Generation J

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Die Vertreter der wichtigsten jüdischer Studentenvereinigungen diskutieren die Zukunft – ein einfacher Ansatz, der viele komplexe Fragen aufwirft. Von Itamar Treves-Tchelet

Wie zu Herzls Zeiten waren die Wiener Kaffeehäuser wieder, zumindest für einen Abend, die Bühne, auf der junge jüdische Aktivisten die Zukunft ihres Volkes diskutierten. Heute sind sie zwar stärker als je zuvor, jedoch voller Fragen, wie sie ihre Rolle genau definieren sollen.

Und so geschah es, dass sich im Hawelka drei der bedeutendsten Aktivisten der derzeitigen jüdischen Studentenwelt trafen. Zwischen Buchteln und Kaffee wurde die brennendste Frage des 21. Jahrhunderts angegangen: Wie bleibt man heute als jüdische Studentenvereinigung noch relevant?

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„Vor 20 Jahren, brauchten unsere Vorgänger weniger Kreativität, um ihre Rolle auszufüllen. Alle Ziele waren klar vor Augen, und man musste sie nur ausführen“, meint Oliver Worth (24, Glasgow), der Vorsitzende der World Union of Jewish Students (WUJS). Er weist darauf hin, dass WUJS 1924 von einem jüdischen Studenten in Wien gegründet wurde, um gegen die Beschränkung der Zahl der jüdischen Studierenden an der Universität vorzugehen. Später war es die große Aufgabe, aus der Sowjetunion geflohenen jüdischen Studenten zu helfen oder gegen Professoren mit Nazivergangenheit zu demonstrieren. „Heute müssen wir eigentlich gut nachdenken, worin wir unsere Kraft investieren sollen“, ergänzt er. Andrea Gergely (23, Budapest), Präsidentin der European Union of Jewish Students (EUJS), fügt hinzu: „Man kann aber schon sagen, dass die Medien und die Ereignisse in Israel die Prioritäten für uns bestimmen.“ Die zwei anderen nicken dazu.

Seminare, Partys, Events

WUJS und EUJS sind die Dachorganisationen für 49 nationale jüdische Studentenunionen und vertreten ca. 1,3 Millionen Studenten weltweit. In Österreich sind die beiden durch die Jüdischen Österreichischen HochschülerInnen (JÖH) repräsentiert. Jährlich organisieren die verschiedenen Unionen hunderte Leadership-Seminare, Partys und Events, um das studentische Publikum in Massen zusammenzubringen und es für gemeinsame Zwecke wie Israel Advocacy oder gegen Antisemitismus zu engagieren.

Seit einigen Jahren ist auch der interreligiöse Dialog ein Thema geworden, bei dem sich die jüdische Studentenwelt als Pionier positionieren will. Ein Beispiel dafür ist die Wiener Ini­tiative Muslim Jewish Conference, die schon seit 2010 junge Juden und Muslime zusammenbringt, um „miteinander und nicht übereinander zu reden“.

„Die Studentenorganisationen sollten eine Vielzahl von intellektuellen Möglichkeiten für Engagement anbieten“, erklärt Ilja Sichrovsky (28, Wien), der Generalsekretär der MJC, „nun ist es wichtig, dass die Gemeinde sie dabei unterstüzt und sich vor den neuen Ideen, die sie mitbringen, nicht fürchtet.“

Neben der politischen Mission geht es schließlich auch darum, den Studierenden einen Rahmen für ihre persönliche Entwicklung zu bieten. „Wir bauen nicht nur jüdische Führungskräfte auf, sondern auch Führungskräfte, die jüdisch sind“, sagt Worth, „viele aktive Studenten gehen nachher mit einem riesigen, professionellen Vorteil gegenüber anderen, die nicht mitgearbeitet haben, hinaus.“

Die Gerüchte, dass Studenten bei den Programmen nur mitmachen, um „Schiduchpartner“ zu finden, werden hier zwar nicht bestätigt. Das kann jedoch als selbstverständlich betrachtet werden.

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