Gioia Zloczower: Wien hat es geschafft, mir ans Herz zu wachsen.

Gioia Zloczower wuchs in Wien auf und war schon in frühen Lebensjahren von Mode fasziniert. Während ihres Bachelorstudiums in Tel Aviv galt sie aufgrund ihrer Aufmache als Campusclown. Ihre Neigung zu ungewöhnlichen Outfits fand sich bald in der Fotografie wieder: Neben einem Modedesign-Masterstudium in Mailand jobbte sie auf den Sets von Modefotografen, und nach einem Jahr zog sie nach New York, um dort die Fotografie akademisch zu erlernen. Bald darauf arbeitete sie mit Vogue, Vice und der BBC sowie für Klienten wie Pepsi oder Audi. 2015 gründete sie in Wien das Magazin Vienna Würstelstand.

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© Ronnie Niedermeyer

Kaum war ich erwachsen, verabschiedete ich mich von meiner Geburtsstadt Wien und lebte innerhalb von acht Jahren in Tel Aviv, Mailand und New York. Irgendwann lief mein US-Visum aus. In Wien wartete ich vier Monate auf eine neue amerikanische Aufenthaltsgenehmigung. Diese vier Monate waren die längste Zeit, die ich seit meiner Jugend in dieser Stadt verbracht hatte. Endlich war das Visum da – doch in der Zwischenzeit hatte Wien es geschafft, mir ans Herz zu wachsen. Es war 2015, und die Stadt wirkte anders, als ich sie in Erinnerung hatte. War sie immer noch so verschroben und altmodisch wie damals? Das wollte ich nun herausfinden. Obwohl ich Wien nach wie vor als „Spätentwicklerin” empfinde, weiß ich inzwischen, dass gerade das auch ihren Charme ausmacht.

Aus meiner neu entdeckten Liebe heraus gründete ich zusammen mit Sofie und Jake das Onlinemagazin viennawurstelstand.com. Wir wollten Leuten zeigen, was Wien alles zu bieten habe. Unsere Initiative wurde zu einem Stadtführer für Kultur und Kulinarik, vor allem aber zu einer Informationsquelle für die „Generation Y”. Besonders freute ich mich über Rückmeldungen von Leuten, denen es ähnlich gegangen war wie mir, die also dachten, Wien habe kaum etwas zu bieten. Mit Vienna Würstelstand ist es uns gelungen, ihnen das Gegenteil zu beweisen.

Beruflich bin ich als Fotografin und Setdesignerin tätig. Die Inspiration dazu kommt nicht nur von den schönen Wiener Hausfassaden oder etwa der angenehmen Geräuschkulisse der Kaffeehäuser. Vielmehr sind es die Inseln der Ruhe, an denen es hier zum Glück nicht mangelt. Dort kann ich mich entspannen, tief einatmen und dabei auf neue Gedanken kommen. Obwohl ich demnächst nach San Francisco ziehe, wird Wien die Stadt bleiben, in die ich immer wieder zurückkehre.


Tipp: Ein Sonntag in Wien ist im wahrsten Sinne ein Ruhetag. An diesem Tag ist in der Stadt wenig los – und gerade das bietet die Gelegenheit, auch einmal herunterzukommen. Endlich hat man Zeit für sich und somit auch für kreatives Schaffen. In meiner Garage habe ich schon oft Fotoshootings gemacht: Sie ist ein wahres verborgenes Kleinod.

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