Der OeAD – Österreichs Agentur für Bildung und Internationalisierung – ist eine gemeinnützige GmbH, die im Besitz der Republik Österreich steht. Das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung agiert als Eigentumsvertreter. Die zahlreichen Programme und Initiativen des OeAD werden durch verschiedene Bundesministerien und die Europäische Kommission unterstützt und finanziert, darunter auch ERINNERN:AT.
Gegen das Vergessen. ERINNERN:AT wurde im Jahr 2000 von Werner Dreier und Peter Niedermair in Bregenz gegründet und ist seit 2022 Teil des OeAD. Außer dem Büro in Bregenz hat ERINNERN:AT auch einen Standort in Wien. Die Initiative versteht sich als Brücke zwischen Forschung, Gedenkkultur und schulischer Bildung in Österreich. Im Auftrag des Bildungsministeriums widmet sich ERINNERN:AT der Vermittlung von Wissen über Nationalsozialismus und Holocaust sowie der Prävention von Antisemitismus. Durch Unterrichtsmaterialien, pädagogische Konzepte und Fortbildungen bringt ERINNERN: AT historisches Fachwissen in die schulische und außerschulische Praxis. Dafür stehen in jedem Bundesland Ansprechpersonen für Lehrkräfte zur Verfügung. Darüber hinaus bietet die Website erinnern.at umfangreiche Informationen. Seit 2021 leitet Patrick Siegele ERINNERN:AT. Davor leitete er das Anne- Frank-Zentrum Berlin.

Lehrkräfte stärken. „Unser Fokus ist die Fortbildung der Lehrkräfte. Wir wünschen uns, dass künftig noch mehr Personen von unseren Angeboten erfahren“, sagt Patrick Siegele. Einmal im Jahr findet das „Zentrale Seminar“ von ERINNERN:AT statt. Es ist die größte Fortbildung für Lehrpersonen zu Holocaust, Nationalsozialismus, Antisemitismus und Rassismus in Österreich. In Kooperation mit den Pädagogischen Hochschulen werden zusätzlich in allen Bundesländern regelmäßig Fortbildungen mit Unterrichtsmaterialien, pädagogischen Zugängen und Exkursionen zu Erinnerungsorten angeboten.
Im Auftrag des Bildungsministeriums bietet ERINNERN:AT gemeinsam mit der International School for Holocaust Studies der Gedenkstätte Yad Vashem auch zweiwöchige Seminarreisen nach Israel an. In den Seminaren setzen sich die Teilnehmenden pädagogisch mit der Geschichte des Holocaust auseinander und können danach ihr Wissen an Kolleg:innen in den jeweiligen Bildungseinrichtungen weitergeben. Die Kosten dieser Seminare werden großteils vom Bildungsministerium übernommen.
„Es muss ein Zusammenspiel sein, das die Zeitzeug:innen
mit der Bildungseinrichtung und den Klassen zusammenführt.“
Julia Demmer
Zeitzeug:innen sprechen an Schulen. Einen maßgeblichen Anstoß für das Zeitzeugenprogramm gab der Auschwitz-Überlebende und Chronist des Konzentrationslagers Hermann Langbein (1912–1995). Er überzeugte den damaligen Bildungsminister Fred Sinowatz in den 1970er-Jahren davon, die persönliche Glaubwürdigkeit der Überlebenden für die schulische Bildungsarbeit zu nutzen, und brachte dafür Menschen aus verschiedenen Opferverbänden zusammen. Zeitweise waren mehr als dreißig Zeitzeug:innen aktiv. Langbein war stets auch der Dialog mit Schülerinnen und Schülern wichtig. In den Anfängen glichen die Gespräche jedoch eher Vorträgen, und die aktive Beteiligung der Schüler:innen war verhalten. ERINNERN:AT setzt sich deshalb seit Jahren dafür ein, die Schülerinnen und Schüler durch ihre Lehrerinnen und Lehrer zu motivieren, sich in die Kommunikation mit den Zeitzeug:innen einzubringen. Auch eine fundierte Vor- und Nachbereitung wird gefördert. „Die Zeitzeug:innen melden mir zurück, dass die Klassen immer besser vorbereitet sind. Es muss ein Zusammenspiel sein, das die Zeitzeug:innen, die eine Präsenz- und Erzählrolle haben, mit der Bildungseinrichtung und den Klassen zusammenführt. Das ist ganz wichtig, denn sonst entfaltet das Angebot nicht seine Potenziale“, sagt Julia Demmer, die seit 2021 das Zeitzeugenprogramm leitet. Sie steht täglich in Kontakt mit Lehrkräften und begleitet sie bei der Vorbereitung für den Besuch einer Zeitzeugin bzw. eines Zeitzeugen.

Die vermittelten Gespräche beschränken sich nicht nur auf jüdische Schicksale. Neben politisch Verfolgten und Überlebenden des nationalsozialistischen Terrors können Schulen auch slowenische Vertriebene und Vertreter der Roma und Sinti anfragen. ERINNERN:AT hat die Lernwebsite Roma Sinti Genocide (romasintigenocide.eu) mitentwickelt. Die Plattform wird in zwölf Sprachen angeboten und informiert umfangreich über die Geschichte des Völkermords an Roma und Sinti. Diese Bevölkerungsgruppe gehört bis heute zu den am stärksten ausgegrenzten Gruppen Europas. Das Gedenken an alle Verfolgten des nationalsozialistischen Regimes sowie Bildungsangebote zu den anhaltenden Mechanismen der Ausgrenzung sind Teil einer vielseitigen schulischen Bildung.
Das Nachkommen-Projekt. Die Zahl der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die aus eigener Erfahrung berichten können, ist in den letzten Jahren auf 14 Personen gesunken. Dennoch konnten 2025 beeindruckende 200 Gespräche mit Schulklassen geführt werden. „Die Frage war: Sollen künftig auch Nachkommen eingebunden werden – und wenn ja, wie?“, beschreibt Julia Demmer die Ausgangssituation, die zur Idee führte, ein Nachkommenprojekt zu beginnen und in das Programm der Zeitzeugenschaft bei ERINNERN:AT zu integrieren. „Der wissenschaftliche Beirat von ERINNERN:AT hat empfohlen, Zeitzeug:innen- Gespräche mit Nachkommen zunächst in einer Begleitforschung zu erkunden“, erklärt Julia Demmer. 2024 startete der OeAD ein zweijähriges, wissenschaftlich begleitetes Pilotprojekt, das so erfolgreich war, dass es nun schrittweise weitergeführt wird. Die Nachkommen bringen dabei neue Perspektiven ein. Durch ihre biografischen Erzählungen, die weit über eine Nacherzählung der Erlebnisse der Elterngeneration hinausgehen, werden Themen wie das Schweigen der Eltern über das Erlebte sowie die Weitergabe von Traumata in der Familie und die Verbindung zur Gegenwart angesprochen. Sie machen deutlich, dass Geschichte und Verfolgung kein abgeschlossenes Kapitel sind. In der perspektivischen Zukunft sollen auch Nachkommen anderer Gruppen NS-Verfolgter einbezogen werden.
oead.at
Mehr als eine Förderagentur. Der OeAD ist weit mehr als eine schulische Förderagentur. Er fördert und vernetzt Menschen und Institutionen aus Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur. Für die Erinnerungsarbeit an Schulen bietet der OeAD neben den Angeboten im Rahmen des Programms ERINNERN: AT zudem ein Förderprogramm für Besuche von KZ-Gedenkstätten an. Seit 2025 wird gemeinsam mit dem Nationalfonds der Republik Österreich ein Schüler: innen-Austauschprogramm zwischen Österreich und Israel angeboten, das interkulturelle Begegnungen ermöglicht und das Verständnis für aktuelle Formen von Antisemitismus stärkt. Mit seinen zahlreichen Programmen, Netzwerken und strategischen Maßnahmen trägt der OeAD entscheidend dazu bei, Bildung im globalen Kontext zu betrachten, Innovation zu fördern und das soziale Verantwortungsbewusstsein zu stärken.





















