Guter Riecher

Für alles gibt es ein erstes Mal – aber auch ein letztes! In diesem Monat berichtet der Autor, Künstler und Duftexperte Paul Divjak über einen wohlriechenden Dandy, Schwitzen im Aufzug und unliebsame Post aus China.

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© Rainer Hosch_print

 

Paul Divjak:
Der parfümierte Mann.
Edition Atelier,
152 S., € 20

Es gibt wenig, was Paul Divjak nicht macht: Er ist Doktor der Philosophie, künstlerisch in den Bereichen Literatur, Film, Fotografie, Musik, Performance und Installation tätig und Kolumnist, etwa für WINA! Sein olfaktorisches Interesse bündelte der Wiener bereits im Essayband Der Geruch der Welt, nun ist sein Sachbuch Der parfümierte Mann erschienen. Paul Divjak komponiert zudem Düfte und Duftinstallationen, u. a. Letztes Jahr in Jerusalem im Garten des Jüdischen Museums Hohenems – und er weiß sogar, wie es im Weltall duftet: Im Rahmen der Ausstellung Der Mond für das Naturhistorische Museum Wien gestaltete Divjak das Werk Der Geruch des Mondes.
pauldivjak.com

 

Das letzte Mal …,

dass mir ein gut parfümierter Mann begegnet ist, war …,
… neulich auf dem Hochzeitsfest eines guten Freundes. Ich saß an einem Tisch neben einem graumelierten, braungebrannten Dandy; ebenso sympathisch wie wohlriechend. Die Projektion konnte ich zunächst nicht zuordnen. Nach einigen konzentrierten Atemzügen war’s dann unverkennbar: Cacharel pour L’Homme, ein Meisterwerk von Gerard Goupy – in der Vintage-Version von 1981 wohlgemerkt.

Das letzte Mal, dass ich von einem Geruch umgehauen wurde war …
Bei aller Freude für olfaktorische Phänomene jeder Art, vergesse ich doch immer wieder, wie herausfordernd bakterielle Eiweißzerfallsprozesse sein können. Ich sag’ nur: schwitzende Menschen in einer viel zu engen Aufzugskabine, die sich in Slow-Motion zu bewegen scheint …

Das letzte Mal, dass mich ein Geruch an meine Kindheit erinnert hat, war …
… im Umkleideraum des alten Strandbades in Baden bei Wien. Die Holzkästchen, die Sonnenmilch und in der Sommerluft: eine leichte Schwefelnote.

Das letzte Mal, dass ich ein Kompliment für meinen Duft bekommen habe, war …,
… als ich neulich den Prototyp meines im kommenden Jahr erscheinenden Cologne Imperiale getragen habe: eine Neuinterpretation des klassisch-eleganten Colognes; zitrisch-frisch mit zarten Holznoten; dezent präsent, mit einer klaren Duftaura, die unaufdringlich begleitet und sich sichtlich als Compliment Getter entpuppt …

Das letzte Mal, dass mir etwas gestunken hat, war …,
… als statt der, in einem deutschen Online-Store bestellten, vermeintlichen zwei Paar Sneaker-Schnäppchen nach wochenlangem Warten und vergeblichen Kontaktierungsversuchen ein kleines Päckchen aus China in der Post lag. Der Inhalt: zwei trashige, extrem nach Plastik stinkende Sonnenbrillen …

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