Happy Birthday Israel

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© JMW

Israel feiert heuer die Staatsgründung vor 75 Jahren – und alle feiern mit.

„Happy Birthday Israel!“ nennt sich eine Ausstellungsinstallation des Jüdischen Museums Wien, die Dienstag Abend am Standort Dorotheergasse mit einer Geburtstagsparty eröffnet wurde. Die Gäste bekamen nicht nur zu israelischer Musik Finger Food mit Israel-Fähnchen, Limonana, israelisches Bier und koscheren Wein serviert, sondern auch Stifte in die Hand gedrückt. Drei der vier Wände in dem Kabinett, in dem die Installation zu sehen ist, laden dazu ein, Botschaften zu hinterlassen. „May democracy thrive in Israel!“ schrieb ein Besucher oder eine Besucherin, „Frieden in Israel und mit Israel“ jemand anderer, eine weitere Message lautete „Mein teures Israel: Bleib auf deinem demokratischen Pfad!“.

Das Wiener Jüdische Museum sei bis jetzt das einzige in Europa, das das 75-Jahr-Jubiläum in einer Schau aufgreife, sagte Museumsdirektorin Barbara Staudinger bei der Eröffnung. Und betonte dabei auch: Es sei gar nicht leicht, sich hier nicht in tagespolitischen Debatten vereinnahmen zu lassen. Gesucht habe das Kuratoren- und Kuratorinnenteam (diesem gehören neben Staudinger selbst auch Sabine Apostolo und Marcus G. Patka an) daher nach einer Verbindung zu Wien und Österreich. Fündig wurden sie in der gemeinsamen Geschichte.

Da war zum einen Theodor Herzl, der nicht zuletzt angesichts des massiven Antisemitismus in Wien noch lange vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten und lange vor der Schoa den politischen Zionismus begründete. Die Ausstellung zeigt hier etwa eine historische Filmaufnahme der Überführung von Herzls Leichnam von Österreich nach Israel. Er wurde nach seinem Tod 1904 zunächst am Friedhof Döbling begraben und Jahrzehnte später, 1949 und damit ein Jahr nach der Staatsgründung nach Jerusalem überführt und auf dem Herzlberg beigesetzt.

Da waren zum anderen rund 300.000 Displaced Persons, die nach 1945 in Camps in der US-amerikanischen Besatzungszone untergebracht waren. Für diese Schoa-Überlebenden stellte sich die Frage nach dem Wohin. Die meisten zog es entweder in das damalige Palästina oder in die USA. Die Schau zeigt Fotos aus DP-Camps, die kurz vor und kurz nach der Staatsgründung Israels aufgenommen worden waren. Dieser 14. Mai 1948, an dem David Ben-Gurion den Staat Israel proklamierte, habe das Ende der „Wartesäle der Hoffnung“, wie DP-Camps auch genannt wurden, bedeutet, ist im Begleittext der Installation zu lesen.

Zu sehen ist etwa eine Aufnahme einer Feier anlässlich der Ausrufung des Staates Israel im Wiener DP-Lager in der Arzbergergasse. Ein Foto zeigt den früheren Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien, Akiba Eisenberg, und den damaligen IKG-Präsidenten David Schapira bei einem Festakt im Konzerthaus anlässlich der Überführung der Gebeine Herzls. Auf einer Fotografie aus einem Salzburger DP-Lager aus dem Jahr 1947 ist ein Plakat abgebildet, das die freie Einreise nach Palästina fordert. Aus dem Jahr 1948 stammt eine Aufnahme, die einen Gedenkmarsch zu Herzls Grab in Döbling dokumentiert. Schön wird die Brücke von Österreich nach Israel auch mit zwei Ausweisen geschlagen: Sie gehörten Fanny Billig, jener von 1946 war in Österreich ausgestellt worden, jener von 1949 in Israel.

Drei Bewohnerinnen des Flüchtlingsheims Wiesenhof in Tirol mit einer Israel-Fahne, 1948. © United States Holocaust Memorial Museum

Nechemja Gang von der Zionistischen Föderation in Österreich betonte in seiner kurzen Eröffnungsansprache, die Ausstellung zeige, wie sich Menschen, die gerade die Entmenschung in den Konzentrationslagern und die Schoa überlebt hätten, die seelische Kraft aufgebracht hätten, den Traum eines jüdischen Staates zu träumen und auch zu realisieren. Er erinnerte aber auch daran, dass nicht nur Juden und Jüdinnen aus Europa, sondern auch Juden und Jüdinnen, die aus arabischen Ländern vertrieben worden waren, im Staat Israel eine sichere Heimat fanden. Heute seien einige arabische Länder Israel nicht mehr feindlich gesinnt, sondern würden Israel als Friedenspartner sehen.

Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler empfahl, sich den Dokumentarfilm „Pourquoi Israel“ von Claude Lanzmann aus dem Jahr 1973 anzusehen. Darin interviewte er Israelis, darunter auch Holocaust-Überlebende aus Europa und unterstrich damit die Wichtigkeit des jüdischen Staates. Entsetzt zeigte sie sich darüber, dass auf manchen Landkarten und in manchen Atlanten Israel bis heute nicht zu finden sei. Damit werde immer noch das Existenzrecht Israels von mancher Seite in Frage gestellt. Wie keiner der Eröffnungsredner ging Kaup-Hasler konkret auf die aktuelle politische Situation in Israel ein, sie betonte allerdings doch, „ein kritischer Blick auf die Politik im Land muss möglich sein, ohne die Existenz Israels in Frage zu stellen“.

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