
Tat-tat-tat!“ Portugiesisch sprach Béla Guttmann kein Wort, als er 1956/57 mit Honved Budapests Starensemble rund um Ferenc Puskas durch Brasilien tourte und bei dieser Gelegenheit das Traineramt beim FC São Paulo übernahm. Aber die eine Anweisung, auf die es ihm ankam, beherrschte er in allen Varianten. „Ping-pang-pong“ sollten seine Spieler den Ball im direkten Passspiel nach vorne spielen und „pa-pa-pa-pum“ am besten gleich zum Abschluss kommen. Ganz so, wie es die „Mighty Magyars“ 1953 beim legendären 6:3-Sieg in Wembley vorexerzierten. Oder wie es die Hakoah in Grundzügen schon bei ihrem Titelgewinn 1925 beherrschte.
Letztlich ging Gutmanns Fußball auf das schottische Kurzpassspiel zurück, das ihm Jimmy Hogan, der mit Hugo Meisl auch den Grundstein für die Erfolge des „Wunderteams“ legte, in den späten 1910er-Jahren schon bei MTK Budapest beigebracht hat. Bei der Hakoah haben sie es alle intus gehabt. Schließlich war Hogans schottischer Freund Billy Hunter von 1923 bis Dezember 1924 Trainer der Blau- Weißen – und damit zur Hälfte für den Gewinn der Meisterschaft verantwortlich.

Nicht weniger als sieben Spieler der Meistermannschaft trugen den Hakoah- Stil als Trainer in die Welt hinaus. Oder dorthin, wo sie als Juden willkommen waren. Max Gold und Moses Häusler, den sie auch Moritz, meist aber Moschkatz nannten, durften sich ein paar Jahre lang in Luxemburg in Sicherheit wähnen. Gold bei Jeunesse d’Esch, Häusler – mit Max Grünwald bester Torschütze der Meistermannschaft – bei Stade Dudelange. Damit war es vorbei, als 1940 Hitlers Truppen auch vor dem Kleinstaat nicht Halt machten. Das Trainer- Duo wurden zum Arbeitsdienst gezwungen, vor den drohenden Deportationen konnten sie rechtzeitig fliehen. Gold tauchte in Belgien unter, Häusler verschlug es über die Schweiz nach Paris. Als sie 1945 nach Luxemburg zurückkehrten, waren sie „unerwünschte Ausländer“. Die Golds mussten noch 1946 das Land verlassen, Häuslers Abschiebung ging erst 1950 durch. Da halfen auch die sechs Meistertitel und drei Cup-Siege nichts, die er in den Jahren 1938 bis 1940 und 1945 bis 1950 mit Stade gesammelt hat. Zurück in Wien, führte er in der Himmelpfortgasse das Café Savoy, in dem jahrelang das Sekretariat der Wiener Austria untergebracht war. Der mit sieben Länderspielen Rekord-Internationale der Hakoah starb 1952 nur 52-jährig an Herzversagen.
Nicht weniger als sieben Spieler
der Meistermannschaft trugen
den Hakoah-Stil als Trainer in die
Welt hinaus. Oder dorthin, wo sie
als Juden willkommen waren.
Häuslers Sturmpartner Jozsef Eisenhoffer, der aus Liebe zu seiner Frau zum Judentum übergetreten war, hatte bei Olympique Marseille angeheuert, das bereits Mitte der 30er-Jahre zum Zufluchtsort mehrerer Hakoahner geworden war. Der Mann mit dem „tödlichen Linken“ blieb sieben Saisonen, in denen er als Spielertrainer mit zwei Cup-Siegen und dem ersten Meistertitel 1937 den Ruhm der Phocéens begründete. Nach dem Einmarsch der Deutschen hielt sich der Ungar in Budapest versteckt. Bei der Bombardierung der Stadt erlitt er schwere Verletzungen, die zu seinem Tod im Februar 1945 führten.
Fußball in Israel. Egon „Gitschi“ Pollak und Alois „Lajos“ Hess machten sich um den Fußball in Israel verdient. Zunächst verhalfen sie dem heutigen Rekordmeister Maccabi Tel Aviv zu seinen ersten Meistertiteln, ehe sie das Nationalteam coachten. Während Pollak, der bereits die Auswahl des „Britischen Mandatsgebiets Palästina“ in die WM-Qualifikation 1938 geführt hatte, nach Erlangung der Unabhängigkeit 1948 auch Israels erster Teamchef war, fiel Hess 1949 die Ehre zu, für den ersten Sieg in der Länderspielgeschichte des jungen Staates zu sorgen.

Ernö Schwarz hat die USA zu seiner zweiten Heimat gemacht. Wie ein Großteil der „Unbeatable Jews“, als die die Hakoah- Spieler auf ihrer triumphalen USTournee 1926 Schlagzeilen machten, war er im Land der unbegrenzten Möglichkeiten geblieben, um harte Soccer-Dollars zu verdienen. Als spätestens mit dem Zusammenbruch der Liga (1932) alle nach Europa heimkehrten, blieb Schwarz und gründete sein eigenes Team, die New York Americans. Er war Besitzer, Spieler und Trainer in Personalunion und ließ nichts unversucht, den Fußball in den USA am Leben zu halten. In späteren Jahren auch als Mitbegründer einer neuen Liga, deren Vizepräsident und Manager er war. Als Schwarz 1953 auch noch den Teamchefposten des US-Nationalteams übernahm, gehörte er längst der National Soccer Hall of Fame an.
Noch zwei Teamchefs stellte die Hakoah: Friedrich Donnenfeld war zu jung, um der Meistermannschaft anzugehören, dennoch hat sein Name einen Fixplatz in der Geschichte der Hakoah – als letzter Spieler des Klubs, der (1934) Österreichs Farben vertrat. Die letzten Kriegsjahre hatte „Donny“ in Paris im französischen Widerstand verbracht, 1948 folgte er seinen Eltern nach Kolumbien, die dort schon in den späten 1920er-Jahren das Wiener Kaffeehaus etabliert hatten. Statt um Melange und Apfelstrudel kümmerte sich Federico, wie er nun hieß, um den Aufbau einer Profiliga, trainierte Atlético Junior de Baranquilla und führte den Klub als offizielle Nationalmannschaft Kolumbiens 1949 zur Copa America. Mitte der 1950er-Jahre war er zurück in Europa und gab für einige Spiele – jetzt als Donenfeld – den Bondscoach der Niederlande.

Béla Guttmann betreute 1964, mehr als 30 Jahre nach dem Start seiner großen Trainerkarriere bei der Hakoah, für vier Spiele Österreichs Nationalteam. Er hat seine Spuren in nicht weniger als 13 Ländern hinterlassen. Seine eingangs erwähnte Arbeit in Brasilien führte Vicente Feola zu Ende, der in São Paulo sein Assistent gewesen war. „Der Erfolg gehört zu 50 Prozent Guttmann“, dankte dieser, nachdem er die Seleção 1958 zu ihrem ersten WM-Titel geführt hatte. „Ich habe nur seine Methoden kopiert.“ Guttmann blieb für seine zwei Europacupsiege (1961 und 1962) mit Benfica in Erinnerung. Und für den (angeblichen) Fluch, der weitere Erfolge Benficas verhinderte, weil die Klubführung seine Gehaltswünsche nicht erfüllte. Heute würde sie Guttmanns Leitsatz wahrscheinlich zustimmen: „Ich bin der teuerste Trainer der Welt. Aber wenn ich auf meine Erfolge schaue, bin ich sogar billig.“
HORST HÖTSCH ist Sportreporter mit Schwerpunkt auf Fußball und jüdische Fußballgeschichte. Er war Chefredakteur der Sportzeitung und ist u. a. Reporter bei kicker.at.




















