Global und vielfältig

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Alon Shklarek hat viele Jahre als Berater für Weltkonzerne gearbeitet. Jetzt investiert er gezielt in österreichische und internationale Unternehmen.

Text & Foto: Reinhard Engel   

Was haben ein Schokolademuseum in Florida, eine Webplattform für deutsche Ärzte und ein Wiener Start-up für die Navigation in großen Gebäuden gemeinsam? Auf den ersten Blick wohl wenig. Doch an all diesen unterschiedlichen Unternehmen ist der Wiener Unternehmensberater Alon Shklarek beteiligt, und an allen Business-Plänen hat er wesentlich mitgearbeitet.

„Bei mir melden sich jede Woche 20 bis 30 Menschen mit Angeboten für Beteiligungen“, lächelt Shklarek. „Aber da ist auch viel Verrücktes dabei. Letzten Endes verdient man als Unternehmer auch an jenen Projekten, die man nicht macht.“ Aber er unternimmt genug, in verschiedensten Branchen. Seine Firmen, asp. consulting und CUDOS Group, haben ihren Sitz am Wiener Graben mit direktem Blick auf den Stephansdom, und doch bleibt kaum eine der Beteiligungen auf Österreich beschränkt. Die Globalisierung ist hier kein leeres Schlagwort, sondern tägliche Realität.

„Letzten Endes verdient man als Unternehmer auch an jenen Projekten, die man nicht macht.“ Alon Shklarek

Das Schokolademuseum in Orlando, Florida, gibt es seit genau einem Jahr, und es läuft hervorragend. Der Gründer und Shklareks Partner ist ein Auslandsösterreicher, der lange in Ecuador gelebt hat, einem traditionellen Produktionsland für Kakaobohnen. „Ich kenne niemanden, der bei Schokolade nicht positive Assoziationen hat“, begründet Shklarek sein Interesse. „Und Orlando ist eine Stadt mit extrem großen Touristenzahlen, die Familien, die dorthin kommen, um Disney World oder Sea World zu sehen, besuchen dann noch andere, kleinere Attraktionen. Da passt ein Schokolademuseum ideal dazu.“

Positives bewirken und dabei auch noch verdienen

Coliquio in Deutschland ist etwas ganz anderes. 130.000 Ärzte sind auf der Webplattform registriert und tauschen dort – anonym – Anfragen, Diagnosen und Behandlungsempfehlungen aus. Das ist für sie gratis, und auch Werbung müssen sie keine lesen, wenn sie sich einloggen. Aber die Pharmaindustrie darf Umfragen durchführen und auch zu einzelnen Indikationen Sub-Sites einrichten. „Die Ärzte wollen ja auch mit der Pharmaindustrie kommunizieren“, so Shklarek. „Das muss freilich nicht unbedingt auf der Ebene der reisenden Vertreter sein, die ihnen Proben mitbringen.“

Insider Navigation heißt ein Wiener Start-up, das sich mit der Orientierung in großen Gebäuden befasst, also etwa auf Flughäfen oder in Shopping Malls. Dazu ist GPS ungeeignet, die App orientiert sich via Handy-Kamera an markanten Punkten in solchen Gebäuden und leitet den Fluggast oder Kunden dann weiter.

Das sind nur drei der Unternehmen Shklareks, aber er ist auch noch an weiteren beteiligt: etwa an der globalen Musiker-Webplattform Hello Stage des ehemaligen Konzerthaus-Managers Bernhard Kerres, an der 24h-Pflege-Firma CuraDomo Holding oder am indischen Start-up Docplexus, einer Ärzteplattform nicht unähnlich jener in Deutschland.

„Es gibt für einen Unternehmer die Möglichkeit, Positives zu bewirken und dabei auch zu verdienen, das gefällt mir.“ Shklarek hat eine unorthodoxe Karriere hinter sich. Er wurde als Sohn zweier Israelis 1968 in Wien geboren. Vater und Mutter waren beide Offiziere gewesen und hatten nach dem Militärdienst eigentlich nur die Familie seiner Mutter in Wien besuchen wollen, die nach der Emigration hierher zurückgekommen war. Dann blieben sie hier, sein Vater arbeitete sich im Rohstoffhandel in die Geschäftsführung hinauf, seine Mutter unterrichtete jüdische Religion. Alon studierte Elektrotechnik, aber nach dem ersten Abschnitt sah er sich nicht für sein Leben lang als Ingenieur, sondern begann, für ein schwedisches Beratungsunternehmen zu arbeiten und lernte die Steuerung von Wirtschaftsprozessen in der Praxis kennen. Doch das Consulting lief ihm allzu schematisch ab, keiner kümmerte sich darum, Mitarbeiter und Kunden in – oft notwendige – Veränderungsprozesse mit einzubeziehen. Also beschloss er, sich selbstständig zu machen, ohne Kapital. Seine Frau Caro, eine Tochter Leon Zelmans, verdiente als AUA-Stewardess gut, so riskierte er es.

Innerhalb weniger Jahre konnte asp. consulting Aufträge internationaler Großkonzerne sowie namhafter heimischer Unternehmen erringen und qualifiziert bearbeiten – ob von Japan Tobacco International oder von Siemens, ob von Adidas, dem steirischen Schneekettenhersteller Pewag, der deutschen Baumarktkette Obi oder dem kroatischen Spirituosenerzeuger Badel. Zeitweise hatte asp. 100 Mitarbeiter, unter anderem in London und Boston.

Doch vor etwa zehn Jahren verkaufte Shklarek die ausländischen Tochterfirmen an die lokalen Partner und begann von Wien aus über das Beratungsgeschäft hinaus selbst Beteiligungen einzugehen. Neben jenen, die er allein finanziert, hat er die CUDOS Group – dort sind unter anderem Exbundeskanzler Alfred Gusenbauer und Anwalt Leopold Specht beteiligt – für Investoren von außen geöffnet. Eine erste Erfolgsstory schrieb das Unternehmen mit dem traditionsreichen Stoffproduzenten Backhausen, der saniert und vor wenigen Monaten weiterverkauft wurde. Derzeit ist eine Beteiligung an einer österreichischen Kunststoffrecyclingfirma in Arbeit. In den Medien wurde auch ein Interesse an der Kommunalkredit-Bank kolportiert, dazu möchte Shklarek momentan nichts sagen.

Ob seine Kinder – er hat zwei Söhne und eine Tochter – einmal ins Unternehmen kommen wollen, weiß er noch nicht. Die Söhne haben andere Studienfächer gewählt: Psychologie und Musik sowie Biotechnologie; das Mädchen geht noch zur Schule. „Aber sie interessieren sich für einzelne Projekte: Joni war mit mir in Indien, wo wir die Ärzteplattform aufbauen, Raphi hat bei einem CO2-Zertifikat-Projekt in Südamerika mitgearbeitet.“ Und Shklarek selbst studiert auch noch weiter. Wohl hat er schon einmal neben der Arbeit einen MBA an der California State University gemacht. Diesmal ist es Harvard, im kommenden Frühjahr wird er dort ein anspruchsvolles internationales Programm mit Studienkollegen aus 40 Nationen abschließen: OPM – Owner/President Management. Seit drei Jahren bearbeitet er mehrere Monate im Jahr in Cambridge schwierige Case Studies – gemeinsam mit chinesischen, lateinamerikanischen und indischen Unternehmern.

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