Italienisch-französischer Chic

Der israelische Modedesigner Yossi Cohen soll als Kreativdirektor die in die Jahre gekommene Marke Les Copains erneuern.

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©123rf

Die Suchmaschinen wollen alle nur einen Yossi Cohen präsentieren: den aktuellen Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad. In seinem Windschatten versteckt sich ein anderer, äußerst kreativer Kopf gleichen Namens. Er kommt aus einer jemenitischen Familie, hat seinen ersten Abschluss am renommierten Shenkar College for Engineering, Design und Art in Tel Aviv gemacht, um anschließend in New York an der Parsons School of Design zu studieren. Die Lehr- und Wanderjahre führten ihn quer durch Studios großer Modedesigner: zu Yohji Yamamoto, Fendi, Malo, Max Mara oder Borbonese.
In den letzten Jahren zeichnete Yossi Cohen dann schon selbst für Kollektionen unterschiedlicher Art verantwortlich. Dazu gehörten etwa der edle schottische Kaschmirstricker Ballantyne, der einer italienischen Gruppe gehört, die ebenfalls italienische Jeansmarke Gas, der türkische Lederwarenhersteller Desa oder das schräge Modelabel Pihakapi (Php).
Bei Les Copains arbeitet Cohen mit den unterschiedlichsten Materialien, nicht zuletzt wieder mit gestrickten Garnen. Denn Les Copains baut auf einem historischen Schwerpunkt auf.
Gegründet hatte die Marke der Bologneser Mario Bandera Ende der 1950er-Jahre. Den Namen leitete er von einer intellektuellen französischen Radiosendung ab: Salut Les Copains, frei ins Österreichische übersetzt etwas wie „Hallo Haberer“. Bandera ließ in einer kleinen Werkstätte in seiner Heimatstadt stricken, der wichtigste Auslandsmarkt war anfangs Deutschland.

„Cohen hat den großbürgerlichen Stil der Zeit aufgenommen und interpretiert ihn mit einem zeitgemäß
rebellischen Akzent.“

Pambianconews, italienischhe Mode- und Designwebsite

Über die Jahre entwickelte sich Les Copains zu einer international gut laufenden kleineren Designermarke für sportlich-elegante Damen- und Herrenmode. Verkauft wurde in eigenen Boutiquen, in Designer-Outlets und in Shop-in-Shops bekannter Warenhäuser, etwa bei Saks Fifth Avenue. Doch mit der Zeit setzte die Brand etwas Staub an. Und im Jahr 2019 wurde das Unternehmen nach dem Tod des Gründers zur Gänze verkauft. Die neuen Eigentümer, die Bologneser Familie Zambelli, die dort bereits die Strickwarenfirma Bruno’s besitzt, suchte auch auf der Kreativseite einen Neuanfang.
Cohen wurde von der Modepresse wohlwollend empfangen. Seine ersten beiden Kollektionen führen thematisch in das Frankreich der 1970er-Jahre zurück. Sie verbinden italienischen und französischen Chic und stellen tragbare Eleganz für alle Tage dar.
„Cohen hat den großbürgerlichen Stil der Zeit aufgenommen und interpretiert ihn mit einem zeitgemäß rebellischen Akzent“, beschreibt die italienische Mode- und Designwebsite Pambianconews die neue Linie.
Auch was die Ursprünge mit Pullöverchen betrifft, die beinahe handgestrickt wirken und aus Merino, Kaschmir oder Mohair gefertigt sind, knüpft Cohen an Bewährtes an. Sie tauchen vor allem blau-weiß gestreift in der Art der französischen Fischer- und Matrosenhemden Marinières wieder auf. Darüber kann man freilich gelegentlich auch eine plüschige Zotteljacke oder einen eleganten Blazer sehen. Cohen setzt dabei gekonnt auf den Dialog von maskulinen Linien und Stoffen mit Leichtigkeit, Weichheit, Glanz und Sinnlichkeit.

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