Israel ist mein Land

Yana Hauptmann, Ärztin und vierfache Mutter, engagiert sich seit vielen Jahren für die Belange der WIZO und damit für soziale Projekte in Israel.

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Yana Hauptmann hilft in Wien und international. Ihre Heimat ist und bleibt Israel. © Reinhard Engel

Zuerst sieht man den dunklen lockigen Wuschelkopf; gleichzeitig strömt sonnige Energie herein: Yana Hauptmann, Ärztin und vierfache Mutter, hat das Zimmer betreten. Mit dieser positiven Ausstrahlung umgarnt sie jeden in ihrer Umgebung: Vielbeschäftigte Industrielle und gestresste Managerinnen können ihr nicht absagen und verbringen ihre spärlichen freien Abende beim WIZO-Ball oder beim Sponsorendinner für die österreichischen Freunde der hebräischen Universität. „Auch mein großer nicht-jüdischer Freundeskreis weiß, wie wichtig Israel für mich ist. Ich erzähle viel über unsere Projekte und wecke so ihr Interesse”, lacht Hauptmann, die seit vielen Jahren eine Wohnung in Tel Aviv hat, obwohl sie in ihrem 51-jährigen Leben schon an zahlreichen anderen Orten gelebt hat.

Yana wurde 1966 in Moskau geboren, wanderte mit ihren Eltern 1972 nach Israel aus und ging dort in die Volksschule. Nach vier Jahren zog es die Familie nach Wien, wo das Einzelkind fünf Klassen im Gymnasium Stubenbastei absolvierte. „Ich sollte unbedingt Russisch schreiben und lesen lernen, das war hier möglich.” Yanas Mutter war Pianistin; der Vater betrieb in Spielfeld ein Geschäft mit Waren aller Art. Doch es hielt sie nicht lange in Wien, obwohl sie nach eigenem Empfinden gut integriert war: „Ich hatte eine tolle Gruppe sowohl bei den jüdischen Mittelschülern als auch beim HaShomer Hazair. Aber ich habe Israel so stark vermisst, dass ich alleine zu meinen Großeltern zurückgefahren bin.” Im Internat Hadassim, in der Nähe von Netanja, legte sie die Matura in Deutsch ab. „Da gab es eine Klasse für Alija-Kinder. Unter der Woche war ich in diesem Internat, das von WIZO Kanada finanziert wurde. Auch deshalb engagiere ich mich seit vielen Jahren für die Belange der WIZO.”

Doch bevor es dazu kam, stand Hauptmann noch eine Odyssee durch halb Europa bevor: Mit 18 Jahren heiratete sie einen Israeli, das Paar zog zum Medizinstudium nach Budapest. Über eine Freundin aus Göttingen hatte Hauptmann einen Studienplatz an der dortigen Universität erhalten. Die Ehe hielt nur ein Jahr, aber das Studium setzte Hauptmann unbeirrt fort. Sie promovierte in Allgemeinmedizin und machte die Fachausbildung für rekonstruktive Gesichtschirurgie. In Budapest lernte sie über gemeinsame Freunde Karl Hauptmann kennen, den sie 1995 heiratete. „Karl hat als Banker zuerst in London gearbeitet, aber sobald wir verheiratet waren, zogen wir zusammen nach Prag zu seinem neuen Arbeitsplatz. Leider habe ich dort als Ärztin nicht arbeiten können, weil mein deutsches Diplom nicht anerkannt wurde. Das war das Ende meiner medizinischen Karriere”, klingt es noch immer etwas wehmütig.

»Das ist mein Land, ich habe die israelische Staatsbürgerschaft und darauf bin ich sehr stolz.«
Yana Hauptmann

Unabhängigkeit und Menschlichkeit. Doch es wäre nicht die energiegeladene Yana, wenn sie nicht ein Betätigungsfeld gefunden hätte: Sie half ihrem Mann beim Aufbau eines Büros in Moskau, vermittelte zwischen den Geschäftspartnern, fungierte als Übersetzerin. „Ich habe gutes Geld verdient und mir so meine Unabhängigkeit bewahrt.” Gleichzeitig widmete sie sich ihren zwei Söhnen Sascha und Leon sowie den beiden Töchtern Anna und Lara. 1998 übersiedelte sie nach Wien, um ihre kranke Mutter zu betreuen. „Als es dann 2002 zu dem schrecklichen Terrorattentat in der Cafeteria der hebräischen Universität in Jerusalem kam, habe ich mit Ellen Landesmann die Studiengebühren für drei Studenten übernommen, die plötzlich ohne Job dastanden.”

Für die WIZO Österreich hat Rita Dauber sie angeworben. „Zu meinem 40. Geburtstag habe ich eine Riesenparty gemacht und verkündet, keine Geschenke anzunehmen, nur Geld für die WIZO. Und so haben wir es teilweise auch bei den Bar und Bat Mitzwot der Kinder gehalten.” Die Familie fährt so oft es geht nach Israel: „Das ist mein Land, ich habe die israelische Staatsbürgerschaft, und darauf bin ich sehr stolz. Und mit dem Pass komme ich überall hinein.”

 

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