Hummus aus Europa

Fanny Schreiber ist Hälfte-Eigentümerin von Deli Gourmet und produziert vegane Köstlichkeiten für österreichische und deutsche Kunden.

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Fanny Schreiber will mit Deli Dip beste Qualität für einen breiten Kundenkreis anbieten. © Reinhard Engel; Florence Stoiber

Wir wollten nicht nur importieren. Wir wollten die Kontrolle über die Produktion und die Qualität.“ Fanny Schreiber erzählt, wie mühsam die Suche nach einem geeigneten Produzenten für Hummus in Europa war. Gemeinsam mit ihrem Firmenpartner Hannes Winkelbauer suchte sie in mehreren Ländern, etwa bei deutschen Herstellern von Mayonnaisesalaten. Fündig wurden sie dann bei einem kleinen Budapester Falafel-Produzenten. Schreiber: „Mit ihm haben wir uns sofort verstanden, er hat ebenso großen Wert auf Qualität gelegt wie wir. Aber es handelte sich um einen ganz kleinen Betrieb.“
Das war 2012, und inzwischen ist die Produktionsstätte des ungarischen Joint-venture-Partners aus der Stadt hinaus in einen Business Park im Süden von Budapest gewandert. Man hat in neue Maschinen investiert, je nach Saison arbeiten 35 bis 40 Frauen und Männer für Deli Gourmet, füllen Hummus mit unterschiedlichen Gewürzmischungen, Tahina, Baba Ganoush oder Guacamole unter der Marke Deli Dip ab.
Der Plan war von Anfang an, nicht auf Spezialgeschäfte, sondern auf Supermärkte für einen breiten Kundenkreis zu setzen. Und die Ketten, die Deli Dip in Österreich verkaufen, sind inzwischen mehr als herzeigbar: An erster Stelle liegt die Rewe-Gruppe mit Merkur, Billa und Adeg, dann folgen Metro und Hofer (unter einem anderen Label). Parallel dazu hat die internationale Expansion bereits begonnen. Es gibt Lieferungen nach Norwegen, seit zwei Jahren gehören die Supermärkte von Globus in Deutschland zu den Kunden, und gerade hat eine erste regionale Kette des Riesen Edeka geordert.
Auch ein Großteil der Zutaten kommt aus Europa: die Kichererbsen aus Ungarn und der Türkei, die Melanzani aus Griechenland. Lediglich Tahina und Avocados reisen weiter an, aus Israel und Mexiko.
Schreiber selbst ist Europäerin mit einem exotischen Touch. Sie stammt aus Paris, ihr Großvater mütterlicherseits aus dem französischen Überseegebiet Réunion im indischen Ozean. „Die dortige Küche ist eine Mischung aus französisch, indisch und chinesisch“, erzählt sie.
Das spielt deshalb eine Rolle, weil Fanny in einer französischen Bistroküche aufgewachsen ist. Ihr Großvater, der als Gendarm arbeitete, hatte immer den Wunsch, ein eigenes Restaurant zu betreiben, und diesen Wunsch erfüllte er sich in der Pension. „Es war so, wie man sich ein französisches Bistro vorstellt, mit rot-weiß karierten Tischtüchern und brummend von lauten Gesprächen zwischen den Stammgästen.“

© Florence Stoiber

Von Jura zu Gastro. Fanny war schon als Volksschulkind nicht aus der Küche herauszubringen, „und ich war die einzige, die zu Großvater in die Küche durfte.“ Einige Jahre später, als dann die Studienwahl anstand, sah sie die Gastronomie schon mit kritischeren Augen. Ihre Eltern hatten praktisch keine Freizeit und kein Privatleben, alles drehte sich stets ums Geschäft.
Also begann sie zunächst, Jus zu studieren, merkte aber bald, dass sie das nicht wirklich erfüllen würde. Also sattelte sie auf Hotel- und Restaurantmanagement um und machte in diesem Fach ihren MBA-Abschluss. Einige Jahre arbeitete sie anschließend als Food Controller für eine französische Restaurantkette.
Doch die Liebe machte ihr einen Strich durch ihre Karriererechnung. Sie lernte ihren Mann kennen, zog nach Wien, konvertierte zum Judentum und wurde Mutter von zwei Buben. Während diese klein waren, blieb sie zuhause, arbeitete nur gelegentlich auf Projektbasis mit Immobilien und Schmuck, organisierte das eine oder andere Firmenabendessen.
Als ihre Kinder größer wurden, wollte sie wieder beruflich voll aktiv werden. Bei langen Gesprächen mit Hannes Winkelbauer, der gemeinsam mit seinen Brüdern ein Unternehmen für den Import von Lebensmitteln besitzt und leitet, entwickelte sie einen Plan für die Produktion und den Vertrieb von orientalischen Speisen. Vegan sollten sie sein, gesund und von durchgängig hoher Qualität. „Das ist das Hauptproblem, die Qualität aus einer individuellen Küche auch im großen Maßstab durchzuhalten.“
In ihrer eigenen weitläufigen Küche wurde experimentiert, Schreiber erstellte eine solide Marktstudie, in der sie das Potential in Österreich auslotete und mit tatsächlichen Verkäufen von Hummus und Tahina in Frankreich und England verglich. „In Paris bekommt man Hummus und Guacamole in jedem Supermarkt. Wir wollten wissen, ob es auch in Österreich einen Bedarf gibt.“ Winkelbauer hatte die Kontakte zu den österreichischen Handelsketten, also wagten sie den Start mit Deli Gourmet.
Heute gibt es eine klare Arbeitsteilung: Schreiber ist für Produktentwicklung, Qualitätssicherung, Marketing und Finanzen zuständig, Winkelbauer für den Vertrieb. „Ohne seinen Zugang zu den Supermärkten hätten wir keine Chance gehabt.“ Sie fährt alle zwei Wochen nach Ungarn, um in der Fabrik nach dem Rechten zu sehen, über neue Verpackungen oder Produkte zu diskutieren. „Trotzdem versuche ich, so oft wie möglich noch für meine Söhne und meinen Mann zu kochen. Das geht nicht immer, aber ich mache es wirklich gerne.“
Gefragt, was ihr berufliches Ziel ist, denkt sie einen Moment nach, dann sagt sie: „Den besten Hummus in Europa zu machen.“ Kurze Pause. „Man muss sich ja ein hohes Ziel setzen.“

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