSI
Sechshauser Straße 120, 1150 Wien
Mi., 17:30 –23 Uhr; Do., 11:30 –23 Uhr,
Fr. & Sa., 9 –23 Uhr
Tel.: +43/(0)660/223 44 77
rosi.wien
Es ist Donnerstagmittag, und langsam trudeln die Gäste ein, setzen sich meist in den Garten, einige in die Gaststube. Hier treffen zwei Welten aufeinander. Die alte Holzschank und der dunkle Riemenboden sprechen noch die Sprache des vorigen Jahrhunderts. Helle Holzverkleidungen an den Wänden und graugrün lackierte Tische erinnern eher an Bistros im französischen Süden.
Die Tagesteller – „von 11:30 bis aus“ – zeigen schon, was die Küche hier will und kann. Auf eine Gurken- und grüne Paradeiser-Kaltschale (klein 3,50, groß 6 €) folgen auf Salz gegarte Karotten mit Ricotta, hausgemachter Focaccia und Karottengrünpesto (12 €). Das Gericht könnte in seiner feinen Raffinesse sogar Hardcore-Fleischesser ins Vegetarierreich umleiten. Der dazu servierte Salat (3,50 €) enthält etwa ein Dutzend unterschiedlicher frischer, zarter grüner Blätter und Wildkräuter, mit einem Hauch einer bitteren Marinade.
„Wir verwenden dazu Essig von Gölles und kaltgepresstes Leinöl“, erzählt Küchenchef Till Wörner und rattert dann gleich eine Reihe von regionalen Gemüselieferanten herunter, aus dem Waldviertel, aus dem Kamptal und vom Neusiedler See. „Wenn man so gute Zutaten hat, muss man in der Küche nicht mehr viel tun“, kokettiert er ein wenig. „Man darf nur den Geschmack nicht behindern. Die Alternative wäre, aus schlechten Produkten mit überragenden Techniken noch etwas machen.“

Wörner hat gemeinsam mit seiner Partnerin Emanuella Ndue im Herbst 2024 Rosi eröffnet. Der Name bezieht sich auf seine schwäbische Oma, deren Küche ihn geprägt hat und die „sehr happy“ ist über das neue Lokal in Wien. Hier wurde einst im Poysdorfer Weinhaus der Familie Schreiber gezecht, dann gab es lange Jahre Herzog’s Wirtshaus, ehe auch dieses zugesperrt wurde. Wörner, der nach seiner Kochlehre in Deutschland einige Jahre im Steirereck auf Vorspeisen spezialisiert war, fand es durch Zufall. und die beiden wagten sich in die Selbstständigkeit.
45 Plätze gibt es heute drinnen, noch einmal 25 im Garten in der warmen Jahreszeit. Die Öffnungszeiten sprechen für Work-Life-Balance von Unternehmerpaar und Belegschaft: Sonntag bis Dienstag ist zu, am Mittwoch beginnt es mit dem Abendessen, dann folgen Donnerstag und Freitag Lunch und Dinner, am Samstag auch ein ausgiebiger Brunch.
Beim Abendessen empfiehlt Wörner das Teilen von Speisen, das solle eine familiäre Atmosphäre schaffen – und es erleichtert der kleinen Küche die Arbeit, wenn an einem Sechsertisch nicht jeder separat bestellt. So heißt das abendliche Viergangmenü hier Chef’s Choice Sharing (59 €). Und auch die einzeln georderten vegetarischen oder veganen Gerichte in kleinen Portionen solle man in die Mitte stellen und gemeinsam ausprobieren. Beispiele: Saiko-Gurke mit Kamille und geräucherter Buttermilch (10 €), Austern vom Feld, eigentlich Salatherzen mit eingelegtem Rettich, Pistazie und Krenblatt (12 €), gebackene Zucchiniblüte, gefüllt mit Polenta, Bio-Shiitake-Pilzen und Estragon (15 €), Puntarelle mit eingelegten Kirschparadeisern und fermentierten Erdäpfeln (12 €) oder Heurige al la Risotto mit sautiertem Mangold, Bergamotte und Olivenkraut (14 €).
Das Rosi liegt weit draußen, am Ende der Sechshauser Straße, aber auch nur wenige Schritte von der U4-Station Schönbrunn entfernt. Die öffentliche Anreise sei auch aus einem anderen Grund empfohlen. Es gibt eine hochinteressante, nicht ganz billige, aber fair kalkulierte Weinkarte. Und da sollte man das Auto besser zuhause stehen lassen.






















