
Jacques Heim wurde 1899 als Sohn jüdischer Einwanderer aus Polen in Paris geboren. Schon früh begann er im Pelzgeschäft seiner Eltern zu arbeiten und entwickelte daraus innerhalb weniger Jahre eines der angesehensten Modehäuser Frankreichs, das ihn zu einem der einflussreichsten Couturiers seiner Zeit machte.
Er veränderte die Entwürfe der Pelzmodelle, indem er sie mit Stoffen kombinierte und mit geometrischen Formen experimentierte, wollte aber auch die Bademode verändern. Er erkannte, dass Frauen sportlicher wurden und nach größerer Bewegungsfreiheit in ihrer Strandbekleidung verlangten. Aus diesem Grund präsentierte er 1932 einen zweiteiligen Badeanzug, den er „Atome“ nannte. Der Name spielte bewusst auf das damals kleinste bekannte Teilchen der Materie an und sollte die Knappheit seines Entwurfs unterstreichen. Doch der große Erfolg blieb zunächst aus. Die meisten Frauen empfanden einen freiliegenden Bauch noch als zu gewagt.
Untergrund, Widerstand und Neuanfang. Der Zweite Weltkrieg unterbrach seine Karriere. Als Jude musste sich Jacques Heim während der deutschen Besatzung Frankreichs verstecken. Sein Modehaus führte er aus dem Verborgenen weiter, während offiziell ein nichtjüdischer Geschäftsführer als Inhaber auftrat. Gleichzeitig trat Heim in die französische Résistance ein. Trotz dieser schwierigen Jahre gelang es ihm, sein Unternehmen zu erhalten.
Nach Kriegsende griff Heim seine Idee erneut auf, brachte im Juni 1946 den „Atome“ in überarbeiteter Form auf den Markt und bewarb ihn werbewirksam als „den kleinsten Badeanzug der Welt“.

Doch nur wenige Wochen später erschien ein Konkurrent auf der Bildfläche. Louis Réard, ein Ingenieur, der das Dessous-Geschäft seiner Mutter leitete, entwickelte einen noch kleineren Zweiteiler. Er verkleinerte insbesondere das Höschen, ließ erstmals den Bauchnabel frei und gab seiner Kreation einen Namen, der Geschichte schreiben sollte: „Bikini“. Inspiriert wurde dieser von den amerikanischen Atomtests auf dem Bikini- Atoll im Pazifik.
Heutige Modehistorikerinnen und -historiker
sehen in Jacques Heim den eigentlichen Erfinder
des modernen zweiteiligen Badeanzugs.
Da sich kein professionelles Model bereit erklärte, das gewagte Kleidungsstück zu tragen, engagierte Réard die Nackttänzerin Micheline Bernardini. Am 5. Juli 1946 präsentierte sie den Bikini im Pariser Schwimmbad Piscine Molitor. Die Bilder gingen um die Welt. Réard griff dabei sogar Heims Werbestrategie auf und ließ ein Flugzeug über Paris fliegen, das den Slogan „Kleiner als der kleinste Badeanzug der Welt“ in den Himmel schrieb.
Die Schauspielerinnen Brigitte Bardot und Marilyn Monroe verhalfen dem Bikini zu seinem großen Durchbruch und machten ihn in den 1950er-Jahren gesellschaftsfähig. Mit ihren Filmauftritten und Fotos wurden sie zu Ikonen einer neuen Generation selbstbewusster Frauen.
Der Name „Bikini“ setzte sich rasch durch und machte Louis Réard weltberühmt. Jacques Heim geriet dagegen zunehmend in Vergessenheit.
Nach Jacques Heims Tod im Jahr 1967 verschwand sein Name zunehmend hinter dem Mythos des Bikinis. Heutige Modehistorikerinnen und -historiker sehen Heim jedoch als den eigentlichen Erfinder des modernen zweiteiligen Badeanzugs, während Louis Réard dessen radikalere Weiterentwicklung schuf und ihr mit dem Namen „Bikini“ zu weltweiter Bekanntheit verhalf.





















