In die Zukunft investieren

Nach vielen Monaten Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten ist der Wiener Stadttempel für die jüdische Gemeinde geöffnet. Rechtzeitig zu Rosch haSchana konnte die Gemeinde Wiens wieder in ihrem spirituellen Zentrum feiern.

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„Wir sind wieder daheim. Der Stadttempel war geschlossen,
unser Gemeindeleben nie,“

sagte Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, bei der Eröffnungsfeier. Diese fand nach den geplanten zehneinhalb Monaten Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten, zwei Tage vor Rosch haSchana, statt. Die Wiedereröffnung wurde mit der Einbringung einer neuen Torah-Rolle gefeiert, die davor tanzend und singend durch die Wiener Innenstadt zum Tempel getragen wurde. Die Feierlichkeiten sind Teil des 200-jährigen Jubiläums des Stadttempels, dessen zentrale Festveranstaltung morgen, am 16. September, in Anwesenheit des Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen stattfindet und live über ORF 3 mitverfolgt werden kann. Das zentrale Gotteshaus der Wiener Gemeinde wurde von Josef Georg Kornhäusel entworfen und 1826 feierlich eröffnet. Es ist die einzige Synagoge, die während der Pogrome im November 1938 und der Schoa nicht zerstört wurde und die heute noch aktiv ist.

Feierliche Eröffnung für alle Gemeindemitglieder am 09. September 2026.

Möglich wurde diese notwendige Modernisierung durch die Unterstützung der Republik Österreich, der Stadt Wien sowie Hunderter Spenderinnen und Spender aus dem In- und Ausland – sie alle hätten, „in die Zukunft des jüdischen Wiens investiert“, so Deutsch.

Mit der Durchführung der behutsamen Restaurierung wurde die KENH Architekten ZT GmbH beauftragt, die bereits Expertise auf diesem Gebiet aufweisen konnte und hier auch eng mit dem Denkmalamt zusammengearbeitet hat. Im Zuge der Arbeiten wurden, vor allem auch notwendige Aufgaben, wie die Verbesserung des Brandschutzes und der Barrierefreiheit verbessert, sowie die Eingangssituation neugestaltet. Aber natürlich wurde auch der Innenraum samt Bimah restauriert, damit der Stadttempel zum feierlichen Geburtstag würdig strahlen kann. Die Gesamtkosten von 10,5 Millionen Euro tragen Bund, Stadt Wien und private Spender zu gleichen Teilen – 95 Prozent sind bereits gedeckt.

Für Jaron Engelmayer, Oberrabbiner im Stadttempel, ist die Wiedereröffnung symbolisch: Als einzige noch aktive Synagoge, die die Schoa überstanden hat, ist die Restaurierung symbolisch eine Investition in die Zukunft und das jüdische Leben in Wien und Österreich.

Zum Jubiläum hat die Österreichische Post eine Sonderbriefmarke herausgegeben und die Münze Österreich eine Medaille für ein lebendiges Zeugnis jüdischer Geschichte geprägt.

Am 22. September wird im Jüdischen Museum die Festschrift 200 Jahre Wiener Stadttempel 1826–2026 präsentiert und lädt den Herausgebern Ariel Muzicant, Oskar Deutsch, Jaron Engelmayer und Shmuel Barzilai nach zum Eintauchen in die bewegte Geschichte und dynamische Gegenwart der jüdischen Gemeinde Wiens.

 

 

 

 

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